Fliegende Autos in den USA


Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft trafen sich in Oshkosh

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Bei der EAA Air Venture in Oshkosh, dem größten Fliegertreffen der Welt, gab es 2018 gleich drei fliegende Automobile zu sehen: Im Museum der Experimental Aircraft Association steht ein Aerocar I als erstes in den USA für die Straße zugelassenes Flugzeug, Terrafugia präsentierte die serienreife Version seines Faltflüglers Transition und die dreirädrige Studie Samson Switchblade mit Schwenkflügeln nennt sein Erbauer-Team lieber „fliegender Sportwagen“.

Im Gegensatz zu Europa, wo man eher an senkrecht startenden, elektrisch angetriebenen und autonom fliegenden Passagierdrohnen arbeitet, eröffnen die Weite des Landes mit über 9.000 Flugplätzen für Kleinflugzeuge ebenso wie die ungebrochene Begeisterung für die Luftfahrt Chancen für fliegende Automobile in den Vereinigten Staaten. Mehr als 600.000 Flug-Enthusiasten kamen nicht zuletzt mit 10.000 Privatmaschinen und noch mehr Reisemobilen nach Oshkosh in Wisconsin, etwa 250 Kilometer nördlich von Chicago. 

Nur fünf Exemplare des Aerocar I wurden in den 1950er-Jahren gebaut. Der im EAA-Museum ausgestellte Prototyp wurde 1991 in Texas wieder flugfähig gemacht. Das Autoteil ist ein vierrädriger Kleinwagen mit nur 540 Kilogramm Leergewicht und 185 Kilogramm Nutzlast, der 1956 alle gültigen Vorschriften für US-Automobile erfüllte. Im Heck des Zweisitzers ist ein luftgekühlter Vierzylinder-Boxer-Flugmotor Lycoming O-290 mit 125 PS/93 kW montiert, der die Vorderräder (!) antreibt.

Für den Flugbetrieb als Hochdecker wurden die entweder am Flugplatz deponierten oder als Anhänger mitgeführten Aluminium-Tragflächen mit 10,3 Metern Spannweite ausgeklappt und das V-förmige Leitwerk angekuppelt. Der am Heck montierte Zweiblatt-Hartzell-Druckpropeller wurde dann über eine patentierte Flexdyne-Kupplung schwingungsarm angetrieben. So waren 160 km/h Höchstgeschwindigkeit, etwa 110 km/h Reise-Tempo und maximal 4.000 Meter Flughöhe möglich.

Auch der Transition von Terrafugia – das Unternehmen gehört inzwischen, wie Volvo, zum chinesischen Mischkonzern Geely – sollte kein weiteres flugfähiges Automobil, sondern ein »roadable aircraft« werden und mit der günstigen LSA-Lizenz für leichte Sportflugzeuge geflogen werden können. Deren Gewichtslimit von 600 Kilogramm konnte wegen der heute vorgeschriebenen sicherheitstechnischen Ausstattungen zwar 2009 beim Erstflug nicht eingehalten werden, nach jüngsten Überarbeitungen soll aber doch nächstes Jahr die Serienproduktion des Transition starten.

Der in der Auto-Konfiguration 5,71 Meter lange, über zwei Meter breite und 2,06 Meter hohe Transition wird als Zweisitzer von einem 104 PS/76 kW starken Rotax 912S in Verbindung mit einem Hybrid-System elektrisch über die Hinterräder angetrieben und ist mit 105 km/h Höchstgeschwindigkeit autobahntauglich. Werden die Tragflächen ausgefaltet, beträgt die Spannweite 8,38
Meter. Die Maschine mit feststehendem Doppelleitwerk fliegt nach 500 Metern Startstrecke bis zu 185 km/h schnell und fast 700 Kilometer weit. Statt der ursprünglich avisierten 279.000 USD wird das Serienmodell ab etwa 450.000 USD kosten.

Deutlich preisgünstiger soll der Switchblade sein: 120.000 USD werden für den Sichtflug- oder 136.000 USD für den Instrumentenflug-Bausatz genannt und für 20.000 USD gibt es Unterstützung beim Bau durch Samson. Vor dem für 2019 geplanten Erstflug werden schon 257 km/h Reise- und 305 km/h Höchstgeschwindigkeit sowie 720 Kilometer Reichweite versprochen. Der flüssigkeitsgekühlte V4-Turbo-Benziner leistet 143 PS/105 kW und treibt den fünfblättrigen Druckpropeller über ein Untersetzungsgetriebe an. 

Sind das klappbare Leitwerk eingezogen und die nach vorn schwenkbaren Tragflächen unter der langnasigen Karosserie geschützt verstaut, ist der Switchblade übrigens ein zweisitziges Trike. 

Aerocar I

Samson Switchblade

 

 

 

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