30 Jahre Mauerfall


Die Welt im Wandel – auch beim Automobil

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Ist es wirklich schon 30 Jahre her, dass in der Nacht vom 9. auf den 10. November 1989 die Berliner Mauer gefallen ist? Man mag es kaum glauben, aber es ist tatsächlich so.

Der letzte produzierte Trabant P 601 als Kombi Universal genannt, produziert am 30.4.1991

Noch bis zum Abend des 9. November 1989 hätte es niemand für möglich gehalten, dass die Grenze zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der DDR plötzlich löchrig werden könnte wie ein Schweizer Käse. Erst im Juni hatte das chinesische Militär eine ähnliche Demokratiebewegung im Reich der Mitte blutig niedergeschlagen. Doch die Sowjetunion, an deren Tropf die marode DDR hängt, taumelt bereits und Berlin greift nicht ein. Ende 1991 sind die einst so mächtige UdSSR und der Eiserne Vorhang, der Ost und West trennt, Geschichte.

So weit denkt in jener Herbstnacht 1989 vermutlich kaum jemand. Es gibt schlicht kein Halten mehr: Zigtausende Trabis und Wartburgs knattern gen Westen. Später wird »Reisefreiheit« zum Wort des Jahres 1989 gekürt. Und Ostautos fahren bald aufs Abstellgleis. Als die damals noch tschechoslowakische Marke Škoda den seit 1987 gebauten und halbwegs modern wirkenden Favorit im März 1989 auch in Westdeutschland auf den Markt bringt, überholt ihn acht Monate später die Geschichte.

Es trifft auch Trabant und Wartburg hart: 1984 hat der »Industrieverband Fahrzeugbau« (IFA) der DDR von Volkswagen eine Lizenz für den Bau von Viertaktmotoren mit 1,1 und 1,3 Liter Hubraum gekauft – die pötternden Zweitakter aus Zwickau und Eisenach sollen endlich weg. Doch erst im Herbst 1989 kommt der generalüberholte Trabant 1.1 auf den Markt – ein denkbar schlechter Zeitpunkt, mitten in der Wende-Zeit. Immerhin werden bis 1991 noch knapp 40.000 Stück gebaut. 1995 folgt eine erfolglose »Last Edition« von 444 Kombi-Exemplaren, die einst in der Türkei gestrandet waren. Das letzte von ihnen erhält Panikrocker Udo Lindenberg, der in den Achtzigern vehement gegen die deutsche Teilung angesungen hat, geschenkt.


»Reisefreiheit«
Wort des Jahres 1989

Dem Wartburg 1.3 ergeht es kaum besser. 1988 präsentiert, hält er ebenfalls nur bis 1991 durch. Knapp 153.000 Exemplare rollen in Eisenach vom Band. Im Vergleich zu den wichtigsten Neuvorstellungen des Jahres 1989 wirken Trabi und Wartburg wie steinzeitliche Faustkeile in einem Apple-Shop. Mercedes präsentiert auf dem Genfer Salon mit dem SL der Baureihe R 129 einen nach allen Regeln der Ingenieurskunst durchkonstruierten Roadster, BMW zeigt auf der IAA 89 das 8er-Coupé mit 300-PS-V12. Citroën begeistert auf derselben Messe mit dem neuen XM, der 1990 zum »Auto des Jahres« gekürt wird. Und mit Opel Calibra, Honda NSX und Mazda MX-5 debütieren 1989 Autos, die nach dem Verkaufsstart 1990 die Herzen der Kunden im Sturm erobern.

Doch Autos sind nur ein winziger Teil der Geschichte des denkwürdigen Jahres 1989. Andere Ereignisse wirken, wie der Mauerfall, stärker nach: positiv die Verleihung des Friedensnobelpreises an den Dalai Lama, negativ das Todesurteil gegen den Schriftsteller Salman Rushdie, Autor des Buchs »Die satanischen Verse«. Der iranische Revolutionsführer Chomeini spricht es wegen angeblicher Lästerung des Propheten Mohammed und des Islam aus. Außerdem trauert die Welt um Persönlichkeiten wie Herbert von Karajan. Der Stardirigent und bekennende Autofan stirbt 81-jährig.

Werbung für den Trabant 601 (ab 1964)

Fotos Benjamin Bessinger /SP-X, Werkfoto

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