Schweizer Alpenpässe: Ein Erfahrungsbericht


Es ist nicht alles Käse

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Sie sind schon ein Volk für sich, diese Schweizer. Ein Bergvolk eben, mit vielen Alpenpässen, Grünflächen, schönen, braunen Kühen und daher auch vielen Käsereien – aber sie sind nicht in der EU. Für viele politische Entscheidungen fragen sie einfach das Volk. Sie sind halt sehr auf die Unversehrtheit ihrer Einwohner bedacht.

splügen

Splügenpass

Deshalb schließen sie auch zur Winterzeit die meisten ihrer 21 Alpenpässe. Ich habe sie alle überquert, immer im Sommer.

Auch dann sind sie nicht ganz ungefährlich, zum Beispiel der Furka (2.436 Meter über dem Meeresspiegel), der von Andermatt nach Gletsch führt, hat auf weiten Strecken überhaupt keine Begrenzung auf der Seite. Die Passstraße ist schmal und man kriegt schon sehr großen Respekt vor dem Abgrund, der sich direkt neben der Straßen auftut. Einen Straßenrand hat es nicht, es geht direkt steil runter. Von hier aus kann man eine sehr schöne Rundreise machen: Von Gletsch (am Rhone Gletscher) geht es auf den Grimsel (2.165 m) bis Innertkirchen und dann rechts ab auf den Susten (2.224 m) bis Wassen.

Sedrun in Graubünden liegt an der Straße zwischen Andermatt und Chur. Das traumhaft schöne Hotel Soliva haben wir entdeckt, als wir vom Lukmanier (1.915 m) herunterkamen und in Disentis (Betonung auf der ersten Silbe) links Richtung Oberalppass (2.046 m) fuhren. Hätten Sie es gewusst? Auf diesem Pass – am Thomassee – entspringt „unser“ schöner deutscher Rhein.

Wenn man von Andermatt aus weiterfährt Richtung Süden kommt man auf den St. Gotthard (2.091 m). Man kann durch den Tunnel fahren. Zum Gucken gibt’s da nichts. Da sieht man schon mehr auf der Passstraße. Wer Zeit hat und richtige Nostalgie erleben möchte, benutzt ein paar Kilometer hinter Andermatt die Tremolo-Straße. Hoch oben im St. Gotthard gibt es übrigens ein bemerkenswertes Hotel: Das La Claustra. Ein pfiffiger Architekt hat ein ehemaliges Übungsgelände der Schweizer Armee kurzerhand umgebaut zu einem Erlebnis-Felsenhotel. Das hat allerdings auch nur im Sommer geöffnet.

Insgesamt 26 Kantone hat die Schweiz. Der größte Kanton mit über 7.000 Quadratkilometern ist Graubünden. Den Ibergeregg-Pass (1.406 m) haben wir lange gesucht, er stand als „sehr gefährlich“ in der Karte. Wir haben ihn schließlich im Kanton Schwyz gefunden, aber so doll gefährlich fanden wir den nicht. Der war nur besonders eng und entgegenkommende Fahrzeuge mussten ganz, ganz vorsichtig aneinander vorbeifahren.

Der Forcola di Livigno (2.315 m) beginnt zwar auf dem Ofenpass (2.149 m, Schweizer Nationalpark) und endet auf dem Bernina (2.328 m), aber dazwischen ist er Italiener. Übrigens seit 1805 zollfreies Gebiet.

Sehenswert ist auf jeden Fall der Klausen (1.948 m) im Kanton Uri. Hier fanden ab 1922 die legendären Bergrennen statt. Seit 2006 gibt es auf dem Klausenpass wieder sogenannte Memorial-Rennen mit historischen Fahrzeugen.

Zurück nach Chur, der Hauptstadt Graubündens und Ausgangspunkt für viele wunderschöne Passfahrten. Wenn man zum Beispiel zwischen Chur und Flims links abbiegt Richtung Thusis, kommt man an der berühmten Schlucht von Via Mala vorbei und sollte in Splügen auf den gleichnamigen Pass (2.113 m) abbiegen. Der ist sowas von eng: In manchen Kurven muss man zurücksetzen, um überhaupt herumzukommen. Und steil ist diese Passstraße! Wunderbar.

Ein weiterer sehr schöner Rundweg startet ebenfalls in Chur. Über die Lenzerheide kommt man in Tiefencastel auf den Julier (2.284 m). In Silvaplana muss man sich jedoch entscheiden, ob man auf den Maloja (1.815 m) und nach Chiavenna weiterfährt, oder in das mondäne St. Moritz. Hinter Samedan kann man auf den Albula (2.312 m) abbiegen oder geradeaus das ebenfalls weltbekannte Davos besuchen.

Die kleinen Geheimnisse des Flüela (2.383 m), des Nufenen (2.478 m) und des San Bernardino (2.065 m) haben wir noch gar nicht beschrieben, lassen Sie mich über den Umbrail (2.503 m) aber noch sagen, dass er auf weiten Strecken heute noch nicht asphaltiert ist und in das italienische Stilfser Joch mündet.

Es gibt nicht wirklich viele Landkarten von der Schweiz. Ich empfehle drei Michelin-Karten: Nr. 551 (Nord), 552 (Süd-West) und 553 (Süd-Ost) im Maßstab 1:200.000, falls Sie die Strecken in Ihrem nächsten Urlaub mal nachfahren wollen.

Aber nehmen Sie sich nicht allzu viel auf einmal vor: Bei mir hat das ganz viele Urlaube gedauert.

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