Östergötland:


Schwedens Südosten mit reizvollen Widersprüchen

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Wiesen, Wälder und Seen prägen die Naturlandschaft in Östergötland.

Romantik und Abenteuer liegen in Östergötland, der Heimat von Astrid Lindgren und Schauplatz ihrer unvergessenen Geschichten, eng beieinander. Durch den dichten Eichenwald um die idyllische Ortschaft Rimforsa manövriert Pelle seinen alten Militärgeländewagen. Wir sind auf Wildsafari. Später geht es zu Fuß weiter, um Tierspuren zu sichten. Rehe, Wildschweine und Füchse kreuzen weit häufiger die Wege und das Dickicht als Luchse und Elche. Wir finden keine Spuren vom König der nordischen Wälder. Dafür hat der Safari-Guide einige Elch-Trophäen mitgebracht. Schon der ausgestopfte Huf vermittelt einen Eindruck des mächtigen Wildtiers. Auf einer Anhöhe packt Pelle seinen Feldstecher aus. Durch das Fernglas eröffnet sich ein weiter Blick über die einzigartige Naturlandschaft mit ihren unzähligen Seen. Mitten durch diese märchenhafte Landschaft führt der Kinda-Kanal.
Die historische Wasserstraße beginnt im südlich gelegenen Kisa und führt vorbei an Rimforsa bis nach Linköping im Norden der Region. Geplant war der Kanal, der sich über 80 Kilometer durch die Landschaft zieht und fünf Seen durchquert, als Transportweg für Holz und landwirtschaftliche Erzeugnisse. Zur Überwindung der knapp 53 Höhenmeter auf dem einstigen Versorgungsweg haben die Baumeister schon vor über 200 Jahren 15 Schleusen eingeplant. Wegen einer Fehlkonstruktion stürzte die Schleuse bei Brokind aber bereits nach zwei Betriebsjahren ein und bescherte der damaligen Kanalgesellschaft einen satten Konkurs. Damit versank der Kinda-Kanal erst einmal in einen tiefen Dornröschenschlaf. Fast ein halbes Jahrhundert später wurden die Pläne aus der Schublade geholt, die Kanalstraße neu ausgehoben, um sechs Kilometer und weitere Schleusen erweitert und 1871 feierlich wiedereröffnet. Eine drei Jahrzehnte währende Blütezeit folgte, bis die parallel verlaufende Eisenbahnlinie zwischen Kalmar und Linköping das erfolgreiche Transportgeschäft vom Wasser auf die Schiene lotste. Seitdem wurde es ruhig am historischen Kinda-Kanal. Das brachte die Reederei auf die Idee, den Kanal für Ausflugsfahrten zu nutzen. Baulich hatte sich zwischenzeitlich nichts geändert und die Schleusen werden noch immer im Handbetrieb geöffnet und geschlossen. An jeder Schleuse drängen die Fahrgäste auf das Vorderdeck und beobachten, wie die Schiffsjungen das Schleusentor von beiden Seiten synchron öffnen. Wie in Zeitlupe senkt sich dann das passgenau konstruierte Boot in der Schleusenkammer um eine Stufe ab. Aus gutem Grund sei der Kanal damals so schmal konstruiert worden, erklärt Marianne Trygg. „Auf unserem Kanal kamen russische Kriegsschiffe nicht durch,“ betont die Reederin.


Fotos Charlotte Wolf

www.visitostergotland.se
www.kindakanal.se

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