Wroclaw (alias Breslau):


Die Metropole an der Oder

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Die niederschlesische Hauptstadt Wroclaw ist von der Oder und ihren Flussarmen geprägt. Wegen der zahlreichen Brücken in der Stadt wird das einst preußische Breslau auch „Venedig Polens“ genannt.

Ein heiteres Flair liegt über Wrocław. Doch die bewegte Geschichte zeigt, dass die viertgrößte Stadt Polens auch andere Zeiten erlebt hat. Mit einer Siedlung auf der größten Oderinsel Ostrów Tumski wurde vor 1.000 Jahren das erste polnische Bistum gegründet und damit gleichsam der Grundstein für die Stadt mit ihren wechselnden Herrschern und Namen gelegt. Aus dem zunächst böhmischen Vratislav machten die Ungarn Boroszló, bis sich unter den Habsburger Monarchen Breslau einbürgerte. Dabei beließen es auch die Preußen, als sie die Stadt und einen Großteil Schlesiens erobert hatten. Das Preußische wurde zum Deutschen Reich bis die Rote Armee kam und aus Breslau die polnische Stadt Wroclaw wurde. Im Stadtmuseum im ehemaligen preußischen Residenzschloss ist die bewegte Geschichte der Stadt in der Dauerausstellung »1.000 Jahre Breslau« dokumentiert.
Jede Herrschaftszeit hat ihre Spuren hinterlassen. Das trägt zur eindrucksvollen Vielfalt der Stadt mit ihrer facettenreichen Architektur bei. „Beginnen wir beim Ursprung“, sagt Monika Trznadel. Mit forschem Schritt lenkt die Stadtführerin in Richtung Dominsel, vorbei an vielen Kirchen und über einige Brücken. „Breslau ist die Stadt der hundert Kirchen und hundert Brücken“, sagt sie. Eine davon führt auf die Dominsel (Ostrów Tumski), die mitten in der pulsierenden Stadt wie eine Oase der Ruhe wirkt. Im Licht der Gaslaternen legt sich in den Abendstunden eine fast mystische Stimmung über die Insel zwischen den Flussläufen der Oder, wo die gotische Kathedrale, Wahrzeichen von Breslau, in die Höhe ragt.
Szenenwechsel auf dem Rynik, dem belebten Marktplatz, der von stattlichen Bürgerhäusern in Pastell umrahmt wird. Mittendrin das Rathaus in spätgotischem Stil. Die Cafés und Restaurants ringsherum bieten einen Logenplatz, um das lebendige Treiben inmitten der farbenfrohen Kulisse zu beobachten. Zwischen den herrschaftlichen Bauten und der mächtigen Elisabethkirche im Hintergrund ducken sich zwei kleine Häuser aus der Gründerzeit, genannt Jas und Malgosia (Hänsel und Gretel).
Ein Spaziergang entlang der Oder-Promenade, vorbei am stylischen Musikforum, führt zum sogenannten Toleranzviertel. In diesem Altstadtviertel tolerieren sich die vier Gemeinden des katholischen, protestantischen, jüdischen und griechisch-orthodoxen Glaubens nicht nur. Sie feiern auch ihre Feste zusammen und unterstützen sich gegenseitig. Neuerdings gehört das Viertel, das sich seinen morbiden Charme auch nach den umfangreichen Renovierungsarbeiten zur Fußball-EM 2012 und 2016 zum Europäischen Kulturhauptstadtjahr bewahrt hat, zu den angesagten Ausgehmeilen. Im aufgehübschten Ensemble der Ponyhof-Passage haben sich Szene-Cafés, Klubs, Galerien und junge Start-up-Unternehmen eingerichtet. Hier zeigt sich einmal mehr, wie weltoffen die Stadt mit ihren 630.000 Einwohnern ist. Die 120.000 Studenten darunter, die in zwei Dutzend staatlichen wie privaten Hochschulen studieren, tragen nicht unerheblich dazu bei.
Und: Die niederschlesische Metropole Wroclaw darf wieder Breslau genannt werden. Auch die Tristesse, die während des »Kalten Krieges« in der einst aufstrebenden Stadt herrschte, ist Vergangenheit. Bedeutende Bauwerke wie die gigantische Jahrhunderthalle oder das historische Kaufhaus im Bauhaus-Stil und Hotels wie das denkmalgeschützte Monopol erstrahlen in neuem Glanz. Bei einem Sundowner auf der Dachterrasse des mondänen Monopol, in dem einst berühmte Gäste wie Marlene Dietrich und Pablo Picasso logierten, schweift der Blick über die wieder aufstrebende Stadt.
Das Kulturzentrum Bar Bara, in sowjetischer Herrschaftszeit als Milchbar Treffpunkt der Oppositionellen, ist heute ein moderner, offener Ort der Begegnung. Die kreativen Köpfe, die sich hier regelmäßig trafen, machten damals ihrem Unmut gegen die politischen Zwänge mit einem »Zwergenaufstand« Luft. Mit Zwergenkostümen und orangeroten Zipfelmützen verkleidet, veranstalteten sie, dem damaligen Demonstrationsverbot zum Trotz, in den 1980er Jahren ausgeklügelte Straßenaktionen. Die Machthaber blieben mit ihren Sanktionen auf der Strecke, denn die schlauen »Zwerge« waren ihnen immer einen Schritt voraus. An die einstige »Orangene Alternative« erinnern heute über 600 Zwerge aus Bronze, die als heitere Botschafter des Widerstands in unterschiedlichen Posen quer über die Stadt verteilt sind. »Papa Krasnal« in der Swidnicka Straße gilt als Urvater der stetig wachsenden Zwergen-Gemeinde.

INFO
www.wroclaw.pl
www.visitwroclaw.eu
www.polen.travel (mit ausführlichen Informationen zu den Verkehrsmitteln)

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