Alfa Romeo 4C: Das Autojahr hat einen Sinn


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Zugegeben: Renn-Feeling kommt an solchen Tagen erst einmal nicht auf: Schmuddelig ist es. Und dann noch diese Anfahrt über die dichte Autobahn A5. Von einer Baustelle zum nächsten Stau. Doch wir trösten uns: Es kann nicht nur, nein, es wird besser werden. Denn das Objekt der Begierde dieses nasskalten Oktobertages hat einen Namen. Eine Ziffer und einen Buchstaben nur: 4C. Alfa Romeo 4C. Und auf uns wartet der Hockenheimring. Ganz frei. Nur für uns.

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Diese italienische Fahrmaschine, das war uns schon lange vor diesem Tag klar, würde das automobile Highlight dieses Jahres werden. Satt sehen konnte man sich an den prallen Formen und Proportionen der Primadonna auch schon auf diversen Automessen des Jahres. Heute sollte die ultimative Ersterfahrung frei von jeglichen Verkehrszwängen sein. Mit einem Fahrzeug, dessen technisches Konzept puren Genuss versprach.

Eine ultraleichte Karosserie mit einem Monocoque aus dem Weltraum-Werkstoff Karbon, das gerade mal 65 Kilogramm wiegt. Derlei Voraussetzungen bei Fahrzeugen mit einer Straßenzulassung kennt man bestenfalls noch bei „Miss Ellie“, der „Lotus Elise“. Crash-Boxen aus Alu hinten und vorn, ein Überrollbügel aus dem gleichen Material: Das ist pures Rennfeeling für die Straße. Dazu der tief platzierte Mittelmotor, der seine ganze Kraft auf die Hinterräder weiter gibt.

Dieser Alfa der besten Rennfahrer-Schule ist eine höllische „Heckschleuder“, die einen aufmerksamen Fahrer erfordert. Das 1,8 Liter große Turbo-Aggregat aus der Giulietta hinter uns stemmt zwar „nur“ 240 PS auf die Kurbelwelle. Doch in Verbindung mit dem Trockengewicht des Fahrzeugs von gerade einmal 895 Kilogramm katapultieren sich dabei weniger als vier Kilogramm Leistungsgewicht pro PS auf den Asphalt.

Das ist kein physikalischer Wert, das ist pure Verlockung. 350 Newtonmeter Drehmoment, dazu im Rücken der Klang eines wüsten Naturspektakels, das mich an die galoppierenden Büffelherden aus Kevin Costners „Der mit dem Wolf tanzt“, erinnert: Ich bin heute, „der mit dem Kleeblatt tanzt“. Dieses Glückssymbol pinselten findige Alfa Mechaniker vor genau 90 Jahren auf die Karosse eines Rennautos. 4,5 Sekunden von Null auf 100, eine Höchstgeschwindigkeit von 258 km/h, sagt die Theorie aus. Doch die Faszination dieses drögen numerischen Zahlensalats lässt sich auf dem kleinen Kurs von Hockenheim nur dann erleben, wenn man in jeden Zentimeter Asphalt hinein horcht.

Das Antriebskonzept mit einer Gewichtsverteilung von 40:60 führt zu elementaren Seitenführungskräften auf der entlasteten Vorderachse. Die mechanische Direktlenkung mit dem Doppelquerlenker führt zu puristischer Rückmeldung vom Volant. Auf den Punkt gerichtetes Einlenken, höchste Spurstabilität im Geschlängel und über den Kerb, das Beschleunigen auf der Hinterachse aus der Kurve heraus sind Faszination pur. Das über Paddel am Lenkrad schaltbare Sechsgang-Getriebe mit Doppelkupplung erlaubt den wahren Profis mit Sicherheit noch das „rausquetschen“ von Millisekunden.

Diese Voraussetzungen findet man ansonsten nur bei Supersportwagen jenseits von 200.000 Euro. Den Alfa Romeo 4C gib es dagegen ab 50.500 Euro. Wer sich mit dem Gedanken trägt, ein solches Prachtstück zu kaufen, braucht einen strapazierfähigen Geduldsfaden. Unter einem Jahr Wartezeit geht nix. Zudem können nicht mehr als 3.500 Einheiten pro Jahr produziert werden. Etwa 350 Fahrzeuge sollen für den deutschen Markt sein. Gefertigt wird die knapp vier Meter kurze und nicht einmal 1,2 Meter flache Rennstoff-Flunder mit dem fast 2,4 Meter langen Radstand und einem 110-Liter-Kofferraum dank des Konzernverbundsbei Maserati in Modena.

Und da gehört der 4C auch hin.

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