Kehrt die Oberleitung in den Straßenverkehr zurück?


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Elektroautos benötigen enorme Batteriepakete, um eine einigermaßen akzeptable Reichweite zu ermöglichen. An elektrisch fahrende Lkw mit ihren hohen Nutzlasten ist somit gar nicht zu denken. Ob’s trotzdem geht, soll jetzt ein Pilotprojekt auf der Autobahn A5 herausfinden. Der »Trick« dabei: Oberleitungen ähnlich wie bei der Deutschen Bahn. ELISA heißt die klangvolle Abkürzung des Projektes. Es steht für »Elektrifizierter, innovativer Schwerlastverkehr auf Autobahnen«.

Oberleitungen für nicht schienengebundene Fahrzeuge gab’s schon mal. Bis in die 1960er-Jahre hatten viele Städte sogenannte O-Busse. Die hatten eine Gummibereifung und wurden über lange Stangen aus Oberleitungen mit Energie versorgt. Im Prinzip also wie Straßenbahnen – nur eben ohne Schienen. Heute gibt es sie in Deutschland nur noch in Solingen, Eberswalde und Esslingen. 

Doch das Pilotprojekt auf der A5 zwischen den Anschlussstellen Zeppelinheim/Cargo City Süd des Frankfurter Flughafens und Darmstadt/Weiterstadt hat einen anderen Ansatz. Die gesamte Republik mit Oberleitungen vollzunageln, geht aus Kostengründen nicht. Daher kommen Hybrid-Lkw zum Einsatz. Erkennen Sensoren im Dach des Führerhauses eine Oberleitung, werden die Stromabnehmer automatisch ausgefahren und versorgen die Elektromotoren des Lkw mit Energie. Die Trucks fahren somit lokal CO2-emissionsfrei und laden gleichzeitig ihre Batterien wieder auf. Beim Überholvorgang oder am Ende der Oberleitung übernehmen die Batterien die Stromversorgung die Motoren oder ein Dieselaggregat springt an. Die Geschwindigkeit muss bei diesem Vorgang nicht verringert werden.

„Mit der Errichtung der Anlage soll der praktische Nachweis der Integrationsfähigkeit von Oberleitungssystemen im Straßenraum erbracht werden. Die Anlage soll in reale Transportketten eingebunden und die Machbarkeit der klimaneutralen Güterlieferung im urbanen Raum Frankfurt nachgewiesen werden“, sagt Gerd Riegelhuth, Abteilungsleiter Verkehr beim Landesbetrieb Hessen Mobil. Das Land Hessen hat Siemens mit dem Bau des ersten eHighways in Deutschland beauftragt, nachdem der Münchner Konzern diese Innovation bereits 2012 vorgestellt hatte. Gefördert wird das Projekt vom Bundesumweltministerium mit 14,6 Mio. €. 

Ähnliche Versuche laufen in Schweden und in Kalifornien sowie demnächst auf der A1 bei Lübeck. Siemens hat ausgerechnet, dass die Ausstattung von 4.000 Autobahnkilometern mit Oberleitungen ausreichend sein soll. Dies sei mit 11 Prozent der jährlichen erwarteten Erlöse aus Mautgebühren realisierbar. 16.000 € betrage die Kraftstoffersparnis beim Betrieb eines 40-t-Sattelzugs mit einer Jahresfahrleistung von 100.000 km auf dem eHighway – basierend auf 1,25 €/L Diesel und 0,15 €/kWh Strompreis. Mehr als 7 Mio. Tonnen CO2 ließen sich nach Siemens-Berechnungen jährlich einsparen, wenn 30 Prozent des Schwerlastverkehrs auf deutschen Autobahnen elektrifiziert und mit regenerativer Energie versorgt werden.  

Foto www.siemens.com/presse 

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