Grüner Wasserstoff in großem Stil


Enapter will im Münsterland jährlich 120.000 Elektrolyseure produzieren

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Er ist so groß wie ein Bierfässchen und soll künftig einen entscheidenden Beitrag zur Energiewende leisten: Der Elektrolyseur. In Saerbeck im Münsterland entsteht derzeit eine Fabrik, in der jährlich 120.000 Elektrolyseure gebaut werden sollen. Elektro... was? Nun, in der Schule hat es jede(r) mal gelernt: Schickt man Strom durch ein Spezialgefäß mit Wasser (H2O), so steigen an der positiv geladenen Anode Sauerstoff-Bläschen auf (O), wogegen sich an der Kathode Wasserstoff-Bläschen (H2) bilden. Immer im Verhältnis 1:2. Elektrolyse nennt der Chemiker dies, und Geräte, die so etwas können, sind halt Elektrolyseure.

In der Praxis war diese Methode bislang viel zu teuer. Durch Reaktionen mit Sauerstoff lässt sich Wasserstoff großindustriell aktuell preisgünstiger zum Beispiel aus Methan (Erdgas/CH4) gewinnen. Der Nachteil: Es entsteht CO2, das als Klimakiller gilt. Daher spricht man bei der Elektrolyse mit Strom aus regenerativen Quellen von »grünem Wasserstoff« im anderen Fall von »grauem Wasserstoff«.
„Grüner Wasserstoff darf keine Nischenanwendung bleiben“, so das Credo von Jan-Justus Schmidt. Er ist Geschäftsführer von Enapter – ein Kunstwort aus Energie und Adapter. Enapter will die ehrgeizigen Pläne in Saerbeck umsetzen. 120.000 Elektrolyseure haben eine Kapazität von 300 Megawatt/Jahr, in der nächsten Ausbaustufe sind 3 bis 5 Gigawatt/Jahr angepeilt. Zum Start sollen 300 Arbeitsplätze geschaffen werden. 105 Mio. Euro werden investiert. Das Land Nordrhein-Westfalen unterstützt den Aufbau des für die Massenproduktion notwendigen Maschinenparks mit rund 9,36 Mio. Euro.
Ein einzelner Elektrolyseur produziert gut ein Kilo Wasserstoff pro Tag. Eingesetzt in einem Brennstoffzellen-Fahrzeug, könnte damit rund 100 Kilometer weit gefahren werden. Doch ein einzelner Elektrolyseur ist zu klein gedacht: Zusammen mit der Fachhochschule Münster will Enapter 440 in Masse gefertigte Kernmodule zu einem Gesamtsystem kombinieren. Diese in Reihe geschalteten Module können etwa 450 Kilogramm Wasserstoff pro Tag produzieren.
Die Anwendungen für grünen Wasserstoff sind vielseitig. Mittels Brennstoffzelle kann daraus wieder Strom gewonnen werden. Damit wird der Wasserstoff als Alternative zu Batterien zum Speicher für die Zeiten, in denen Solaranlagen nicht genug Leistung bringen. Durch Karbonisierung lassen sich als Power-to-Liquid oder Power-to-Gas, flüssige oder gasförmige Kraftstoffe herstellen.

Auf teure und umstrittene riesige Stromtrassen kann verzichtet werden.

Enapter will sich aber ausschließlich auf die Entwicklung und Produktion effektiver Elektrolyseure konzentrieren – alles Weitere übernehmen Partner wie zum Beispiel HPS, der ein Speichersystem für Einfamilienhäuser entwickelt hat.
Bislang produziert Enapter in kleinen Stückzahlen in Italien und hat schon Kunden in 40 Ländern. Die Wahl aufs Münsterland als Standort der Elektrolyseur-Produktion in großem Stil fiel vorrangig wegen des benachbarten Bioenergieparks mit Solarfeldern, Windrädern und einer Biogas-Anlage. „Unsere Produktion soll ab Tag 1 mit 100 Prozent grünem Strom laufen“, erläutert Schmidt. Und er geht noch einen Schritt weiter: Falls mal gar kein Wind weht und die Sonne nicht scheint, schalten wir gegebenenfalls die Produktion ab.“

Fotos Enapter, Gregor Mausolf

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