Elektroantrieb beflügelt die gute alte Ente


Kfz-Meister aus dem hessischen Langgöns rüstet den Oldtimer um

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Es gibt sie noch zahlreich, die Fans der guten alten „Ente“, die ja eigentlich Citroën 2CV hieß. Dank Christoph Frisch aus dem nordhessischen Langgöns fliegt der Oldtimer jetzt ins 21. Jahrhundert. Der Inhaber einer freien Kfz-Werkstatt rüstet den Klassiker nämlich auf Elektroantrieb um.

Als sich Christoph Frisch 1982 selbstständig machte und seine Firma mit dem bezeichnenden Namen »Entenfrisch« gründete, war die Ente noch reichlich im Straßenbild zu finden. Obwohl: Die ersten Exemplare waren nach heutigem Verständnis schon damals Oldtimer – schließlich wurde das französische Kultauto mit der irren Straßenlage bereits seit 1949 produziert. Bis zur Produktionseinstellung 1990 wurden gut 5 Millionen Limousinen und Kastenwagen gebaut.

Inzwischen liegt der Schwerpunkt bei Entenfrisch nicht mehr nur bei Reparaturen, sondern Umbauten und in erster Linie Restaurierungen. Teile, die es nicht mehr gibt, werden halt selbst angefertigt. Durch die Nachrüstung eines geregelten Katalysators ist es sogar möglich, die grüne Umweltplakette zu bekommen. Doch das ist nicht nötig, wenn das Fahrzeug ein H-Kennzeichen hat. Kfz-Hauptuntersuchungen führt hier KÜS-Prüfingenieur Willi März aus Biebertal durch.

Da Elektromobilität aktuell in aller Munde ist, dachte auch Christoph Frisch darüber nach, die Ente zum Stromer umzurüsten. Mehr Platz als der luftgekühlte Zweizylinder-Viertakt-Boxermotor des Originals braucht ein Elektromotor auch nicht. Das Aggregat kommt von der Lorey Maschinenbau GmbH aus Offenbach, ein Unternehmen, das sich unter anderem auf die Elektro-Umrüstung von Oldtimern – vom Trabi und Käfer bis hin zum Landrover Defender – spezialisiert hat. Die Höchstgeschwindigkeit der Elektroente liegt mit 95 bis 110 km/h im Bereich des 2CV mit Verbrennungsmotor.

An der Ampel hat sich schon mancher Fahrer
im modernen Auto erschrocken.

Da das maximale Drehmoment von 100 Nm des Asynchronmotors ab dem ersten Tritt aufs Gaspedal anliegt, beschleunigt der E-Franzose viermal so schnell wie sein konventionelles Pendant. „Der Einbau des Motors ist relativ einfach,“ scherzt Christoph Frisch. „Entenmotor raus, E-Motor mit Adapter rein.“ Die Adapterplatte schafft die Verbindung zum serienmäßigen Getriebe, das ebenso erhalten bleiben kann wie die Bremsanlage. Auch an der Karosserie muss nichts verändert werden, sodass äußerlich die klassische Entenform nichts vom modernen Innenleben verrät.

Einziges Problem sind die Akkus. Als Lithium/Eisen-Batterien haben sie ein Gewicht von 150 kg, werden an Stelle der Rücksitzbank montiert und machen aus der Ente – auch aus Gewichtsgründen – einen Zweisitzer. „Mit Lithium/Ionen-Akkus ist es einfacher einen geeigneten Einbauplatz zu finden, da diese wesentlich kleiner sind und nur rund 70 kg wiegen,“ erläutert Frisch. „Leider kosten sie aber das Doppelte.“ Mit einer Akkukapazität von 13 kW sind ca. 90 bis 100 km Reichweite möglich. Die Ladezeit beträgt etwa 7 Stunden an einer normalen Steckdose.

Billig ist der Umbau nicht. Er schlägt inklusive Batterien mit rund 15.000 Euro zu Buche. Dafür hat man einen hochmodernen Oldtimer, mit dem man sich um bestehende oder noch drohende Fahrverbote keine Gedanken machen muss.

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