Das ganz andere Elektroauto


Lightyear: Niederländisches Unternehmen setzt auf Solardächer

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Sieht man vom Antrieb und etwas modernerem Design ab, so unterscheiden sich Elektroautos kaum von konventionellen Verbrennern. Und ihr großes Manko ist bislang noch die oft unbefriedigende, weil geringe Reichweite und die vielfach fehlende Lade-Infrastruktur. Das niederländische Unternehmen Lightyear – also Lichtjahr – versucht, das Auto von Grund auf neu zu denken.

Im kommenden Jahr sollen die ersten Serienfahrzeuge des »5-Sitzers mit dem Kofferraumvolumen eines SUV« bereitstehen. In sonnenreichen Gegenden – so das Versprechen – soll man unter Umständen monatelang ganz auf ein Ladekabel verzichten können. Dach und Haube mit insgesamt 5 m2 Fläche sind aus hochfestem Sicherheitsglas mit integrierten Solarzellen gefertigt. Damit können die Batterien selbst während der Fahrt aufgeladen werden.
Im Juli 2021 war die nächste große Feuertaufe, nachdem bereits 2019 im Windkanal in Turin ein Cw-Wert von unter 0,20 gemessen worden war – damals Weltrekord. Auf der Teststrecke Aldenhoven bei Aachen wollten die Ingenieure wissen, ob ihre Berechnungen in der Realität bestehen können. 710 Kilometer mit einer Batterieladung mit nur 60 kWh standen am Ende des Tages auf der Uhr des Prototypen 008. Gefahren wurde mit recht beschaulichen 85 km/h. „Unser Prototyp hatte einen Energieverbrauch von nur 85 Wh/km. Selbst die effizientesten Elektroautos auf dem heutigen Markt verbrauchen bei dieser relativ niedrigen Geschwindigkeit rund 50 Prozent mehr Energie“, sagt Lex Hoefsloot, CEO und Mitgründer von Lightyear. „Dieser Meilenstein ist eine großartige Bestätigung für die Skalierbarkeit unseres Geschäftsmodells. Wir sind zuversichtlich, dass wir in den kommenden Monaten ein ähnliches Niveau des Energieverbrauchs im Autobahntempo erreichen werden.“
In Aldenhoven ging es um deutlich mehr als die reine Reichweite. Der ganzheitliche Test reichte vom Ertrag der Solarpanels über die Batterieleistung, den Energieverbrauch des Kühlsystems bis hin zur Funktion der vier Radmotoren und der Software zum Betrieb des Solarautos.
Die Senkung des Energieverbrauchs pro Kilometer aber liegt den Ingenieuren besonders am Herzen. Dadurch lässt sich mit einer kleinen Batterie eine große Reichweite realisieren. Da die Akkus mit das Teuerste an einem Elektroauto sind, bedeutet das gleichzeitig eine Senkung des Anschaffungspreises. Hoefsloot: „Fahrzeuge mit niedrigem Energieverbrauch können auch viel mehr davon profitieren, wenn sie dem Auto Solarzellen hinzufügen. An einem sonnigen Tag kann man etwa 72 km Reichweite gewinnen.“

Eine der »100 besten Erfindungen«

In den kommenden Monaten stehen für den Homologationsprozess Crashtests und Verbrauchsermittlungen nach dem WLTP-Prüfzyklus an. Dann soll im ersten Halbjahr 2022 eine exklusive Serie von 946 Fahrzeugen mit dem Modellnamen »Lightyear One« in Produktion gehen. Ab 2024 ist eine Großserienfertigung geplant. Dann sollen auch die Preise deutlich sinken, denn die werden derzeit von Lightyear noch mit weit oberhalb von 100.000 Euro angegeben. Aber dafür bekommt man dann auch ein ganz anderes Elektroauto.

Lightyear wurde 2016 von Alumni des Solar Team Eindhoven gegründet, das 2013, 2015 und 2017 die Bridgestone World Solar Challenge gewann. Inzwischen hat das Start-up mehr als 200 Mitarbeiter, darunter Ingenieure, die zuvor bei Ferrari, McLaren, Audi, Jaguar, Tesla oder Land Rover gearbeitet haben.
2019 erhielt Lightyear den Horizon 2020-Zuschuss der Europäischen Kommission und brachte den ersten Prototyp auf die Straße. Das Time Magazine zeichnete im selben Jahr Lightyear One als eine der »100 besten Erfindungen« aus.

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