Autos im amerikanischen Alltag: Etwas mehr darf’s gerne sein


Zwischen Statusbewusstsein und knappem Parkraum

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Zwei SUV, zwei Pickup-Trucks und drei Mittelklassewagen: So sieht der Parkplatz vor dem Apartment-Komplex in Pasadena aus, in dem sich meine Wohnung befindet, an einem Werktagabend um 23 Uhr. Vergleichen Sie das einmal mit dem, was Sie beim Blick auf die Straße in Deutschland geparkt sehen, wenn Sie beim Lesen des Artikels mal kurz aus dem Fenster schauen. Niedrige Benzinpreise sind es nicht, welche die Liebe der Amerikaner zum XXL-Auto erklären können, denn die haben sich in den letzten 15 Jahren mehr als verdreifacht. Aber wie lässt sich diese Liebe denn sonst erklären?

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Zunächst: Die USA sind ein Kontinent der «endlosen Weiten». Das verlockt zu langen Touren, die Straßen und Fahrbahnen sind breit genug angelegt. Auch die meisten Parkplätze sind auf große Autos ausgerichtet.

Weiter: US-Amerikaner haben im Durchschnitt mehr Kinder als deutsche Familien, und für die Kinder ist die Freizeit zumeist perfekt durchorganisiert. Zu allen möglichen Aktivitäten müssen sie gefahren werden am Nachmittag, da nimmt man auch gerne mal die Nachbarskinder mit im Auto. Und insbesondere in Kleinstädten, wo es ein Netz öffentlichen Personen-Nahverkehrs überhaupt nicht gibt, heißt die Devise: Ohne Auto keine Mobilität.

In großen Städten wie Los Angeles ist die Verkehrssituation in den gefürchteten Stoßzeiten schlicht katastrophal. Zwei Stunden, die täglich im Auto verbracht werden, nur um die Strecke zwischen Arbeitsstätte und Wohnung zu bewältigen, sind die Regel. So viel Zeit muss in den Tagesablauf einkalkuliert werden, und die will man, wenn schon die äußeren Umstände unangenehm sind, doch so gut wie möglich verbringen; mit viel Platz und möglichst bequem. In den großen Städten gibt es zwar den öffentlichen Personennahverkehr – als Service ist der allerdings so mies, dass er keine echte Alternative zum Privatwagen stellt.

Soweit die Unterschiede, die mir im Vergleich zu Deutschland auffallen. Es fallen indes auch zwei Parallelen ins Auge, die wiederum das amerikanische Faible zum automobilen XXL-Format erklären: Gerne wird am Eigenheim in eigener Regie renoviert und verändert, die Heimwerker-Märkte haben Hochkonjunktur, so dass das Auto immer auch Transportmittel für Material und Werkzeug sein muss.

Nicht zuletzt ist der Wagen ein Statussymbol, mit dem man etwas von sich selbst nach außen trägt. In den USA taugt ganz besonders das SUV zum Statussymbol, mehr noch als eine hochklassige Limousine.
Die steigenden Benzinpreise beeinflussen das hier nur sehr bedingt. Psychologen haben dafür zwei Gründe ausgemacht. Erstens: Die Benzinpreise sind nicht über Nacht explodiert, sondern langsam: Man gewöhnt sich daran. Zweitens: Wir wollen mit allen Mitteln unseren Lebensstil bewahren, dafür werden auch hohe Kraftstoffpreise in Kauf genommen. Die Rolle des SUV als Statussymbol wird durch diese noch gesteigert: Ich kann mir ein SUV leisten, also auch den teuren Kraftstoff.

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Haben kleine Autos – die «Mikrocars» – eine Chance am amerikanischen Markt? Als Zweitwagen zum bewährten Statussymbol ist das sehr gut vorstellbar. Auch da, wo ein Auto immer auch dafür steht, dass Fahrer oder Fahrerin trendy sind, können Mikrocars eine Alternative sein. Wo Parkraum besonders knapp ist, ist außerdem der Mikrocar besonders attraktiv. Branchenexperten sehen beim Mikrocar generell zwei Argumente: den Verkaufspreis je niedriger, desto besser, und die Kraftstoffpreise. Sollten sie irgendwann die 4-Dollar-Grenze pro Gallone erreichen, sind auch sie ein Kaufargument für einen Mikrocar. Völlig unantastbar ist die Liebe der Amerikaner zum großen Wagen, so ausgeprägt sie sein mag, folglich nicht.

Karin Zimmer wurde in Deutschland geboren und lebt seit acht Jahren als freiberufliche Übersetzerin in Pasadena/Kalifornien.

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