Der Kreisverkehr


Eine runde Sache

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Wo sich zwei Straßen kreuzen, muss erreicht werden, dass nicht mehrere Verkehrsteilnehmer an derselben Stelle aufeinandertreffen. Das wird zum Beispiel durch die Vorfahrtsregeln der Straßenverkehrsordnung ermöglicht. An größeren Kreuzungen übernehmen Lichtsignalanlagen, im Volksmund auch »Ampeln« genannt, diese Steuerung der Verkehrsströme. Ampeln sind in den letzten 20 Jahren vielfach durch Kreisverkehre verdrängt worden. Ob das auch sinnvoll ist?

Kreisverkehre in Deutschland gibt es schon sehr lange. Unumstritten ist dabei, dass die Fahrzeuge auf der Kreisbahn Vorfahrt haben. »Rechts vor links« wie es ehedem in Frankreich und in den Niederlanden galt, funktioniert nicht, da immer mehr Fahrzeuge in den Kreis hineinfahren, aber es würden immer weniger herauskommen. Konsequenz: Verstopfung. In Deutschland hat schon immer die Regel »der Kreis hat Vorfahrt« gegolten. Eine Wiederbelebung des Verkehrskreisels, der seit den 1960er Jahren etwas in Vergessenheit geraten war, erfolgte ab Mitte der 1980er. Initialzündung dafür war ein Fachartikel von Prof. Dr. Werner Brilon von der Ruhr-Universität Bochum (RUB). So kam es zur Anlage neuer Kreisverkehre, allen voran in Nordrhein-Westfalen. Diese Experimente waren außerordentlich erfolgreich: Weniger Wartezeiten als an Ampelanlagen, hohe Sicherheit und extrem beliebt. An der RUB folgten weitere zahlreiche Forschungsaufträge und Untersuchungen im Auftrag des Bundesverkehrsministeriums anhand praktischer Beispiele. So kam es zur Anpassung der Straßenverkehrsordnung und zu allgemeinen Regelwerken, in die auch Erfahrungen aus anderen Bundesländern einflossen.

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Der entscheidende Vorteil ist heute die hohe Verkehrssicherheit mit deutlich weniger Unfallfolgen als an Ampel-Kreuzungen. Hauptgrund dafür ist vor allem die geringere Geschwindigkeit. Der sogenannte »Minikreisverkehr« hat sich dabei innerorts als konkurrenzlos sicher herausgestellt: ein kreisrunder Platz mit maximal 22 Metern Durchmesser und einer gepflasterten Insel. Aber auch der einspurige Kreisverkehr mit etwa 30 Metern Durchmesser innerorts oder circa 35 bis 40 Metern außerorts ist sicherer als jede Kreuzung. Allerdings haben sich größere 2-spurige Kreisel in Deutschland nicht bewährt. Während die Kraftfahrer und die Fußgänger von einem besonders hohen Sicherheitsniveau profitieren, haben Radfahrer keinen so hohen Sicherheitsgewinn. Für sie ist die Fahrt auf der Kreisbahn die sicherste. Das gilt natürlich nur innerorts, außerhalb sollten sie immer auf separaten Wegen geführt werden.
Ein besonderer Pluspunkt für den Kreisverkehr ist die Qualität des Verkehrsablaufs: Bei geringer und mittlerer Verkehrslage muss – anders als bei der Lichtsignalanlage – niemand mehr warten. Wird die Kapazität eines Kreisels jedoch dauerhaft überschritten, ist eine Ampelanlage erforderlich. Weitere Vorteile: angenehme Gestaltung von Stadträumen, Verkehrsberuhigung, Investitionskosten, Lärmschutz und vor allem die hohe Beliebtheit und Akzeptanz seitens der Bürger und Verkehrsteilnehmer.
Deutschland ist mit derzeit etwa 15.000 bis 20.000 Kreisverkehren zweifellos nicht der Weltmeister. Dieser Rang kommt vermutlich Frankreich mit 20.000 bis 40.000 Kreiseln zu. Aber auch in Deutschland wächst, wie in allen europäischen Ländern, der Bestand kontinuierlich. Der Grund ist schlicht und überzeugend: einfach rund und sicher.

Der Minikreisverkehr ist innerorts nahezu konkurrenzlos sicher.

Fotos Frank Nüssel

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