Auf Spurensuche im Département Moselle


Kleines Messingschild verriet Herkunft der Terrot HT von 1925

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Markenzeichen von Klaus Hassels Terrot ist ein (Plastik-)Baguette am Gepäckträger.

Manchmal sind es Kleinigkeiten, die einem Oldtimerfreund die Geschichte seines geliebten Gefährtes näherbringen – man muss sie nur entdecken und natürlich auch Interesse an der Historie haben. Im Falle der Terrot HT, Baujahr 1925, von Klaus Hassels aus Greven im Münsterland war es eine kleine Messingtafel. „Kuhn Nicola Wiesviller Moselle“ war darauf eingeprägt.

In der Vorkriegszeit war es in Frankreich Vorschrift, sein Fahrzeug mit eigenem  Namen und  Wohnort an deutlich erkennbarer Stelle zu kennzeichnen, fand Hassels heraus. „Da dieses Schild passende Bohrungen zum Deckel des kleinen Werkzeugkastens hatte, welcher sich oberhalb des Stecktanks befindet, war mir schnell klar wo es hingehörte“, erinnert sich der heute 61-Jährige. Selbstverständlich wurde es dort im Rahmen der Restauration wieder montiert.

Die Neugierde war geweckt: Wer war denn dieser Kuhn Nicola gewesen? Das angeblich allwissende Internet gab keine Antwort. Hassels fand lediglich heraus, dass Wiesviller ein Nest nahe der Grenze zum Saarland ist. Mit gerade mal 1000 Einwohnern zu klein, um auf seinen Frankreichkarten verzeichnet zu sein. Da die Premierenfahrt der Terrot zum Coupes Moto Legende in Dijon gehen sollte, bot sich auf dem Rückweg ein Abstecher nach Wiesviller an.

Zwischenübernachtung in Metz: „Im Hotel besorgte ich mir ein Telefonbuch und stellte fest, dass in dem kleinen Ort Wiesviller einige Personen mit dem Namen Kuhn lebten“, erzählt Hassels. Am nächsten Morgen war für den Münsterländer die dortige Gemeindeverwaltung erste Anlaufstation. Eine junge Frau im Rathaus konnte ihm nur anhand einer Kartei mitteilen, dass hier wirklich jemand mit diesem Namen – geboren vor 1900 und in den 1970er Jahren  verstorben – gelebt hatte. „Glücklicherweise betrat ein sehr alter, netter Mann  zufälligerweise im richtigen Moment den Raum“, erinnert sich Klaus Hassels. „Er meinte den vermutlichen Sohn zu kennen und erklärte mir den Weg.“


Drei Personen auf einem Motorrad –nichts Ungewöhnliches in den 1930er Jahren.

Riesengroß waren das Erstaunen und die Freude bei der Familie des Sohnes, als sie die alte Terrot wiedersah. Sohn Leon konnte sich noch gut an die Maschine erinnern. Natürlich wollte er sofort auf dem Gerät abgelichtet werden. Schnell suchte die Familie nach alten Fotos. Eins zeigte Nicola als Soldat im Ersten Weltkrieg, auf einem anderen war die Familie mit der Terrot zu sehen.

Die Terrot war ursprünglich eine  Rennmaschine, erzählte Leon Kuhn. Mit ihr sei der Erstbesitzer tödlich verunglückt. Sein Vater habe dann das Motorrad gekauft und für die tägliche Fahrt zur Arbeit genutzt. Irgendwann nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Ding dann für 50 Franc verkauft und war seitdem aus ihrem Blickfeld verschwunden – bis zu jenem Tag, an dem Klaus Hassels unverhofft bei Familie Kuhn vor der Tür stand.

Dieses kleine Messingschild machte Klaus Hassels neugierig. Er wollte mehr über die Geschichte seiner Terrot wissen.

 

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