Willkommen im Garten Eden


Mosel, Wein und alte Römer: Ein Gang durch das weltweit größte Riesling-Anbaugebiet und durch unsere eigene Geschichte

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Fast jeder deutscher Landstrich, der etwas auf sich hält, hat sich irgendwie und irgendwo schon einmal besingen lassen. Von «A» wie dem «Ännchen von Tharau» bis zu «Z» wie dem «Krug zum grünen Kranze» sind mit Sicherheit zwischen Bass und Bariton, zwischen Fis und «Hohem C» viele landschaftliche und kulinarische Vorzüge verewigt worden. Wenn in dieser musikalischen Zustandsbeschreibung auch noch vom «Garten Eden» die Rede ist, dann muss es sich um ein ganz besonders beschauliches Stückchen Erde handeln. Die Rede vom «Garten Eden» ist im Belcanto-Trinklied auf die Mosel, «O Mosella», festgehalten. Darin ist jedoch nicht nur die Rede vom Wein, sondern auch von Land und Leuten einer der romantischsten deutschen Flusslandschaften. Und davon, dass diese Region unbedingt einen Besuch wert ist.

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Genau dort, an einem ehemaligen Seitenarm der Mosel in der Nähe der deutsch/luxemburgischen Grenze liegt, ganz lieblich versteckt, das «Konzer Tälchen.» Eine der auserwählten Lagen, in denen der beste Riesling wächst. Im Weingut Schnitzler beispielsweise, seit mehr als einem Jahrzehnt KÜS-Geschäftspartner. Das Weingut Schnitzler in Konz-Krettnach, geführt von Bernhard und Christine Faber, ist – wie so oft in dieser Landschaft der Fall – ein Familienunternehmen mit langer Tradition.

Wir haben uns mit Bernhard Faber an diesem sonnenüberfluteten Frühlingstag, kurz vor Ostern 2009, verabredet. Nicht nur, weil wir ihn, sein Haus und seine Produkte vorstellen wollen. Sondern auch, weil es im «Tälchen» und in der Moselregion jede Menge zu sehen und zu erzählen gibt. Zu erzählen vom Wein, seiner ganz besonderen Philosophie des Entdeckens und Konsumierens. Aber auch vom Umgang mit den Leuten und den Erzeugnissen aus einem Landstrich, der als «Garten Eden» besungen wird.

In der Grenzregion des Dreiländerecks Deutschland / Frankreich / Luxemburg ist es
in vielen Familien und Häusern noch Brauch, dass es einen sogenannten «Hausnamen» gibt. Solche Hausnamen, die meist mit dem wirklichen Namen, der im Stammbuch eingetragen ist, nichts zu tun haben. So auch im Falle der Familie Faber, die das Weingut Schnitzler betreibt und unter «Schnitzlers» auch bekannt ist. Denn Schnitzler
ist ein uralter Name des Hofes, der über mehrere Generationen bis heute weitergegeben wurde. Seit dem Jahr 1834 werden alle Bewohner des Gutes nicht mit dem richtigen Familiennamen, sondern mit dem Hausnamen Schnitzler angesprochen. So wurde aus Bernhard Faber denn auch «Schnitzler Bernd».

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Bis auf das Jahr 1811, also fast zwei Jahrhunderte, geht die Geschichte des Hauses zurück.

Faber übernahm den elterlichen Betrieb im Jahr 1982. Aus damals 15.000 Rebstöcken sind inzwischen derer 80.000 geworden. An diesem Tag liegt das Weingut Schnitzler,
zweigt man von der Landstraße, die Saarbrücken mit Trier verbindet, ins Tal ab, wie ein Postkarten-Idyll da. Das erste weiche Sonnenlicht umspielt bereits am frühen Morgen die Rebstöcke. Auf den schattigen Wiesen-Abschnitten glitzern und funkeln die letzten Boten einer kalten Nacht: Perlende Tau-Tropfen versinken langsam im Boden.

Das «Tälchen», aber auch die gesamte Region Mosel/Saar/Ruwer hat sich, ebenso wie die angrenzende Weinregion in Luxemburg und Ostfrankreich, dem Tourismus verschrieben. Auf deutscher Seite mit dem mehr als 2000 Jahre alten Trier als historischem Zentrum. In Trier und seinem Umland, Eifel, Saar und Hunsrück haben die römischen Besatzer zu Zeiten der Imperatoren Augustus und Konstantinus ihre Spuren in der «Augusta Treverorum» hinterlassen. Ein Besuch von Deutschlands ältester Stadt ist wie der faszinierende Gang durch ein lebendiges aufgeschlagenes Geschichtsbuch. Das römische Stadttor Porta Nigra, die historischen Bäder und Thermen, das klassische Amphitheater mit den Antiken-Festspielen als kulturellem Höhepunkt sind Mittel- und Ausgangspunkt einer ebenso spannenden wie lehrreichen Reise in unsere eigene Vergangenheit.

