Ein Serien-Sportcoupé als Liebhaber-Unikat


„Den kenn’ ich doch!“

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Richtig, das mächtige Auto weckt Erinnerungen an die späten Siebziger. Seinerzeit hatte Mercedes-Benz einige leistungsstarke Exemplare der Modellreihe zu veritablen Motorsportfightern umgebaut und homologieren lassen für die Rallye-Weltmeisterschaft. Achtzylinder mit straffen Leistungen bis knapp über 300 PS. Spitzenpiloten wie Stig Blomqvist, Hannu Mikkola und Walter Röhrl führten die kraftstrotzenden Maschinen zu spektakulären Siegen, vor allem in Afrika (Elfenbeinküste). Dann wurde die ganze Sache aus Stuttgart von heute auf morgen abgeblasen.

Und nun steht ein solches Produkt vor mir, dem Urahn wie aus dem Gesicht geschnitten. Silberfarben, mit Schwarz abgesetzt, flach, breit und tief, geduckt wie für weitere Heldentaten. Der Mann hinter dem Liebhaber-Unikat ist Claus-Peter Laufer. Seine Liebe zu historischen Fahrzeugen und deren Wiederaufbau führte den Hessen aus Hünfeld bei Fulda in die Klassik-Szene, wo ihm ein Mercedes-Benz 350 SLC mit der seltenen 4-Gang-Schaltung (statt der eigentlich üblichen, etwas trägen 3-Gang-Automatik) angeboten wurde, Baujahr 1973.

Laufers Ziel: Aus dem zivilen Sportwagen eine Rallye-Replica im Outfit der Ex-Rallyeboliden aus Stuttgart zu formen. Es gab richtig viel daran zu tun, schweißen, löten, blechnern, isolieren, streichen, lackieren. Eine Hand voll befreundeter Experten griffen beherzt zu, halfen teils Tag und Nacht. Mit dabei: Michel Laufer. Der Sohn des Klassik-Fans packte mit 14 Jahren mit an, arbeitete sich ins Thema ein. Das Exemplar war inzwischen um wertvolle Ingredienzien nach Reglement des DMSB (Deutscher Motorsport Bund) bereichert worden: Kotflügelverbreiterungen, Sportsitze, 4-Punkt-Hosenträgergurte, zentrale Feuerlöschanlage, Gegensprechanlage, 4 große Cibie-Zusatzscheinwerfer (in der Szene als „Lichteimer“ bekannt), einen dezenter Heckspoiler etwa.

Vier-Gang-Getriebe und Motor wurden lediglich revidiert. Fazit des Betrachters: Die (bisherige!) Gesamtlaufleistung von etwa 142.000 Kilometern (und damit ein Zeitsprung von fast 50 Jahren) ist dem Sport-Coupé wahrhaftig nicht anzusehen. Allein das Saisonkennzeichen (Hauptuntersuchung natürlich bestanden!) deutet darauf hin, dass da kein „Brot-und-Butter-Auto“ für den Alltag unterwegs ist.

Fotos Frank Nüssel

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