Von der Replik zum Kultauto. Der McBurnie Daytona Spider


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Selbst unter Ferraristi gilt er neben dem legendären GTO als einer der schönsten Ferrari aller Zeiten: Der Ferrari 365 GTS/4 Daytona Spider von Pininfarina.
Vorgestellt wurde der Roadster auf der IAA 1969 in Frankfurt. Zwei Jahre zuvor gewann die Coupé-Version 365 GTB/4 das 24-Stunden-Rennen von Daytona (USA)und zwar mit den triumphalen Plätzen eins, zwei und drei. Und weil die drei 365er-Ferrari allen die lange Nase gezeigt haben, haben italienische Journalisten dieseModellreihe fortan mit dem Zusatz Daytona geadelt. Seit Jahren steigen die Preisefür den Ferrari Daytona: Aktuell werden für das Coupé etwa 250.000 Euro, fürdas Cabrio 1,3 Millionen Euro aufgerufen. Zwischen 1969 und 1973 wurden lediglich 1.284 Coupés gebaut und lediglich 125 Ferrari 365 GTS/4 Daytona Spider, was sogleich auch den irrwitzigen Preisunterschied zwischen offen und geschlossen erklärt. Aus diesem Grund gibt es nicht nur echte Spider auf dem Markt, sondern auch sogenannte Conversions, also nachträglich zum Cabrio aufgesägte Coupés.

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Die Spider-Fertigung für den nordamerikanischen Markt übernahm übrigens Karosserie-Altmeister Scaglietti in Maranello. Wobei wir auch schon bei der Crux der Geschichte angekommen wären: Denn genau zu diesem Meisterbetrieb hielt ein gewisser Tom McBurnie von der Firma Coachcraft aus Santee/Kalifornien einen regen Kontakt.

Fast täglich orderte er im Jahr 1986 bei Scagalietti in Italien Chromstoßfänger, Scheinwerfer und allerlei Kunststoffzierrat. Natürlich nicht, um hunderte verunfallter Daytona mit Front- und Heckschaden zu reparieren, sondern um daraus seinen eigenen Daytona Spider zu bauen. Da McBurnie selbst seit Jahren begeisterter Anhänger des legendären Supersportwagens war, ließ er kurzerhand eine Negativform von einem Vorführwagen abnehmen. So oder ähnlich hat er wohl mit den Verkäufern von Ferrari Nordamerika gesprochen: «Hey Guys, ich würde gerne mal eine Probefahrt machen. Morgen früh habt ihr ihn wieder.» Schon nach wenigen Tagen war die Kunstharzform ausgehärtet und er konnte mit seinem Projekt beginnen: Eine zum verwechseln ähnliche GFK-Form, die sich ruckzuck über die Plattform einer 1977er-Corvette C3 stülpen lässt. Dank Originalanbauteilen von Scaglietti, sah der Roadsterspaß aus, wie dem Millionen teuren Original aus dem Gesicht geschnitten. Das Ganze wäre wohl auch nie herausgekommen, wenn er nicht den Produzenten der US-Krimi-Serie «Miami Vice» dreisterweise mit zwei schwarzen Prototypen beliefert hätte.

Die Krimiserie mit Don Johnson alias Sunny Burnett war Anfang der 80er-Jahre ein Riesenerfolg rund um den Globus.

Als der McBurnie Daytona Spider über die italienischen Mattschirme flimmerte, soll der stets übel gelaunte Enzo Ferrari im fernen Maranello wie ein Space Shuttle durch die Decke seiner Villa geschossen sein.

Miami Vice zwingend

Seine Laune verschlechterte sich noch mehr, als er erfuhr, dass sein eigener Hoflieferant Scaglietti besagten Tom McBurnie sogar noch mit original Ferrari-Teilen für die Replik versorgt haben soll. Alle nur denkbaren Hebel wurden in Bewegung gesetzt, um dem Replikatreiben sofort ein Ende zu setzen. Doch mittlerweile war der Ami-Krimi so beliebt, dass man sich auf einen Deal mit den Miami-Vice-Produzenten einigte: In einer Sendung musste der schwarze McBurnie Spider laut Drehbuch auf übelste Art und Weise zu Schrott gefahren werden. Im Gegenzug spendierte Ferrari Nordamerika einen weißen Testarossa als Productplacement für die Protagonisten. McBurnie hingegen musste sein Daytona-Projekt einstellen. Ein Grund, warum der McBurnie Daytona Spider mit original Scaglietti-Bauteilen heute fast so selten ist, wie ein echter Ferrari Daytona Spider. Nur eben viel günstiger: Schon ab 35.000 Euro geht der Daytona-Spaß mit Chevrolet-C3-V8-Technik los – Preis übrigens steigend.

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