Biograf Tim Pröse über seine Arbeit mit Jan Fedder


„Nie war er eindimensional“

0

Seine Filmografie verzeichnet über 100 Einträge, und schon zu Lebzeiten war Jan Fedder eine Legende. Der Autor und Journalist Tim Pröse hat Jan Fedders Biografie verfasst. Mit KÜS magazin sprach er über die Zusammenarbeit und seine persönlichen Erfahrungen mit dem vielseitigen Schauspieler.

„Nie war er eindimensional“

 


alles erreicht
und alle Sehnsüchte
gestillt

Herr Pröse, wie kam es zur Zusammenarbeit mit Jan Fedder für seine Autobiografie?
Er rief mich an und fragte mich, ob es denn nicht Zeit sei, mal sein Leben aufzuschreiben. Ab dann trafen wir uns ein ganzes Jahr lang immer wieder zu langen und tiefen Gesprächen, bis zu seinem Tod. Eine Ehre.

Über 30 Jahre verkörperte Fedder den Polizisten Dirk Matthies im »Großstadtrevier«. Wie viel vom echten Jan Fedder steckte in dieser Figur?
Jan sagte selbst, dass er auch auf der »anderen Seite« Karriere hätte machen können, also als Ganove. Und genau das »blitzt« heraus in seiner Rolle als Polizist. Dass er gerade in der Ordnungshüter-Rolle berühmt wurde, ließ ihn selber manchmal schmunzeln, aber es erzählt auch einiges von der Vielschichtigkeit, die Jan in seinen Rollen verkörperte. Nie war er eindimensional. Und so war sein Dirk Matthies auch einer, der ein Herz für die Gegenseite hatte. Und vor dem nicht nur die Helden, sondern auch die Halunken von St. Pauli Respekt hatten.

Gab es unter den vielen Figuren, die er verkörperte, für Fedder selbst eine »Nummer 1« darunter?
Er sagte mir, das Wichtigste in seinem beruflichen Leben sei »Das Boot« gewesen. Dass er in diesem Welterfolg aus Deutschland dabei gewesen war. Darauf war er stolz. Und so war es eine besondere Freude für mich, mit Jan und einigen seiner Mitspieler von damals noch einmal die Originalkulisse zu besuchen, in der »Das Boot« gedreht wurde.

Schon zu Lebzeiten war Fedder, vor allem in und um Hamburg, ein »Volksheld«. Wie erklären Sie sich diese Faszination?
Er kam als Sohn eines Kneipenbesitzers aus dem Volk und er hielt immer die Nähe zu ihm. Und das aufrichtig. Er liebte die sogenannten »einfachen« Menschen. Die mit dem Herz am richtigen Fleck. Das spürten die genau. Und so liebten sie ihn zurück.

In Alfred Bioleks Kochshow »Alfredissimo« bekannte Fedder sich als Vegetarier von Kindesbeinen an. Wie hielt er es insgesamt mit der Ernährung?
Er machte sich nicht viel aus Essen, auch da war er volkstümlich. Er brauchte auch sonst keinen Luxus. Er lebte ganz für seine Rollen und in seinen Träumen. Und die hat er alle verwirklicht. Deswegen starb er auch zufrieden. „Ich habe alles erreicht und all meine Sehnsüchte gestillt“, sagte er.

Herr Pröse, vielen Dank für das Interview.

Weitersagen

Schreiben Sie einen Kommentar