Kunst auf Rädern: 125 Jahre Automobil


Eine Zeitreise in die Dreißiger

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Diskussionen mit Autodesignern über die verschiedenen Epochen und Entwicklungsschritte gipfeln nicht selten in einer Aussage: Die schönsten Modelle sind in den Dreißiger– und Sechzigerjahren des vergangenen Jahrhunderts entstanden. Ein Blick in die Verkaufskataloge jener Jahre bestätigt dieses Gefühl: In den «Dreißigern» führten Ästhetik und technische Weiterentwicklung zu einer nicht selten mitreißenden Gesamtgestaltung des Fahrzeugs – heute empfinden Menschen diese Schöpfungen durchaus als «Kunst auf Rädern».

Bugatti Veyron

Die Bugattis der dreißiger Jahre als Inspiration für den aktuellen Veyron

Sportwagen und Coupés aus den Jahren 1930 bis 1939 profitierten von dem ab Mitte der 20er-Jahre spürbaren Trend zum leistungsfähigen Wagen mit niedrigem Schwerpunkt, langer Motorhaube und voluminöseren Reifen.

Vorreiter dieser Entwicklung waren beispielsweise der Mercedes S (26/120/180) aus dem Jahre 1927 oder der Bentley Speed Six von 1929.

Mercedes-Benz schuf mit dem 540 K einen der bedeutendsten Klassiker dieser Epoche. Entstanden 1936 ausder seit 1934 erhältlichen Baureihe 500 K,mobilisierte der Achtzylinder-Reihenmotor bei eingeschaltetem Kompressor aus 5,4 Litern Hubraum 132 kW/180 PS. 319 Exemplare entstanden alsRoadster oder in Cabriolet-Ausführung. Hermann Ahrens, seit 1932 Leiter der Stilistik-Abteilung, etabliert die als «Sindelfinger Karosserie» bekannte Designrichtung. Besonders der Spezial-Roadster mit seinen schwungvollen Kotflügel-Formen wurde zum Inbegriff des luxuriösen Kompressor-Sportwagens seiner Zeit.

Ein Rivale, der es auch in Sachen Imagefaktor mit dem schwäbischen 540 K aufnehmen konnte, war der Horch 853, das Spitzenprodukt der Auto Union. Rennfahrer Bernd Rosemeyer fuhr eine von dem Berliner Karossier Erdmann & Rossi geschaffene Coupé-Variante, die als «Manuela» bekannt wurde. Der Fünfliter-Achtzylinder leistete 88 kW/120 PS. Im Horch-Werk Zwickau entstanden zwischen 1935 und 1940 1.023 Sportcabriolets, Coupés und Fahrgestelle des Typs 853.

Jubilaeumsmagazin Historie

Bernd Rosemeyer und sein von Erdmann und Rossi karossierter Horch 853

Einen Roadster, der auch im Rennsport für Furore sorgte, stellte BMW 1936 vor. Der 328 avancierte im Juni 1936 durch seinen triumphalen Einstand auf dem Nürburgring zum Ideal des eher «schlanken» Sportwagens schlechthin. Denn er brachte moderate 830 kg auf die Waage, sein wegweisender Reihen-Sechszylindermotor aber leistete immerhin 59 kW/80 PS. Das reichte für 155 km/h Höchstgeschwindigkeit. Zwischen 1936 und 1940 entstanden 464 Exemplare. Legendär auch die Sonderanfertigungen für die Mille Miglia 1940. Der BMW 328 setzte konsequent auf Aerodynamik, Leichtbau und einen Zweiliter-Motor, der in Wettbewerbstrimm bis zu 81 kW/110 PS leistete.

Als vielleicht futuristischste Kreation der 30er-Jahre machte der Bugatti 57 SC Atlantic bereits bei seinem Debüt 1935 Furore. Konzipiert von Jean Bugatti, dem Sohn von Firmengründer Ettore, ging der Atlantic einen Sonderweg im Design: Das Coupé wartet mit einer von der Motorhaube über das fein geschwungene Dach bis zum Heck-abschluss durchgehenden Schweißnaht auf. Angetrieben wurde der Atlantic von einem 3,3-Liter-Reihenachtzylinder-Motor mit, dank Kompressor, mehr als über 147 kW/200 PS. Die Aluminium-Karosserie ruhte auf einem Stahlrahmen. Lediglich vier Exemplare entstanden – im Jahr 2010 wurde ein neuer Auktions-Rekordpreis mit 30 Millionen Dollar erzielt.

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