Hyundai Nexo: So fährt die Zukunft


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Dem abgasfreien Elektroauto gehört zwar die Zukunft, doch noch immer behindern stundenlange Ladezeiten der Batterie eine schnellere Verbreitung dieser Mobilität. Mit einer Brennstoffzelle an Bord kann man schon heute auch ohne den Ballast schwerer Akku-Pakete mit rein elektrischen Reichweiten von über 600 Kilometer kalkulieren und ein Elektroauto in nur wenigen Minuten wieder komplett auftanken.

Mit dieser Technik an Bord bringt Hyundai den Nexo als neues Flaggschiff seiner Elektroflotte im Sommer auch nach Deutschland. Dabei gilt der Einsatz einer Brennstoffzelle als die zur Zeit beste Technologie für ein Elektroauto mit großer Reichweite, das ohne Ausstoß von schädlichen Abgasen und Partikeln unterwegs ist. Der Unterschied zu einem Auto mit Verbrennungsmotor ist kaum noch spürbar. Ein solches Auto hat bisher kein anderer Hersteller im Programm. Der Basispreis für den Nexo dürfte bei knapp 65.000 Euro liegen.

Hatte der koreanische Hersteller 2013 für sein erstes Elektroauto mit Brennstoffzelle noch den kompakten ix35 mit dieser Technologie nachgerüstet, so wurde der Nachfolger eigens dafür entwickelt. Mit 4,67 Meter Länge wurde den Nexo wieder als kompakter SUV positioniert. Mit der neuen Generation der Brennstoffzelle wurden deren Bauteile kleiner, leichter und leistungsstärker. Gleichzeitig wurde damit der Verbrauch von Wasserstoff reduziert. Durch die optimierte Technik läßt sich das Fahrzeug auch bei minus 30 Grad noch sicher starten. Die 6,33 Kilo Wasserstoff werden jetzt in drei gleichgroßen Tanks unter dem Kofferraum gespeichert.

Mit komplett neuer Technik an Bord und ausgerüstet mit dem zur Zeit wohl umweltfreundlichsten Antriebsstrang stellt der Elektromotor für den Nexo eine Leistung von 163 PS (120 kW) und ein Drehmoment von 395 Newtonmeter bereit. Damit soll der Nexo in 9,2 Sekunden aus dem Stand auf Tempo 100 beschleunigen und den Zwischenspurt von 80 auf 120 km/h in 7,4 Sekunden erledigen. Die Höchstgeschwindigkeit wird mit 179 km/h angegeben. Eine Tankfüllung soll für rund 800 Kilometer reichen, gemessen allerdings nach dem Neuen europäischen Fahrzyklus (NEFZ), der die Bedingungen des Alltagsbetriebs nicht in vollen Umfang berücksichtigt. Gegenüber dem Vorgänger wäre das aber eine Steigerung um mehr als 200 Kilometer.

Schon bei ersten Testfahrten in Korea überzeugt der Nexo mit einem ausgewogenen Fahrverhalten und einer komfortablen Fahrwerksabstimmung. Der Elektromotor bietet ein sattes Drehmoment und beschleunigt auch im Zwischenspurt noch zügig. Mit 6,3 Kilo Wasserstoff in den Tanks dürfte bei entspannter Fahrweise im Alltagsbetrieb eine Reichweite von 600 Kilometer durchaus machbar sein. Mit 2,79 Meter Radstand bei 4,76 Meter Außenlänge und 1,86 Meter Breite bietet der Nexo den Passagieren reichlich Platz, dazu bequeme Sitze und auch im Fond komfortable Beinfreiheit. Ein neues Cockpit unterstreicht den Hightech-Charakter des Fahrzeugs, dabei nimmt das große digitale Display fast die halbe Fahrzeugbreite ein.