Eine Vergangenheit, die uns den Weinbau in extremen Steillagen als weiteres Kulturgut hinterlassen hat. Bei mannigfachen Weingutsveranstaltungen werden die vielfach besungene moselfränkische Lebensart, aber auch Essen und Trinken der Region groß geschrieben.

Events wie Weinblüten- oder Weinstraßenfeste sind mittlerweile in jedem touristischen Kalender fest verankert.

Hinzu kommen kulinarische Wanderungen und spezielle Kochkurse, begleitet vom fachmännischen Vermitteln um den richtigen Wein zum passenden Essen. Die regionalen Erzeugnisse werden vor der Haustür des fünftgrößten deutschen Wein-Anbaugebiets, das auch das weltweit größte Riesling-Anbaugebiet ist, mit innovativen Ideen vermarktet.

Viele Gäste und Weinfreunde wollen jedoch nicht nur das fertige Produkt genießen, sondern auch bei dessen Entstehung dabei sein und tatkräftig daran mitwirken. Als Ernte-helfer beispielsweise hautnah vor Ort.

Viele Weinbaubetriebe bieten mittlerweile die Möglichkeit, bei der Traubenlese aktiv mitzuwirken.

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Wer sich bei seinem Aufenthalt an der Mosel aktiv betätigen will, der ist jedoch nicht nur auf die Traubenlese angewiesen. Es gibt vielfältige Möglichkeiten, im Rahmen eines sogenannten «sanften Tourismus» einen persönlichen Aktivurlaub mit Wander- und Radtouren, Wassersport, Klettertouren, Golfen, Reiten oder auch Fliegen zu gestalten.

Bei derlei Möglichkeiten, Kunden und Gäste an die Region zu binden, sei es kein Wunder,
dass «der Kunde heute nicht nur besser informiert und durch das Internet-Angebot versierter ist. Er ist auch anspruchsvoller geworden», so Bernhard Faber. Die neuen Medien und deren vielfältige Möglichkeiten wirken sich auf das Miteinander von Vermarkter und Käufer aus. «Viele Interessenten informieren sich vorab umfassend im Internet. Wir haben auch die Erfahrung gemacht, dass der Wein-Einkauf gezielter und bewusster getätigt wird.» Dieses Konsumverhalten deute daraufhin, dass die Ansprache an den Wein anspruchsvoll und schwierig sei. «Aber wenn man erst einmal den Zugang gefunden hat, macht es auch um so mehr Spaß.»

Ein Bier, so sagt der Weingutsbesitzer aus dem «Tälchen», könne im Prinzip jeder und überall trinken, zum Genießen eines guten Weines aber brauche man auch gewisse Grundvoraussetzungen und etwas Fachwissen. «Ein Weinfreund wird immer bemüht sein, sich auf dem Weg zum Weinkenner weiter zu entwickeln.» Etwa 1.000 Privatkunden habe sein Haus. Die Fluktuation sei sehr gering. Was auch am persönlichen Umgangston mit dem Kunden liege. In der Beziehung zwischen Erzeuger und Konsument entstehe im Laufe der Jahre «viel Vertrauen zueinander und ein persönlicher Draht. Denn Wein ist ein sehr sensibles Produkt.»

Aber auch eines, das den Besuch der Mosel/Riesling-Region mit all ihren kulturellen und historischen Vorzügen lohnt. Denn schon Deutschlands Dichterfürst Johann Wolfgang
von Goethe wusste: «Sieh, das Gute liegt so nah.»

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Urlaub an der Mosel: Der kurze Weg

Die Moselregion im Dreiländereck Frankreich/Deutschland/Luxemburg ist nicht nur wegen ihres vorzüglichen Weines und ihrer erlesenen Produkte aus Küche und Keller einen Besuch wert. Rund um das mehr als zweitausend Jahre alte Trier, die alte römische «Augusta Treverorum» liegt eine der ältesten Kultur-Landschaften Deutschlands mit einem hohen Freizeitwert.

Wer sich vorab informieren und seinen Besuch planen will, der kann das bei der Tourist-Information in Trier oder Bernkastel-Kues tun:

Weitere Möglichkeiten, sich über die Region zu informieren, über Unterkünfte, Anfahrtswege, und Freizeitangebote findet man auch unter:

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