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20 Jahre M-Klasse – das erste SUV von Mercedes


Nicht nur fürs Dino-Gelände

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Die hungrigen Dinosaurier im Kinoknüller „Jurassic Park II“ kommen 1997 sofort auf den Geschmack: Prominent hat Mercedes sein jüngstes Baby namens M-Klasse im zweiten Teil des Kassenschlagers platziert – in martialischer Camouflage-Lackierung und mit allerlei Fantasie-Anbauteilen. Doch das nützt dem SUV mit Stern herzlich wenig: In der bekanntesten Szene machen zwei böse T-Rex einem der beiden Filmautos den Garaus.

Ganz so schlecht hat er sich bis dahin im Dino-Gelände nicht geschlagen. Womöglich liegt das an der Mischung aus altbewährten Offroader-Zutaten und modernster Technik. Das Rückgrat der intern 163 genannten Baureihe bildet ein geländewagentypischer Kastenprofil-Rahmen, doch das Fahrwerk ist mit Einzelradaufhängung vorne und hinten betont Pkw-typisch ausgelegt. Auch der permanente Allradantrieb der M-Klasse präsentiert sich ganz auf der Höhe der Zeit. Das Antriebsmoment wird im Verhältnis 48:52 auf Vorder- und Hinterachse verteilt.

Differenzialsperren wie bei der urigen G-Klasse suchen Offroad-Fans jedoch vergeblich: Mercedes setzt auf eine modifizierte Variante des elektronischen Traktionssystems ETS, die durch gezielte Bremseingriffe für minimalen Schlupf und maximale Traktion sorgt. Gleichzeitig verfügt das serienmäßige ABS über eine spezielle Geländeprogrammierung, die bei Geschwindigkeiten unterhalb 30 km/h und eingelegter Untersetzung auch abseits befestigter Straßen den Bremsweg verkürzt.

Was die Sicherheit betrifft, gibt sich die M-Klasse keine Blöße. Vorbau und Rahmen sind so konzipiert, dass im Falle eines Crashs auch die Energie des Unfallgegners, vor allem von kleineren Fahrzeugen, teilweise mit aufgenommen werden kann. Und die Sidebags in den vorderen Türen sind ein Novum im Geländewagen-Segment.

Nach CLK und A-Klasse ist die M-Klasse bereits die dritte Mercedes-Neuvorstellung des Jahres 1997. Mit der Variabilität eines Vans und der Mischung aus Geländewagen- und Pkw-Zutaten versucht Mercedes als einer der ersten Hersteller, die Nische der „Sport Utility Vehicles“ (SUV) zu besetzen. Vor allem in den USA sind solche Autos ein Renner. Deshalb wird die M-Klasse auch jenseits des Großen Teichs gebaut – in einem eigens zu diesem Zweck neu errichteten Werk in der Nähe von Tuscaloosa im US-Bundesstaat Alabama. Schon 1994 ist die Mercedes-Benz U.S. International Inc. (MBUSI) gegründet worden, die für die Entwicklung und Produktionsplanung des neuen Mercedes verantwortlich ist.

Die USA und Kanada sind deshalb auch die ersten Märkte, in denen Mercedes die M-Klasse im Herbst 1997 einführt. In Europa stehen die ersten Modelle ab Frühjahr 1998 bei den Händlern. Für Vortrieb sorgt entweder ein 3,2-Liter-V6 mit 218 PS und Fünfgang-Automatik oder ein 2,3-Liter-Vierzylinder mit 150 PS und Fünfgang-Schaltgetriebe. Anfang 1998 wird auf der Auto Show in Detroit mit dem ML 430 das neue Topmodell vorgestellt. Prägnantestes Unterscheidungsmerkmal zu den schwächeren Modellen sind seine lackierten Stoßfänger. Der 4,3-Liter-V8 des ML 430 leistet 270 PS. Nach Deutschland kommt er allerdings erst im Frühjahr 1999. Der ML 270 CDI (170 PS) folgt als erste Dieselversion im Herbst 1999 und löst den ML 230 ab.

Nach einer Modellpflege im Herbst 2001 bleibt die Baureihe 163 noch bis Frühjahr 2005 im Mercedes-Programm. Obwohl die in den USA gebauten Modelle nicht die gewohnte Mercedes-Verarbeitungsqualität erreichen, ist die erste M-Klasse-Generation ein Erfolg. Insgesamt 647.738 Exemplare werden gebaut, rund 77.000 davon zusammen mit der G-Klasse in Graz (von 1999 bis 2002). Das Konzept geht also voll auf: Ein hart gesottener Geländewagen will der W 163 nicht sein, sondern eher ein Boulevard-Cruiser, mit dem die Besitzer auch mal Abstecher auf unbefestigte Pisten machen können. Dort lauern im wirklichen Leben wenigstens keine hungrigen Dinosaurier.

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