Mit 18 stolzer Oldtimer-Besitzer


Yannick Otten restaurierte mit väterlicher Hilfe eine DKW NZ 350

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Oldtimer – das ist doch was für Menschen, die in Erinnerungen schwelgen und jetzt endlich das Geld für das Traumfahrzeug ihrer Jugend haben. Yannick Otten aus Nettetal am Niederrhein passt ganz sicher nicht in diese Schublade. Er ist gerade 20 Jahre alt geworden und nennt schon seit mehr als zwei Jahren eine DKW NZ 350 sein eigen. Das Motorrad wurde 1939 gebaut und ist damit fast viermal so alt wie sein Besitzer. Davor fuhr Yannick schon die NSU Quick, Baujahr 1949, und die NSU Quickly, Baujahr 1958, bevor er endlich den Führerschein der Klasse A hatte.

Teenager mit eigenem Oldtimer: Yannick Otten und seine DKW NZ 350.

Teenager mit eigenem Oldtimer: Yannick Otten und seine DKW NZ 350.

Mit einer alten, leicht speckigen „Betriebsanleitung für DKW-Motorräder – Modelle NZ 250 und NZ 350“ kann man sicher den wenigsten jungen Männern eine Freude machen. Yannick Otten schon! Als er sie Weihnachten 2011 geschenkt bekam, hat er gleich ein Foto davon in ein Oldtimer-Motorrad-Forum ins Internet gestellt: „Der Weihnachtsmann hat mir soeben Folgendes gebracht.“

Dabei hatte der damals 17-Jährige nur ein Ziel. Seine NZ 350 musste bis Pfingsten laufen. Da treffen sich traditionell Oldtimerfreunde aus acht bis zwölf Ländern zur Ibbenbürener Motorrad-Veteranen-Rallye – der größten Veranstaltung ihrer Art in Europa. Drei Tage vor der Ausfahrt am Samstag wurde er 18 und konnte somit mit einem „richtigen Motorrad“ die Veteranen-Rallye fahren. Erst auf dem letzten Drücker war die DKW (fast) fertig geworden. Vater Norbert Otten musste für seinen noch minderjährigen Sohn eine 100-Kilometer-Erprobungsfahrt machen.

Doch bis es so weit war, wartete eine Menge Arbeit auf den jungen Veteranenfreund. Die DKW gehörte zuvor einem Freund seines Vaters. Der hatte irgendwann die Lust an der Oldtimerei verloren, und so wartete das gute Stück mehr als zehn Jahre auf seine Wiedergeburt. „Der Motor war schon gemacht und einige Teile verchromt“, erzählt Otten, „der Rest war zwar schon sandgestahlt, lag aber zehn Jahre lang im Keller.“ Das können Metallteile gar nicht gut haben, und so musste der größte Teil einer erneuten Oberflächenbehandlung unterzogen werden, bevor die Lackierung und das Auftragen der Lineaturen in Angriff genommen werden konnte. Bei der Jungfernfahrt in Ibbenbüren war lediglich das vordere Schutzblech noch nicht wieder auf dem neuesten Stand. „Es war noch beim Lackierer, also habe ich ein altes rausgekramt und mit der Dose lackiert, damit ich nicht ohne Schutzblech fahren musste“, schmunzelt der Maschinenbau-Student heute über den Wettlauf mit der Zeit. Ach ja, auch der Tacho war leider nicht rechtzeitig da. Macht nichts, den braucht man bei den gemütlichen Touren einer Veteranen-Rallye ohnehin nicht.

Wertvolle Informationen und Abbildungen enthält die DKW-Bedienungsanleitung aus den späten 1930er-Jahren.

Wertvolle Informationen und Abbildungen enthält die DKW-Bedienungsanleitung aus den späten 1930er-Jahren.

Das größte Problem bei der Restaurierung war der Auspuff. Nicht nur, dass die Halterung komplett neu gebaut werden musste, auch der Schalldämpfer selbst war recht marode und musste zerlegt und teilweise neu geschweißt werden. Inzwischen ist natürlich alles so, wie es sein muss.

Trotz der 100-Kilometer-Probefahrt verlief die Premiere nicht reibungslos. Die Kupplung rutschte, und so musste Yannick Otten einen ganzen Tag lang mit den ersten drei Gängen bestreiten. Im Ziel angekommen ist er trotzdem.

Die DKW NZ 350 hat – wie die Typenbezeichnung schon sagt – einen Hubraum von 350 ccm. Der Zweitaktmotor leistet 11,5 PS bei 4.000 Umdrehungen pro Minute. Damit wird eine Höchstgeschwindigkeit von 105 km/h erreicht. Das Fahrzeug hat ein Viergang-Getriebe mit Fuß- und Handschaltung. Von der DKW NZ 350 wurden von 1938 bis 1943 inklusiv Wehrmachtsmodell rund 45.300 Fahrzeuge produziert.

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