Clevere Ampeln reduzieren Schadstoffe drastisch


ADAC-Studie: Rund ein Drittel weniger NOx-Emissionen

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Mit adaptiven Ampelsteuerungen lassen sich Schadstoffe in ganz erheblichem Maße reduzieren. Das belegt eine Studie des ADAC auf Basis einer solchen Steuerung in Ingolstadt. Hier waren im Stadtgebiet die Lichtzeichenanlagen an insgesamt 46 Kreuzungen miteinander vernetzt worden. Alle fünf Minuten werden die Ampelschaltungen an das aktuelle Verkehrsaufkommen angepasst. Steuerungen mit der gleichen oder ähnlicher Software werden auch in Hamburg, Regensburg, Krakau und Danzig eingesetzt. Für das Projekt in Ingolstadt mit dem Namen „Travolution“ (TRAffic & eVOLUTION) wurden genetische Algorithmen entwickelt, also mathematische Verfahren, mit denen ein natürlicher Evolutionsprozess nachgeahmt werden kann. Simpel gesagt entwickeln sich dabei erfolgreiche Ampelsteuerzeiten weiter, die Steuerzeiten, die zu einer Verschlechterung der Verkehrssituation führen, werden ausgelöscht.

Foto: Matthias Mausolf

Ein Halt vor einer Ampel bedeutet nicht nur Zeitverlust, sondern auch zusätzliche Schadstoffe.

In einem ersten Schritt, erläutert Michael Niedermeier, Diplom-Meteorologe bei Deutschlands größtem Automobilclub, wurden durch die TU München Fahrprofile vor und nach der Einführung der adaptiven Ampelsteuerung aufgenommen. Mittels Kennzeichenerkennung wurden zudem die durchschnittlichen Reisezeiten ermittelt. Schon hier zeigte sich nach der Datenerfassung, dass auf allen sechs Routen durch Ingolstadt sowohl die Fahrzeiten als auch die Anzahl der Haltephasen zurück-gegangen waren.

In einem zweiten Schritt wählten die Wissenschaftler repräsentative Fahrprofile aus. Hierzu wurden Fahrzeuge mit sehr hoher oder niedriger Durchschnittsgeschwindigkeit, extremer Beschleunigung oder starken Bremsmanövern sowie sehr vielen bzw. sehr wenigen Halts auf der Strecke aussortiert. Über alle sechs Routen reduzierte sich durch Travolution, die durchschnittliche Fahrtzeit von 17:45 Minuten auf 15:30 Minuten. 2:15 Minuten klingt im ersten Moment wenig, bedeutet aber eine Fahrtzeitreduzierung von fast 13 Prozent. Die mittlere Zahl der Halte ging sogar um 25 Prozent von acht auf sechs zurück.

Foto: Matthias Mausolf

Michael Niedermeier

Doch was bedeutet das konkret für den Schadstoffausstoß? Hierzu bediente sich der ADAC seines Technikzentrums in Landsberg und führte auf dem Rollenprüfstand Abgasmessungen durch. Anders als beim inzwischen in die Jahre gekommenen NEFZ (Neuer Europäischer Fahrzyklus) waren die Testfahrer auf dem Prüfstand stark gefordert, als es darum ging, die realen Ingolstädter Routen virtuell nachzufahren. Manch eine Wiederholungsfahrt wurde nötig, weil der Toleranzbereich verlassen worden war. Sieben verschiedene Pkw lieferten die Abgaswerte: Ein Euro-4-Benziner, zwei Euro-5-Benziner mit Direkteinspritzung sowie vier Diesel, einer mit Euro 4 ohne Partikelfilter, einer mit Partikelfilter und je einer mit Euro 5 und Euro 6.

Im Schnitt aller Fahrzeuge ermittelten die ADAC-Techniker eine Reduzierung des Kraftstoffverbrauchs und damit der CO2-Emissionen um 15 Prozent. Der HC-Ausstoß sank um 13 Prozent. Bei den Partikel-Emissionen lag der Rückgang bei 27 Prozent, bei der Partikel-
Anzahl bei 24 Prozent. NO2-Emissionen gingen um 27 Prozent zurück, bei NOx waren es sogar 33 Prozent.

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