Auftanken statt Aufladen: Elektrisch geht auch anders

In Korea und Japan setzt man auf die Brennstoffzelle

Während die deutschen Hersteller mit dem Einsatz der Brennstoffzelle noch immer zögern und für ein erstes Modell in Großserie wohl noch ein paar Jahre brauchen, entwickelt sich der Wettbewerb auf diesem Gebiet zu einem Zweikampf zwischen den Technologiezentren in Korea und Japan.

Mit dem Nexo bringt Hyundai bereits seine zweite SUV-Generation mit dieser umweltfreundlichen Technik an den Start. Vom Vorgänger ix35 Fuel Cell wurden in Deutschland seit der Markteinführung im Juli 2013 rund 200 Exemplare ausgeliefert, u. a. für ein Car-Sharing-Projekt in München mit einer Flotte von 50 Fahrzeugen. Weitere 500 Exemplare sind in den anderen EU-Staaten unterwegs. Damit stammen rund 70 Prozent aller in Europa verkauften Fahrzeuge mit Brennstoffzelle aus Korea.

Für Deutschland hat zurzeit nur noch Toyota ein Auto mit Brennstoffzelle im Programm. Der Mirai, eine Limousine der oberen Mittelklasse, hat einen 154 PS starken Elektromotor unter der Haube, erreicht eine Höchstgeschwindigkeit von 178 km/h und bringt es auf eine Reichweite von über 500 Kilometer. Vom Mirai laufen in Japan pro Jahr rund 3.000 Exemplare vom Band. Seit der Premiere Ende 2016 wurden in Deutschland rund 130 Exemplare ausgeliefert, 2018 sollen weitere 100 Fahrzeuge folgen.

Als zweiter japanischer Hersteller hat zwar auch Honda ein Auto mit Brennstoffzelle auf dem Markt, liefert den Clarity, eine Limousine der unteren Mittelklasse mit 174 PS und rund 500 Kilometer Reichweite, aber nicht nach Deutschland. Für ein Gemeinschaftsprojekt wurden gerade mal zehn Exemplare nach Europa gebracht.

Mit rund 60 öffentlichen Tankstellen für Wasserstoff hat Deutschland das größte Netz in Europa, das bis Ende 2019 auf 100 Stationen ausgebaut werden soll. Der Preis für ein Kilo Wasserstoff beträgt zur Zeit 9,50 Euro.

Technik Brennstoffzelle

Der Strom wird nicht aus einer Batterie entnommen, sondern direkt an Bord erzeugt

Im Gegensatz zu einem Elektroauto mit Batteriespeicher (BEV = Battery Electric Vehicle) wird in einem Elektroauto mit Brennstoffzelle (FCEV = Fuel Cell Electric Vehicle) der elektrische Strom nicht aus einer Batterie entnommen, sondern direkt an Bord erzeugt. Zwar fahren beide E-Autos rein elektrisch, doch statt eines zentnerschweren Akkus nimmt ein Fahrzeug mit Brennstoffzelle als Energiespeicher nur wenige Kilogramm Wasserstoff an Bord. Das spart Platz und vor allem Gewicht.

Den Strom liefert die Brennstoffzelle, die auf Abruf den Wasserstoff wie ein Kraftwerk in die gerade benötigte Menge elektrischer Energie umwandelt. Der dafür nötige Sauerstoff muß nicht mitgeführt werden, denn der ist in der Luft reichlich vorhanden. Dabei wird als willkommener Nebeneffekt die aus der Umgebung angesaugte Luft sogar noch gereinigt. Beim Hyundai Nexo werden so bei gleicher Fahrstrecke die Abgase von zwei Fahrzeugen mit Dieselmotor eliminiert und die Feinstaubpartikel aus der Luft gefiltert.

Wenn der Wasserstoff seine elektrische Energie in der Brennstoffzelle abgibt, tröpfelt aus dem Auspuff lediglich Wasser auf die Fahrbahn. Und statt den leeren Akku wieder stundenlang an der Steckdose aufzuladen, reicht bei dieser Technik ein kurzer Tankstopp an einer Zapfsäule für Wasserstoff, und schon nach wenigen Minuten hat man die volle Reichweite wieder zur Verfügung.

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