
Freizeitmobil und Transporter: Der VW T1 (Bulli) trug in einer Doppelrolle zum Wirtschaftswunder bei.
Auf die Schriftstellerin Juliane Thomas traf genau das nicht zu. »Die Zürcher Verlobung« bescherte ihr, verkörpert von Liselotte Pulver, zwar unversehens einen Winterurlaub. Die Reise verbrachte sie jedoch als Beifahrerin des erfolgreichen Regisseurs Paul Frank. Und dessen Wohlstand erlaubte dem alleinerziehenden Witwer durchaus ein Auto, das als Familienkutsche durchgehen konnte. Das war 1957.
Es zeichnete sich aber schon ab, dass der Untersatz auf vier Rädern mit Motor für jedermann erschwinglich werden sollte. Mit Renault 4 CV, dem Citroën 2 CV und dem Fiat 500 kamen Modelle auf den Markt, die nicht zwingend ein Loch ins Budget rissen. Nicht fehlen darf hier der VW Käfer – der feierte seinerzeit das 300.000. vom Band rollende Exemplar.
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Mit dem wirtschaftlichen
Aufschwung kamen
Fernweh und Reiselust
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Nicht zuletzt brachte der wirtschaftliche Aufschwung es mit sich, dass Fernweh und Reiselust nicht mehr via Leinwand befriedigt werden mussten. Besonders beliebt als Reiseziel: Italien. Musste es 1946, als Rudi Schurickes »Capri-Fischer« zum Superhit wurde, für viele noch beim Hören und Träumen bleiben, war das Reisen schon eine beliebte Freizeitgestaltung, als Adriano Celentano mit »Azurro« die Hitparaden stürmte. Das Azurblau des Himmels im Sommer traf offenbar mitten ins Herz etlicher Hörerinnen und Hörer. Das wollte man nicht nur hören, sondern auch sehen. Und wer es mit Hazy Osterwald halten konnte, fuhr nicht mit einem Kleinwagen, sondern mit einem Freizeitmobil. Da hat der VW T1 wie kaum ein anderes vergleichbares Fahrzeug die junge Bundesrepublik geprägt – in einer Doppelrolle: Als Nutzfahrzeug trug er ebenfalls maßgeblich zum Wirtschaftswunder bei.

Der Mercedes 300 auch »Adenauer-
Mercedes« genannt – nach seinem wohl prominentesten Nutzer, dem ersten Bundeskanzler Konrad Adenauer

Der Peugeot 203