50 Jahre Peugeot 104:


Der Wegbereiter

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Ein familientauglicher Viertürer von lediglich 3,58 Metern Länge? Es war ein Raumwunder, das Peugeot 1972 als einziger europäischer Autobauer auf die Räder stellte, damals in Zusammenarbeit mit Ferrari-Hausdesigner Pininfarina, und das wurde zwei Jahre später mit dem nochmals 22 Zentimeter kürzeren dreitürigen Peugeot 104 »C(ompact)« noch getoppt. Pininfarina kleidete auch die Konzernzwillinge Citroën LN (1976) und Talbot Samba (1981) ein. Damit avancierte der Peugeot 104 zum frühen Protagonisten einer Mehrmarken-Plattformstrategie, wie sie Produktplaner bis heute lieben. Und darf zugleich als Wegbereiter für die Kleinstwagen gelten, deren Auswahl am Markt ungleich vielfältiger ist als im Geburtsjahr des Peugeot 104.

Auf dem Pariser Salon 1982 feiert der Talbot Samba Rallye mit 66 kW/90 PS Weltpremiere

Der Citroen LNA konnte sich nie richtig am Markt durchsetzen

Zum zeitlosen Longseller etablierte sich der 104 maßgeblich deshalb, weil Pininfarina sich streng an das aus Sochaux geschickte Lastenheft gehalten hatte: Für den Peugeot 104 alias Projekt PF 944 waren das vor allem ein reisetauglicher Frontantriebs-Minimotor, ein Viertürer mit damals extralangem Radstand von 2,42 Metern und 700 Liter Stauraum für Freizeitgepäck und Sportgeräte.
Anfangs fehlte die Heckklappe, aber sobald diese verfügbar war, nahmen die Verkaufszahlen des in trendig-leuchtenden Farben lackierten Peugeot Tempo auf. Beschleunigt wurde die Karriere der kleinsten Nummer mit Löwen-Logo durch formidable Fahrleistungen. Bereits das 1,0-Liter-Basisaggregat mit 33 kW/45 PS machte den 780 Kilogramm leichten familientauglichen Viertürer ähnlich schnell wie die bis zu zwei Klassen größeren Ford Taunus (1300), Renault 12 oder VW 1600. Noch agiler waren später die Dreitürer 104 C und ZS oder gar der GTI-Vorläufer 104 ZS Rallye mit Spoilern und Kotflügelverbreiterungen und 59 kW/80 PS Leistung, in kleiner Zahl sogar mit 68 kW/93 PS.
1976 übernahm Peugeot den angeschlagenen Rivalen Citroën, der keinen finanziellen Spielraum für neue Modelle hatte und in einem Zwilling des 104-Dreitürers den Zweizylinder-Motor des 2 CV verbaute bei minimalisierter Ausstattung, fertig war der Citroën LN/LNA. Der sich nie wirklich durchsetzen konnte, aber bis heute Urvater aller folgenden dreitürigen Cityflitzer bis hin zum C1 ist.
Den Untergang der finanziell maladen Marke verzögern, aber nicht aufhalten: So sah die Erfolgsbilanz des Samba aus. Mit der Einführung des Peugeot 205 (1983) war dessen Ende besiegelt, auch der Peugeot 104 verschwand nun von wichtigen Märkten wie Deutschland.
Aktuell haben weder Peugeot noch Citroën Kleinstwagen im Angebot. Aber: VW legte jüngst den up! als viertüriges Elektroauto neu auf, mit 3,60 Metern fast exakt so lang wie der Peugeot 104. Das gilt auch für den Kia Picanto. Minimal länger sind der Hyundai i10 und der Suzuki Ignis (beide 3,70 Meter). Noch größer ist 50 Jahre nach dem 104-Debüt das Angebot an kleinen Dreitürern. Als Beispiele seien von Renault Zoe und Twingo genannt, von Fiat der 500 und der Panda. Bei der zunehmenden Elektrifizierung von Modellpaletten und der Popularität von Stadtautos dürfte das Segment von unterschiedlichen Herstellern Zuwachs bekommen.

Fiat 500e

VW bringt den E-Up zurück

Text SP-X/Mario Hommen, Wolfram Nickel
Fotos Citroën, Fiat/Stellantis, Peugeot, Volkswagen

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