Ur-Werk: der «Pferdelose Wagen» von Carl Benz


Patentschrift Nr. 37435 vom 29. Januar 1886 ist die Geburtsurkunde des Automobils

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2011 ist das Automobil 125 Jahre alt. In einer kleinen Werkstatt in Mannheim fing alles an. Hier entwickelt Carl Benz seinen Motorwagen und lässt ihn 1886 patentieren. Mit dieser Erfindung legt er den Grundstein für die moderne Mobilität.

Patentschrift Nr. 37435 vom 29. Januar 1886 ist die Geburtsurkunde des Automobils

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Die exakte Geburtsstunde kennen wir nicht. Doch als das rythmische «Pffft, Pffft, Pffft» des Benz-Patent-Motorwagens zum ersten Mal von den Wänden der kleinen Werkstatt in Mannheim, Quadrat T 6, 11, widerhallt, ist die Welt nicht mehr, wie sie vorher war. Die Erfindung von Carl Benz (1844 bis 1929) wird sie nachhaltig verändern.

Benz entwickelt seinen dreirädrigen Motorwagen bereits vor 1886, baut ihn 1885 und erprobt ihn schon vor der Patenterteilung im folgenden Jahr. Die Entwicklungsarbeit verläuft zunächst heimlich, denn seine damaligen Geschäftspartner stehen der Idee des Erfinders skeptisch gegenüber. Doch der in Karlsruhe geborene Sohn eines Lokomotivführers, der nach dem Besuch des Gymnasiums ein Studium an der Polytechnischen Hochschule seiner Geburtsstadt absolviert hat, widmet sich unbeirrbar seinem Lebenstraum vom «Pferdelosen Wagen». Die Patentschrift Nr. 37435 vom 29. Januar 1886, vom Kaiserlichen Patentamt am 2. November 1886 ausgegeben, ist Zeugnis seines Triumphs – und die Geburtsurkunde des Automobils.

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Oben: Gottlieb Daimler und seine Motorkutsche
Unten: Carl Benz und sein Patent-Motorwagen

Benz hat Stehvermögen bewiesen. Ab dem Ende der 1870er-Jahre feiert er als Konstrukteur von stationären Gasmotoren erste Erfolge, steht indes mehr als einmal vor dem wirtschaftlichen Ruin. Doch Benz meistert alle Schwierigkeiten – nicht zuletzt dank der tatkräftigen Unterstützung durch seine Frau Bertha (1849 bis 1944), die 1888 die erste Fernfahrt der Automobilgeschichte von Mannheim nach Pforzheim und zurück unternehmen wird.

Im Gegensatz zu Gottlieb Daimler, der fast zeitgleich ein Fahrzeug konstruiert, indem er seinen Motor in eine vierrädrige Kutsche verpflanzen lässt, baut Benz auch das Fahrgestell selbst.

Sein Patent-Motorwagen verfügt über einen von Benz ebenfalls in Eigenregie entwickelten Einzylinder-Viertaktmotor, dessen Kolben von einem waagerecht liegenden Schwungrad angetrieben wird. Der Hubraum beträgt 954 Kubikzentimeter, die Leistung 0,75 PS bei 400 U/min. Benz be-gründet auch das, was wir heute Zulieferindustrie nennen: So lässt er die Drahtspeichenräder von der Velocipedfabrik Heinrich Kleyer in Frankfurt anfertigen, den späteren Adler-Werken.

Insgesamt entstehen drei Versionen des dreirädrigen Patent-Motorwagens. Neben dem Ur-Modell Nummer 1, das Benz bereits 1906 dem Deutschen Museum in München schenkt, wo es heute noch bestaunt werden kann, baut er das Modell 2. Es dient vermutlich als Versuchsträger und zur Erprobung von Holzspeichenrädern. Das Modell 3, mit dem Bertha Benz 1888 die erste Fernfahrt wagt, verfügt bereits über zahlreiche Verbesserungen. Bis zur Jahrhundertwende entwickelt sich die Firma «Benz & Co.» zu einem der weltweit führenden Automobilhersteller. 1899 bauen 430 Arbeiter insgesamt 572 Fahrzeuge.

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Auszug aus der Benzschen Patentschrift vom 29. Januar 1886

1903 scheidet Carl Benz aufgrund von Streitigkeiten mit seinen Gesellschaftern aus dem Unternehmen aus, das 1899 in eine Aktiengesellschaft umgewandelt worden ist. Bereits 1904 wird er jedoch wieder in den Aufsichtsrat berufen. 1906 gründet er in Ladenburg unweit von Mannheim, wo sich seit 1905 der Wohnsitz der Familie befindet, die Firma «C. Benz Söhne». 1912 überlässt der Auto-Erfinder seinen Söhnen Richard und Eugen deren Leitung. Bis 1923 werden in der kleinen Fabrik zirka 350 Automobile hergestellt. 1924 kommen noch zwei Fahrzeuge hinzu, die Carl Benz als Privat- und Firmenwagen dienen. Sie sind heute im Automuseum Dr. Carl Benz in Ladenburg ausgestellt, das sich in den ehemaligen Werkshallen von C. Benz Söhne befindet. Im Gegensatz zu Gottlieb Daimler, der bereits im Jahr 1900 stirbt, erlebt Carl Benz im hohen Alter noch jene Fusion, welche die Zukunft des Automobils nachhaltig prägt:

Am 28./29. Juni 1926 verschmelzen die Daimler-Motoren-Gesellschaft in Stuttgart und die Firma Benz & Cie. in Mannheim, die bereits seit zwei Jahren in einer Interessengemeinschaft verbunden sind, zur Daimler-Benz AG.

Sitz der Gesellschaft ist Berlin, die Zentralverwaltung entsteht in Stuttgart-Untertürkheim.

Weniger als drei Jahre später – am 4. April 1929 – stirbt Carl Benz in seiner Ladenburger Villa. Im Winter 1928/29 hatte er sich eine schwere Bronchitis zugezogen, von der er sich nicht mehr erholte. Seine Erfindung hat die Welt zu diesem Zeitpunkt bereits nachhaltig verändert.

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