Das zweite Leben von «Amore mio». Fiat 500 «alt» und «neu»


Friseurmeister Bernd Schmidt liebte seinen alten Fiat 500 und ist vom Nachfolger begeistert

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Fiat 500 Küs 1

Es geht doch nichts über die erste Liebe. Egal, ob sie nun auf zwei Beinen oder auf vier Rädern daherkommt. Was hält, das hält. Ein Leben lang. Das war auch bei Bernd Schmidt so. Mit 19 Jahren «machte» der heute 54-jährige Friseurmeister aus dem kleinen Hunsrückstädtchen Hermeskeil, zwischen Trier und Saarbrücken gelegen, seinen Führerschein. Das erste eigene Fahrzeug ließ nicht lange auf sich warten. Ein Fiat 500, Baujahr 1957, giftgrün, 19 PS «stark». Ein rassiger Italiener, der damals die Ersparnisse des angehenden Friseurgesellen verschlang.

«1.000 DM hab ich dafür bezahlt», weiß der Figaro heute, 35 Jahre später, noch genau.

Für 1.000 DM, also geschätzte 500 Euro, offenbaren sich im Jahr 2008 im «nuovo cinquecento» bestenfalls ein paar Ausstattungsdetails, aber Schmidt schneidet   ja auch niemandem mehr die Haare für 1,50 DM wie weiland sein Vater. Ein wenig versonnen, lächelnd und in der eigenen Vergangenheit kramend steht der mittlerweile grau melierte «Alt-Tifosi der frühen Siebziger» heute vor dem Nachfolger, dem neuen Fiat 500. «Einer wie der andere, ein richtiger 500er», stellt er fest und nimmt gleichermaßen Platz und Maß: «In dem aktuellen 500er ist ja richtig Platz. Aber wir waren ja bescheiden damals.» Bis zu sechs Personen betrug die «persönliche Bestleistung» seinerzeit auf dem Weg zur samstäglichen Disco.

Fiat 500 Abarth 008

Ganz klar, der Neue muss gefahren werden, um Vergleiche anstellen zu können. Denn, sei es auch noch so lange her, wie sich die erste blecherne Liebe angefühlt und gefahren hat, das vergisst man nicht. «Bergab hab ich zu meiner Bundeswehrzeit auf der Autobahn jeden Lkw stehen lassen. Bergauf haben sie mich wieder kassiert», lacht er heute. Mit dem neuen 500er mit JTD-Motor, den wir gerade fahren, würde ihm das mit Sicherheit nicht mehr passieren. «Das kann man vom Fahrgefühl her gar nicht mehr miteinander vergleichen, aber da liegen ja auch ein paar Jahrzehnte dazwischen.»

Wo im einstigen Alltagsgefährt von Don Camillo und Peppone schmucke Einfachheit vorherrschte, lockt heute die Wunderwelt der Vielfalt. Mit insgesamt 500.000 verschiedenen individuellen Gestaltungsmöglichkeiten in Design, Motorisierung und Zubehör schickt Fiat den 500 in sein «zweites Leben». Den Bogen von einer «ruhmreichen großen Vergangenheit» zum erfolgreichen Neuanfang nach der größten Krise des Konzerns will Fiat mit dem symbolträchtigen Fahrzeug spannen. Trotz aller Zugeständnisse an die Lifestyle-orientierte Klientel lehnt sich der italienische Automobilkonzern bei der Formensprache eng an den kultigen Klassiker an:

Das vertraute Kuppeldach, die lustigen Kulleraugen und die kurzen Überhänge verschaffen lieb gewordene Vertrautheit.

Fiat 500 1

Mit einem solchen Auto sind schon Gianni und Gianna in den späten Fünfzigern mit den Bambini in den Urlaub aufgebrochen. Ein großes Glasdach lässt zudem «il sole», die Sonne, licht-durchflutend in den Innenraum einfließen.

Trotz aller wehmütigen Erinnerungen an die Originalausgabe: Das Retro-Modell hat auch unbestritten seine Vorzüge. «12 Meter Wendekreis ohne Servolenkung hat mein alter 500 gehabt. Der hat jede Mucki-Bude ersetzt», weiß Schmidt. Und er erinnert sich auch an die mitunter etwas rustikalen Gegebenheiten beim Reifenwechsel. «Wenn wir zu zweit waren, dann war das ganz einfach. Einer hat das Auto hoch gehoben und der andere den Reifen gewechselt.» Von einem Versuch, das Gleiche beim Nachfolger zu probieren, haben wir dann übrigens abgesehen. Nicht nur dem neuen Fahrzeug, sondern auch den alten Bandscheiben zuliebe.

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