«Düsenjäger» des kleinen Mannes – die Messerschmidt Kabinenroller


Vom Fend-Flitzer zum Kabinenroller

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Die Produktion von Kraftfahrzeugen für Zivilpersonen war durch die Militärregierung verboten. Und doch wollte der 26-jährige Flugzeugingenieur Fritz Fend aus Rosenheim ein für jedermann erschwingliches und kraftstoffsparendes Fortbewegungsmittel konstruieren. Man schrieb das Jahr 1946.

Messerschmitt Tiger

Also entwickelte Fend zunächst ein Tretmobil aus Fahrradteilen, baute einen Pedalantrieb ein, später auch einen Handantrieb und nannte das Mobil Fend-Flitzer. Anfang der 50er-Jahre traf der Rosenheimer seinen alten Arbeitgeber Willy Messerschmitt, der sich sehr für das schnittige Dreirad interessierte. Messerschmitt wusste, was er von Fend zu halten hatte – war er doch wesentlich an der Konstruktion des ersten Düsenjägers der Welt, der Me-262, beteiligt. In der Nachkriegszeit war den Deutschen die Produktion von Flugzeugen verboten. Die Messerschmitt-Werke in Regensburg waren stillgelegt und deshalb wurde dort nach einem neuen Produkt gesucht. Mit einem Dreirad-Einsitzer war aber auf dem Markt kein Geschäft zu machen, also wurde der Flitzer umkonstruiert.

Auf einem Rohrrahmen saß eine Stahlblechkarosserie mit Plexiglashaube, die auf der rechten Seite aufzuklappen war – wie bei einem Flugzeug. Das war der Kabinenroller (KR 175), dessen Markteinführung 1953 stattfand. «Das Ein- und Aussteigen ist beim Kabinenroller etwas anders als Sie es bei anderen Fahrzeugen gewöhnt sind. Vor dem Öffnen der Haube überzeugen Sie sich, ob rechts des Fahrzeugs auch genügend Platz ist. Haube langsam anheben und nach rechts überkippen, bis Lederriemen straff gespannt ist. Nun wie folgt Platz nehmen: Sitz hochschwenken, Lenkung leicht nach rechts einschlagen, rechten Fuß in Fahrzeugmitte setzen, Platz nehmen, linken Fuß hineinsetzen, beide Füße nach vorn setzen. Jetzt erst mit beiden Händen an den schrägen seitlichen Rahmenrohren abstützen und Sitz nach vorne schwenken lassen.» Solche Hinweise in der Bedienungsanleitung waren zum Ein- und Ausstieg durchaus notwendig.

Die zwei mitfahrenden Personen saßen hintereinander wie in einem Jagdflieger. Anstelle eines Lenkrades hatte das Fahrzeug einen Motorradlenker mit Drehgasgriff. Angetrieben wurde es von einem 173-Kubik-Einzylindermotor von Fichtel & Sachs (vor dem Hinterrad).

Mit seiner langgestreckten Form des Mobils und der Plexiglashaube hieß der zwischen 2.100 und 2.500 Mark teure KR 175 im Volksmund «Schneewittchensarg». Die Modellpalette wuchs mit den Jahren, den größten Erfolg verbuchte der KR 200 als Nachfolger des KR 175 mit nicht weniger als vier Rückwärtsgängen. Der KR 175 musste noch mit Muskelkraft in rückwärtige Parklücken geschoben werden. Der Erfinder löste das Problem, indem er den Motor anders herum laufen ließ. Insgesamt wurden bis zum Produktionsende 1964 knapp 65.000 Exemplare der unterschiedlichen Kabinenroller-Typen gefertigt. Fritz Fends Erfindung zeugt von automobilem Weitblick, denn: Heute darf der «Schneewittchensarg» als würdiger Urahn der heute (wieder) sehr gefragten besonders preisgünstigen Klein(st)wagen gelten.

Messerschmitt-Club Deutschland e. V.

Alfred Barth (1. Vorsitzender)
Miltenberger Straße 3
68259 Mannheim
Telefon/Telefax: 0621–43 75 10 31
E-Mail: Alfred.Barth@gmx.de

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Tg500 im Renneinsatz

In Regensburg fertigte man nach dem Zweiten Weltkrieg die Kabinenroller.

KR200

Auch als Versehrtenfahrzeug, Lastenroller und „Frauenauto“ fand der KaRo Verwendung.

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