Sicherungsanhänger warnt Trucker per CB-Funk


Ansage in bis zu acht Sprachen möglich

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«Uwage niebezpieczne piejsce» tönt es schrill und laut aus dem Lautsprecher des CB-Funkgerätes. Der Trucker des polnischen Lkw auf der Autobahn A2 bei Bielefeld schreckt auf. Einige Meter vor ihm steht rechts ein Sicherungsanhänger der Autobahnmeisterei. Mit gelbem Warnblinklicht ist er eigentlich nicht zu übersehen, doch der Trucker war abgelenkt. Gerade noch mal gutgegangen!

Ansage in bis zu acht Sprachen möglich

Sicherungsanhänger

Unscheinbare graue Kästchen rechts und links neben der Anzeige zur Geschwindigkeitsbegrenzung verbergen die Sender für den CB-Warnfunk.

Die Warnung in der Muttersprache «Achtung Gefahrenstelle» kam nicht etwa von einem aufmerksamen Landsmann, sie kam vom Warnanhänger selbst. Mit großem Erfolg setzt Nordrhein-Westfalen diesen «Weckruf» per CB-Funk seit einiger Zeit ein, und immer mehr Bundesländer folgen. Aus gutem Grund: Kaum einer der rund 18.000 Euro teuren Sicherungsanhänger erlebte bisher die erste Hauptuntersuchung. Meist war er vorher Schrott, weil irgendein Fahrer unaufmerksam gewesen war. Wenn es beim Sachschaden bleibt, geht es ja noch, doch die Anhänger warnen schließlich vor Arbeiten neben und auf der Fahrbahn.

Die Idee des Nürnberger Unternehmens B&E Nachrichtentechnik GmbH ist ebenso simpel wie gut. Drei Viertel aller Trucker haben nach einer Umfrage der DTV Verkehrsconsult GmbH CB-Funk an Bord, bei den Polen sind es nahezu 96 Prozent. Um kein babylonisches Sprachengewirr zu haben, funkt jede Landsmannschaft auf einem eigenen Kanal: Die Russen auf Kanal 15, die Polen auf Kanal 28, die Litauer auf Kanal 12 zum Beispiel.

Genau auf diesen Frequenzen wird die Warnung ausgestrahlt. Auf dem internationalen Notrufkanal 9 lautet die Ansage «Achtung Gefahrenstelle – Attention – Danger». Verbreitet mit einem vergleichsweise schwachen Sender, der nur eine Reichweite von einigen hundert Metern hat und in Richtung des auf ihn zurollenden Verkehrs abstrahlt. Bei Tempo 80, so hat man bei B&E ausgerechnet, hören die Fahrer den Alarm zwei-, maximal dreimal und hinter dem Hindernis höchstens noch einmal. Auf der Gegenfahrbahn registrieren Autofahrer den Spruch nur, wenn sie zum Sendezeitpunkt genau auf Höhe des Sicherungsanhängers sind. «Wir versuchen die Funkwellen zu bündeln», erläutert B&E-Geschäftsführer Gerhard Baumbach. Ganz gelungen sei das aber noch nicht.

Anhänger1

Die Schrotthaufen bei den Autobahnmeistereien zeigen ein mahnendes und zugleich erschreckendes Bild. Einige sind nicht mal mehr als Sicherungsanhänger zu erkennen.

Die rund 3.000 Euro teure Anlage misst auch die Geschwindigkeit des Verkehrs. Unter 30 km/h wird sie abgeschaltet, damit die Trucker nicht «zugequatscht» werden. Sehr kompakt kann das Warnsystem sogar in Leitkegel eingebaut werden – dann aber nur mit vier Kanälen – oder auch in Kehrmaschinen oder Streufahrzeuge. Nach NRW kommt der CB-Warndienst auch in Hessen, Niedersachsen und Bremen zum Einsatz. «Demnächst wird er in Bayern flächendeckend eingeführt und noch in diesem Jahr in Rheinland-Pfalz», berichtet Baumbach. «Auch die Asfinag (Österreich) hat seit Januar 2012 die ersten 19 Systeme von uns eingebaut.»

Die Lkw-Fahrer, die mit sechssprachigen Flyern auf Autobahnrasthöfen informiert werden, sind begeistert. «Endlich tut der Staat mal was für uns», zitiert Baumbach einen Kapitän der Landstraße. Eine erste – noch nicht repräsentative – Unfallauswertung im Bereich der A2 bei Hamm zeigt etwa eine Halbierung der Unfälle. Es sind wohl nicht alle vermiedenen Crashs auf die CB-Funkwarnung zurückzuführen, aber einige ganz sicher.

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