Elektro-Mobilität – Ideen von gestern für übermorgen?


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Die Entwicklung einer Antriebsart ist in mehr als 100 zurückliegenden Jahren auf dem Stand der Entwicklungstechnik immer als aktuell angepriesen worden. Ist das wirklich der Stand der Technik von heute in den Elektro-Fahrzeugen, die jetzt auf den Markt kommen und bald zum Großteil unsere Mobilität beeinflussen sollen?

Camille Jenatzy Elektro-Rekordfahrzeug

©MAE Alexandre Fernandes/Foto: Klassikwelt Bodensee

Sie kennen alle den Spruch: «Früher, ja da war alles viel schöner, besser und…». War es das wirklich? Mobilität, aus dem lateinischen, sich bewegen. Auto, aus dem griechischen übersetzt bedeutet: selbst bzw. eigenständig. Wir kennen diese zwei Wörter meist zusammenhängend: Automobilität, bezogen auf ein Fortbewegungsmittel. Von der Bewegung, ohne eigene Muskelkraft, war schon Leonardo da Vinci (1452–1519) fasziniert.

Danach setzten sich nur noch wenige Konstrukteure bis ins 19. Jahrhundert mit dieser Materie auseinander. Camille Jenatzy (1868–1913) fuhr mit einem Elektromobil (1899) einen Rekord. Er erreichte mit seinem Fahrzeug, «La Jamais Contente (Die nie zufriedene)», am 29. April 1899, erstmalig eine Geschwindigkeit über 100 km/h, genau 105,8 km/h. Interessanterweise
überwog Ende des 19. Jahrhunderts bis Anfang des nächsten Jahrhunderts in den USA der Elektroantrieb. Man entschloss sich jedoch den mit Benzin betriebenen Motor zu präferieren. Hervorgerufen durch die Erkenntnis, dass die Erdölvorkommen viel leichter zu erschließen und zu nutzen waren.

GM PR Foto EV 1 Batterieanordnung T-f�rmig

GM/Opel Archiv

Nicht alles, was uns heute
als Novität präsentiert wird, ist wirklich neu.

Eine Vielzahl an Entwicklungen gab es bereits in früheren Jahren schon und ist somit bekannt. So auch die topaktuell im Feldversuch befindlichen Elektrofahrzeuge, z. B. Mini und Smart. Hersteller implantieren in ein bestehendes Fahrzeugkonzept einen Elektro-Motor, der nur von der Energie der Batterien angetrieben wird. Es gibt nur wenige E-Mobile, die schon jetzt am Markt käuflich sind, oder die in naher Zukunft dem Endverbraucher angeboten werden. Für die Nutzung von Elektrofahrzeugen ist ein bewussterer Umgang mit unserer Mobilität notwendig. Es stellt sich die Frage, wie möchte ich von A nach B gelangen und welche Art der Fortbewegung wähle ich dafür?

Ein rein elektrisch angetriebenes Fahrzeug, im herkömmlichen Sinne, ist für den urbanen Bereich gedacht. Das heißt, ein überschaubarer Bereich, der Wohnort und Arbeitsstelle verknüpft. Die Urlaubsfahrt wird gerne als Beispiel des Scheiterns der Elektromobilität angeführt. Hier wird die Entfernung und das eingeschränkte Kofferraumvolumen bzw. das zusätzliche Gewicht in Frage gestellt.

Der aktuelle Entwicklungsstand der Technik bei großen Distanzen spricht gegen das Prinzip bisheriger Elektrofahrzeuge. Opel hat eine Alternative mit dem Voltec-Antrieb gefunden. Voltec-Antrieb heißt ein vom deutschen Frank Weber für Opel/GM überarbeitetes Prinzip, welches einen Verbrennungsmotor als Generator einsetzt, das bereits in Deutschland, in den Jahren um 1940, im militärischen Bereich erprobt wurde. Ein mit «nachwachsendem» Kraftstoff, Bioethanol, oder alternativ mit herkömmlichem Benzin, betriebener Kleinstmotor, der als Generator fungiert, ermöglicht nach mehr als 60 km batteriebetriebener Wegstrecke den elektrischen Vortrieb des Fahrzeuges. Das bedeutet einen reinen elektrischen Antrieb. Das Batteriepack im Ampera ist, wie im bereits von GM in Serie gebauten und wieder zurückgerufenen und verschrotteten Projekt EV 1(1996–1999), in T-förmiger Anordnung auf dem Fahrzeugboden untergebracht.

Smart E-Drive

Ein oft zitiertes Argument: In der Fußgängerzone höre ich das Elektromobil nicht kommen. Die Fußgängerzone heißt so, weil diese Zone, dieser Bereich, vorrangig für Fußgänger vorgesehen ist. Sie fahren auch nicht mit dem «normalen» Auto durch diese Zone. Ein Grund mehr, unsere Sinne neu zu sensibilisieren. Das bedeutet, den Straßenverkehr nicht nur mit dem Gehör wahrzunehmen, sondern so wie wir es einmal gelernt haben, erst links dann rechts schauen.

In die Innenstädte möchte jeder zum Arbeiten, Einkaufen oder Freizeit-vergnügen. Resultat – Lärmbelästigung und Schadstoffausstoß in der City. Hier setzt der Gedanke des Elektromobils ein. Leichtere Fahrzeuge, konzipiert als Elektromobil und keines auf der Basis eines herkömmlichen Fahrzeuges. Im Vorfeld der Entwicklungen müssen Hersteller bewusst konzeptionell die Einsatzmöglichkeiten ihrer Fahrzeuge ausarbeiten. Aufgrund der Bedürfnisse eines Elektromobils muss die Fokussierung auf Gewichtsreduktion sein, ohne Vernachlässigung des Sicherheitsaspektes.

E-Mini PR Foto

© BMW PR/Mini PR

Batteriehersteller entwickeln immer leichtere und dauerbelastbarere Energiespeicher. Lithium-Ionen gegenüber Nickel-Cadmium oder die reine Starter-Bleigitter-Batterie. Hier punktet ohne Zweifel der Entwicklungsstand der Elektro- und Steuerungstechnik gegenüber den Akkumulatoren der Vergangenheit. Diskussion hin oder her. Elektromobilität wird sich in Zukunft als eine Alternative zum Individualverkehr mit Otto- oder Dieselmotorisierung in den Centren etablieren.

Jetzt ist die Zeit reif für diese Entscheidung. Vor über 100 Jahren hat man sich trotz eines besseren Wissens gegen den Elektroantrieb entschieden.

Museum Autovision Altlußheim

Hier können Schulen, Fachschulen, Hochschulen und andere technisch Interessierte eine einzigartige Ausstellung erleben und interaktiv technisches Verständnis erlernen und trainieren: www.museum-autovision.de

FLYER AUTOVISION UPGRADE 2009 aussen

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