Mehr als nur Quattro, TDI oder TT


zum 100. Geburtstag des Hauses Audi: Latein ist doch zu etwas nütze...

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Was diese Bemerkung hier soll, werden Sie, liebe Leser, jetzt zu Recht fragen. Nun, sicher ist die Geschichte mit August Horch, auf dessen Name das lateinische «Audi» beruht, allgemein bekannt. Wer aber weiß, dass eigentlich ein gewisser Heinrich Fikentscher Wegbereiter dieser Geschichte war?

100 Jahre Audi 1

Besagter Fikentscher muss mit dem lateinischen Vokabular bestens vertraut gewesen sein. Schließlich war er es, der 1909 als Zehnjähriger dem Automobilkonstrukteur August Horch die Idee lieferte, die in die Geschichtsbücher des Automobilbaus einging. Horch war mit Heinrichs Vater befreundet, und das helle Bürschchen konnte ihm bei der Lösung eines Problems helfen: Horch, der 1899 in Köln die «Horch & Cie. – Motorwagen-Werke» gegründet hatte, verkrachte sich mit seinen Teilhabern und wollte eine neue Automobilfirma in Zwickau gründen. Den Namen durfte er jedoch kein zweites Mal benutzen. Daher übersetzte der kleine Heinrich den Namen Horch – als Befehlsform von horchen – ins Lateinische: Der Rest ist bekannt. Von da an gab es «Audi».

Ein Jahrhundert später ist Audi ein florierendes globales Unternehmen mit über 50.000 Mitarbeitern. Neben den beiden deutschen Standorten in Ingolstadt und
Neckarsulm wird in China, Indien und Ungarn produziert. Audi hat Geschichte geschrieben. Als Hersteller von Serienfahrzeugen, aber auch mit Ikonen der Renngeschichte wie dem «Quattro» oder dem Design-Wunder TT. Audi prosperierte
und tut es auch heute – im Angesicht der Krise noch. Im vergangenen Jahr wurden erstmals über eine Million Fahrzeuge verkauft.
August Horch konnte nicht ahnen, was er im wahrsten Sinn des Wortes «angerichtet» hatte, als vier Jahre vor Ausbruch des Ersten Weltkrieges das erste Fahrzeug mit dem Namen Audi die Werkstore in Zwickau passierte. Zumal die junge Firma kräftig zu «strampeln» hatte. Nachdem Audi 1928 in den finanziellen «Schlamassel» geriet, übernahm DKW das Unternehmen. 1932, als die Welt immer noch mit den Auswirkungen des «Schwarzen Freitags» kämpfte,

… schlossen sich Audi, DKW, Horch und Wanderer unter dem Zeichen der vier Ringe zur Auto Union zusammen.

100 Jahre Audi 2

Es war die Geburtsstunde eines Markenzeichens, das heute auf unseren Straßen zum Alltagsbild gehört. Nach Kriegsende wurde die in der sowjetisch besetzten Zone liegende Auto Union AG enteignet. Zwickau war Vergangenheit, ein paar Mitarbeiter begannen neu im bayerischen Ingolstadt und bauten dort anfangs ausschließlich Zweitakter für DKW. Die Auto Union wurde 1958 von Daimler-Benz, sechs Jahre später von Volkswagen übernommen. Als im Jahr 1965 der erste Viertakter gebaut wurde, war auch eine neue Bezeichnung erforderlich: «Audi» war wieder auferstanden. Vier Jahre später fusionierte die Auto Union mit den NSU Motorenwerken. Im März rollte der letzte NSU vom Band, 1985 wurde aus der Audi NSU Auto Union AG die bis heute bestehende Audi AG.

Der hauseigene Slogan «Vorsprung durch Technik» manifestierte sich auf vielen Gebieten der Fahrzeug- und Motorentechnik: dem Quattro-Antrieb, dem TDI, dem Space Frame oder der voll verzinkten Karosserie.

August Horch bekam davon nichts mehr mit. Er starb im Jahr 1951 und hinterließ
der Nachwelt nicht nur einen weltweit führenden Hersteller von Automobilen, sondern auch die obskure Geschichte von dessen Namensgebung. Und die Weisheit, wonach wir für das Leben und nicht für die Schule lernen, hat er ohnehin bestätigt.

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