Alfa Romeo:


Der Alfasud wird 50

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Der Viertürer sollte der erste »erschwingliche Alfa Romeo fürs Volk« werden. 1972 präsentierte der Hersteller den von Giorgetto Giugiaro entworfenen Alfasud. Noch Jahre vor dem Volkswagen Golf I – ebenfalls ein Giugiaro-Design! – überraschte der vom legendären Chefkonstrukteur Rudolf Hruska finalisierte Alfasud mit modernem Frontantrieb, Fastback für viel Platz im Interieur und mit sportiven Fahrtalenten zu günstigen Preisen.

Der 1,2-Liter-Boxermotor leistete 46 kW/63 PS

rasant rostend und schludrig zusammengebaut

Allerdings sorgte der Alfasud mit rasant rostenden und schludrig zusammengebauten Karosserien auch für die dramatischste Ära in der ohnehin aufregenden Alfa-Historie. Am Ende einer fast zwei Jahrzehnte währenden Bauzeit war die erste Kompaktklasse-Familie (Alfasud Berlina, Sprint und Giardinetta) aus Giugiaros neu gegründeter Kreativfirma Italdesign freilich rehabilitiert, durchbrach sie doch als erste Modellreihe der Marke die Produktionsschallmauer von einer Million Einheiten. Auch in Deutschland setzte der Alfasud mit insgesamt 109.000 verkauften Fahrzeugen einen Meilenstein als erfolgreichster Alfa Romeo überhaupt. Das Image des Alfasud bleibt jedoch bis heute so kompliziert wie das mancher Diva – als schöne Queen, aber eben eine Drama-Queen.
Dabei hatte alles unter idealen Bedingungen begonnen, mit einem Auto, das auf einem weißen Blatt Papier konstruiert wurde und einem Werk, das eigens für die Fertigung des Fronttrieblers auf der grünen Wiese entstand. Der anfangs 46 kW/63 PS leistende 1,2-Liter-Boxermotor begünstigte durch kompakte Bauweise die Raumausnutzung im Alfasud, den Kampfpreis von 7.990 Mark konnte kein vergleichbarer Mitbewerber unterbieten.
Der ultimative GAU spiegelte sich dann allerdings im Rost. Viele Alfasud zeigten schon im Schauraum des Händlers Auflösungserscheinungen, wenn etwa die bereits mit Flugrost bedeckten Rohkarosserien einfach überlackiert worden waren. Nachhaltige Schadensbegrenzung gelang Alfa erst zum einzigen großen Facelift der Baureihe. Trotz allem hatte sich der Alfasud die Krone der meist verkauften Alfa-Limousine aller Zeiten schließlich gesichert. Der Alfasud war eben für Dramen aller Art gut.
Als jüngerer »Alfa für alle« bleibt der MiTo in Erinnerung, von 2008 bis 2018 gebaut, dessen Name sich aus den Kfz-Kennzeichen von Mailand (MI) und Turin (TO) zusammensetzt. Er wurde ohne Nachfolgemodell eingestellt. Für einen Alfa Romeo aus dem aktuellen Modellprogramm muss man rund 20.000 Euro Kaufpreis veranschlagen: Bei 19.500 Euro beginnt das Angebot für die Giulia.

Fotos Alfa Romeo/Stellantis

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