Hybridantrieb zum Nachrüsten im Praxistest


Geniale Erfindung oder fauler Zauber?

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Seit über 20 Jahren erfindet der Duisburger Manfred Sonntag Spritsparlösungen zum Nachrüsten. Als Anfang der 90er Jahre noch niemand an Hybrid und Elektrifizierung glaubte, rüstete Sonntag bereits einen Ford Fiesta II mit Waschmaschinenmotor und Solarzellen aus. Auf einer Ökorallye durch Deutschland verbrauchte der betagte Gebrauchtwagen statt 8,5 lediglich 4,8 Liter Super.

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v. l. n. r.: Stefan Ehl (KÜS-Prüfingenieur), Manfred Sonntag (Automechaniker und Maschinenbautechniker), Oliver Lauter (Journalist)

In seinem Archiv finden sich Dankesschreiben namhafter Autohersteller, die versichern, dass sich ein Hybridantrieb in der Serie niemals durchsetzen wird. Heute wissen wir es besser.

Schon immer war bei Manfred Sonntags Erfindungen Schmalhans Küchenmeister und mangels Budget musste er sich dessen bedienen, was Baumärkte, Hinterhofwerkstätten und Elektrohandlungen hergaben.

Nun hat Sonntag wieder zugeschlagen: Er hat nach eigenen Angaben den ersten Hybridantrieb zum Nachrüsten entwickelt.

Aus einem Starterbooster für leere Autobatterien, einem kleinen Elektromotor und jeder Menge Kabel und Dioden. Sonntag erklärt: «Mit wenig viel erreichen, das war schon immer meine Maxime.» Sogar ein Europa­patent hat er bereits erhalten.

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SOMA heißt der von Manfred Sonntag entwickelte Hybridantrieb zum Nachrüsten

Die Idee: Statt des Diesel-Motors seines Peugeot 206 HDi, soll ein kleiner Elektromotor Lichtmaschine und Wasserpumpe antreiben. Den Strom dafür bekommt das 400-Watt-Motörchen (0,18 kW/0,25 PS) vom Starterbooster, der herausgenommen werden und in jeder Wohnung aufgeladen werden kann. Für knapp 15 Cent Stromkosten soll der Verbrennungsmotor knapp 1 Liter oder 1,40 Euro Kraftstoffkosten einsparen. Mitte August 2011 testete das TV-Magazin VOX auto mobil gemeinsam mit der KÜS die Erfindung: Auf einer knapp 100 Kilometer langen Teststrecke aus Stadt, Landstraße und Autobahn soll der Verbrauch im Vergleich zu einem nicht umgebauten Referenzauto und einem modernen Hybridauto ermittelt werden. KÜS-Ingenieur Stefan Ehl begleitete die Verbrauchsfahrt als unabhängiger Sachverständiger.

Es treten an: Manfred Sonntags selbstgebautes Hybridauto, der sogenannte SOMA Peugeot 206 HDi gegen einen Honda CRZ Hybrid. Eigens für den Test werden die Tanks der drei Testkandidaten von der KÜS versiegelt und erst nach der Fahrt zum Volltanken unter Aufsicht wieder geöffnet.

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v. l. n. r.: Karl Galonska (KÜS-Partner in Rees) mit Team: Raphael Kumm, Marek Ploch und Philipp Galonska

Das Ergebnis verblüfft selbst KÜS-Mann Ehl: Der Honda CRZ kommt auf nur 4,9 Liter Super, der serienmäßige Peugeot 206 HDi auf 4,8 Liter Diesel und der SOMA Peugeot HDI Hybrid auf unglaublich geringe 3,8 Liter.

Das Fazit von Stefan Ehl: „Die Erfindung von Manfred Sonntag funktioniert tatsächlich. Allerdings fehlen für die Zulassung noch jede Menge Prüfungen wie zum Beispiel eine Abgasuntersuchung. Es wäre wünschenswert, wenn die Industrie Herrn Sonntag unterstützt.“

Hybrid – was ist das?


(Günter Weigel) Bevor ihn die Automobilindustrie entdeckte, war der Begriff Hybrid eher etwas für Biologen, die Pflanzen kreuzten – die deutsche Übersetzung lautet: «von zweierlei Art».


Für den Automobilbau bedeutet das: Es werden Motoren gekreuzt, indem man die Kraft eines Verbrennungsmotors mit der von einem oder mehreren Elektromotoren verknüpft. Am populärsten ist heute wahrscheinlich der leistungsverzweigte Hybrid, dessen Anfänge 35 Jahre zurück liegen. Bereits 1977 experimentierten die Japaner mit einem Prototypen, der die Antriebsstruktur der heutigen Fahrzeuge nutzte. 20 Jahre später, 1997, präsentierte das Unternehmen den ersten Prius.

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SOMA im Praxistest von VOX und KÜS Magazin

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