Mikrochips sorgen für flüssigen und sicheren Verkehr


Die Zukunft liegt in der Straße

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Intelligente Straßenbeläge sollen künftig dafür sorgen, dass der Verkehr flüssiger, leiser und auch sicherer rollt. Bis es so weit ist, vergehen vielleicht noch 20 Jahre, räumt Prof. Dr.-Ing. habil. Bernhard Steinauer von der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule in Aachen ein. Doch die Möglichkeiten, die der Direktor des Instituts für Straßenwesen Aachen aufzeigt, sind faszinierend.

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In die Deckschicht der Straße, erläutert Steinauer, werden künftig Mikrochips eingearbeitet, die den Verkehr detektieren. Diese Sensoren registrieren zum Beispiel mittels Schwingungen den Verkehr, ermitteln Temperatur oder auch Feuchtigkeit. „Diese Signale werden an den nächsten Leitpfosten geschickt, wo ein Computer die Situation auf der Straße analysiert. So lassen sich Geisterfahrer ebenso feststellen wie Eisplatten oder ein Stein auf der Fahrbahn“, erklärt der Professor. Damit ist Steinauers System der aktuellen Car-to-Car-Kommunikation überlegen. Hier muss erst ein Auto einem Hindernis gefährlich nahe kommen, um die nachfolgenden zu warnen.

Die Informationen aus den Leitpfosten, so Steinauers Idee, werden direkt ins Autoradio geschickt. Die entsprechende Frequenz stellt sich automatisch ein, das laufende Programm wird für die Warnmeldung unterbrochen. Das soll dann nach Vorstellung des Wissenschaftlers auch das Ende von vielen Verkehrszeichen bedeuten – einschließlich starrer Höchstgeschwindigkeiten. Die braucht er nicht mehr, denn mit der genauen Kenntnis des Straßenzustandes sind flexible Tempovorgaben möglich. „Alles, was wir jetzt noch haben, ist Steinzeit“, resümiert der Aachener. „Wir wollen den fließenden und sicheren Verkehr – durchaus auch bei höheren Geschwindigkeiten.“ Induktionsschleifen zur Ampelsteuerung gehören dann ebenfalls der Vergangenheit an.

Das Ganze wird auch den Straßenbau revolutionieren, denn die Sensoren können ja wohl kaum von Bauarbeitern in den heißen Asphalt gedrückt werden. Am Institut für Straßenwesen wird vielmehr daran geforscht, wie die oberste Straßenschicht – als Ersatz für die jetzige Verschleißschicht – künftig industriell hergestellt werden kann. Der Belag wird kein Asphalt mehr sein, sondern ein extrem belastbarer Kunststoff. Durch die Produktion in Fabriken kann die Qualität stets identisch hoch sein, da es hier anders als beim Straßenbau selbst weder Regen noch Staub gibt. Die Rollen mit den sensorbestückten Kunststoffmatten werden dann mit dem Straßenunterbau verklebt.

Doch die Straße von der Rolle kann noch mehr: Bitumen wird mit der Zeit durch Licht und Wasser spröde. Die Folge sind erst Risse und dann Schlaglöcher in den Straßen. Der neue Belag hingegen hat nach Prof. Steinauers Vorstellungen diese Nachteile nicht. Zudem wird seine Oberfläche sehr leise sein, da das Wechselspiel aus Luftkompression und -dekompression in den Poren des Asphalts entfällt.

Derzeit laufen am Institut für Straßenwesen Machbarkeitsstudien. In einem Forschungsauftrag des Verkehrsministeriums sollen die Anforderungen an die Mikrochips genau beschrieben werden. Auch muss erforscht werden, wie viele Sensoren nötig sind. Prof. Steinauer: „Uns darf kein Fahrzeug verloren gehen.“

Die Zukunft des Straßenverkehrs liegt in der Straße selbst. Man darf gespannt sein, wann sich die erste Straße via Autoradio bei den Autofahrern meldet.

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