Im Mini „remastered“ durch London


Comeback der Sixties – teilweise

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Dieser Mini, augenscheinlich uralt und trotzdem fabrikneu, ist zweierlei: Eine Zeitmaschine auf Rädern und Jungbrunnen. Die Passanten fühlen sich wieder frisch und fit wie damals in den Sixties, als London voll war von einem neuen Swing, der eine ganze Generation mitreißen sollte.

Keine Zeitmaschine ist so knuffig und kaum eine so schnell wie dieser Mini „Remastered“.

Der Mini sorgt für gute Laune bei allen Beteiligten

126 PS leistet der Motor

Die Schalensitze mit den Hosenträgergurten sind nicht ohne Grund an Bord

Die Minis werden dezent, aber wirkungsvoll modernisiert – von den elektrischen Fensterhebern über Klimaanlage und Navigationssystem bis hin zu den LED-Scheinwerfern

Das famose Auto kommt aus einem Showroom vorn an der Ecke des Parks. Dort hat David Brown seinen Flagship-Store. Früher hat der Brite Muldenkipper gebaut und bis zu 3.500 Mitarbeiter gehabt. Dann hat er die David Brown Automotive gegründet und vor knapp zehn Jahren mit einer ziemlich retrospektiven Neuinterpretation des Aston Martin DB5 von sich Reden gemacht. Weil der aber mit damals schon umgerechnet 750.000 Euro zu teuer war fürs große Geschäft, hat er sich nebenbei noch auf die Restaurierung und Modernisierung der kleinsten und klassischsten aller britischen Klassiker verlegt und ist damit zu einem erfolgreichen Restomodder aufgestiegen.
Weil Brown weiß, dass selbst der womöglich am liebevollsten restaurierte Mini allein nicht auf Dauer zieht, spielt er geschickt das Spiel mit limitierten Editionen und hat sich für sein neuestes Projekt mit dem Mini-Tuner Oselli zusammengetan. Der klingt italienisch, ist aber durch und durch britisch und hat seine Werkstätten praktischerweise nahe an David Browns Stammsitz draußen bei der Formel-1-Strecke von Silverstone. Die Oselli Edition, pünktlich zum 60. Geburtstag des Classic Mini angekündigt, ist auf genau so viele Exemplare beschränkt.
Und eines davon schwirrt jetzt auf der Ringstraße um den Regent’s Park, wie die Bienen um die prallen Blüten drinnen im Grünen. Angetrieben vom gleichen Vierzylinder, der schon dem Original Beine gemacht hat. Nur dass jetzt 1.450 statt 1.275 Kubikzentimeter im Fahrzeugschein stehen und die Leistung mit Hilfe eines Doppelvergasers von 72 auf 126 PS steigt. Das macht ihn zwar zu dem mit weitem Abstand stärksten Modell der remasterten Mini-Familie, klingt aber trotzdem nicht nach wirklich viel. Bis man sich das magere Gewicht von weit unter 1.000 Kilo in Erinnerung ruft, den ersten Gang rein-knüppelt, das winzige Pedal aufs Bodenblech heftet und die Kupplung zuschnappen lässt.
Spätestens in den engen Kehren der Stadt zeigt die schwarze Flipperkugel den anderen Autos ohnehin, was eine Harke ist: Bis die PS-Elite ihre Kehrtwende geschafft hat, ist der Mini längst auf und davon. Wenn der Verkehr lichter wird und mit ihm die Dichte der Radarfallen, dann taugt der Mini mit dem von Bilstein stabilisierten Geläuf und den extrabreiten Pellen auf den winzigen 13-Zöllern zur fiesen Asphaltfräse, die durch die Kurven rasiert, bis die Reifen wimmern und der Beifahrer die Gesichtsfarbe verliert.
Einmal noch sonnt sich der Mini in der fast kindlichen Freude, die dem Kleinwagen allerorten entgegenschlägt, bevor dem Fahrer die Enge im Auto dann doch zu beklemmend wird und der Kampf mit der Vernunft und dem Tempolimit zu anstrengend. Und mal eben die Beine ausstrecken, kann schließlich auch nicht schaden. Also rein in das quirlige Einkaufsviertel, wo die ersten Sonnenstrahlen zum Brunch im Freien einladen. Dass es hier voll ist, macht dem Mini nichts. Auch das ist ein Vorteil – der Platz ist für ihn in der kleinsten Lücke.

Fotos David Brown Automotive

 

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