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Pflastersteine sorgen für sauberere Luft


Betonzusatzstoff eliminiert giftiges Stickstoffdioxid

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Beton begegnet uns im wahrsten Sinne auf Schritt und Tritt. Oft wird er sogar mit Füßen getreten. „Es kommt drauf an, was man draus macht“, warb Günther Jauch Anfang dieses Jahrtausends für ein besseres Image. Mit dem richtigen Zusatz kann der Baustoff sogar einen Beitrag zur Luftreinigung leisten. Mit innovativen Pflastersteinen lassen sich die gerade im Moment sehr ins Gerede gekommenen Stickoxide eliminieren.

Ein Betonzusatzstoff namens Photoment® macht’s möglich. Ihn hat Steag Power Minerals (Dinslaken) gemeinsam mit der Kronos Titan GmbH (Leverkusen) und der TU Berlin entwickelt. Das feinkörnige Pulver – in dem unter anderem Titanoxid enthalten ist – wird in die Oberfläche zum Beispiel von Pflastersteinen eingebracht. Lichteinwirkunglöst eine photokatalytische Reaktion aus, bei der giftiges Stickstoffdioxid (NO2) aus der Luft in ungiftiges Nitrat (NO3-) umgewandelt wird. Nach Berechnungen der TU Berlin kann ein einziger Pflasterstein einem Kubikmeter Luft pro Stunde rund 48 µg NO2 entziehen.

Nach Angaben des Herstellers ist die Menge des anfallenden Nitrates so gering, dass sie nicht umwelt- oder gesundheitsschädlich ist und einfach mit dem Regen ins Grundwasser gespült wird. „Eine Fläche mit Photoment® von der Größe eines Fußballfeldes kann in einer Stunde rund 17 Gramm NOx abbauen“, rechnet Steag-Sprecherin Carolina Jansen vor. „Umgerechnet bedeutet das, dass man im Idealfall schon mit einer 30 m2 großen Garageneinfahrt den NOx-Ausstoß einer täglichen Fahrstrecke von 30 Kilometern (Euro-5/6-Benziner) kompensieren kann.“

Die Anwendung ist nicht auf Pflastersteine beschränkt. In Dortmund zum Beispiel wurde Photoment® in den Beton einer Busspur eingebracht. „Der Einsatz ist überall dort sinnvoll, wo größere Flächen mit Licht und Luft in Berührung kommen. Dies trifft also auch für Dächer und Fassaden, Lärm- und Sichtschutzwände und weitere großflächige konstruktive Betonteile zu,“ führt Carolina Jansen weitere Einsatzbereiche an.

Um wie viel die luftreinigenden Pflastersteine gegenüber konventionellen Steinen teurer sind, kann die Steag-Sprecherin nicht sagen – schließlich sei man Hersteller des Zusatzstoffes und verkaufe ihn an die Produzenten der Betonpflastersteine, die frei kalkulieren können. Natürlich sei der Preis etwa höher, aber man dürfe auch nicht den volkswirtschaftlichen Nutzen sauberer Luft übersehen.

Bislang wurden – in erster Linie im Ruhrgebiet und in Süddeutschland – rund 45.000 m2 Pflaster mit dem innovativen Zusatzstoff verlegt. Das hat für die Bauherren noch einen sichtbaren Vorteil: Durch die Reaktion des Titandioxids mit dem Licht kommt es zusätzlich zur Bildung einer sehr stark wasseranziehenden Oberfläche. Dadurch breitet sich Tau- oder Regenwasser auf der Oberfläche aus. Schmutzpartikel sowie organische Substanzen werden unterspült und mit den nächsten Niederschlägen abgewaschen. Algen, Moosen, Flechten oder Pilzen werden in ihrem Wachstum gehemmt.

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