The Thing


Der VW 181 wird 50

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Ein praktischer
Bruder des Buggy

„So ein Ding ist uns noch nie untergekommen“, sagt ein kaum 20-jähriger Schlacks beim Anblick des Wagens. Wäre der junge Mann nur ein bisschen älter, wäre das wahrscheinlich etwas ganz anders. »The Thing« würde er den Wagen zwar trotzdem noch nennen, doch wüsste er dann zumindest, was es damit auf sich hat. Denn in der Generation seines Vaters war dieser VW ein Kultauto, das dem Bulli, dem Buggy und natürlich dem Käfer in nichts nachstand. Die Rede ist vom Typ 181, den wir Deutschen nur als Kübel- oder Kurierwagen kennen und untrennbar mit der Bundeswehr, dem Technischen Hilfsdienst oder anderen Gemeinnützern verbinden. Diesseits des Ozeans immer Dienstwagen und erst als Oldtimer ein Freizeitauto, war der Kübel auf der anderen Seite des Atlantiks schon Lifestyle, als man den Begriff noch nicht einmal buchstabieren konnte. Und hier heißt er auch »The Thing«.

Die Geschichte des VW 181 hat vor mehr als einem halben Jahrhundert mit einem Entwicklungsauftrag der Bundeswehr begonnen und 1980 nach genau 140.768 Exemplaren wieder geendet. Doch weil der der kantige Bruder des Käfers in diesem Jahr 50. Geburtstag feiert, darf er noch einmal auf große Tour. Die führt einmal quer durch die Südstaaten: Florida, Louisiana, Mississippi und Texas stehen im Roadbook und die Strecke führt im Grunde immer am Golf von Mexiko entlang. Der junge Mann gehört zum Servicepersonal des Hotels, von dem aus die Tour startet.

Was die Tour zeigt: Der VW 181 hat auch in 50 Jahren nichts von seinem Reiz verloren. Mit dem praktischen Bruder des Buggy wird man gezwungenermaßen zu einem ausgesprochen gelassenen und entspannten Autofahrer. Denn so fest man das Pedal auch ans Bodenblech heften mag und so laut der 1,6 Liter große Vierzylinder auch brabbelt, dauert es eine gefühlte Ewigkeit, bis sich die Tachonadel im frugalen Cockpit mal auf 100 zittert, und bei spätestens 115 km/h ist ohnehin wieder Schluss.

Zum Ende der Tour rollt der Kübel in Houston ein letztes Mal vor ein Luxushotel und sorgt dort erneut für Irritationen – bei zwei jungen Aushilfsfahrern jedenfalls. Aber mit ihnen arbeitet auch ein alter Hase, der sich sichtlich über das Wiedersehen mit »The Thing« freut. Denn: Als er jung war, hatte er selbst einen Kübel: „Dass ich noch einmal ein »Thing« zu sehen bekomme, das ist ja wirklich ein dickes Ding.“

Kein Rolls-Royce und kein Lamborghini könnte so viel Aufmerksamkeit erregen wie dieser knallgelbe Klassiker

Fotos      Benjamin Bessinger

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