Ostern im Spreewald


Rückzug in die Idylle

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„Vom Eise befreit sind Strom und Bäche…“ Wo, wenn nicht im Spreewald könnte Goethes Frühlingserwachen schöner zu erleben sein. Schließlich lebt diese Region, die als Binnendelta eines Flusses, der sich in etwa 300 Fließe teilt, von ihren Wasserarmen und mystischen Wäldern.


Vom Kahn aus ist auf einer solchen Frühlingsfahrt diese Landschaft gut zu beobachten. Äcker und Wiesen liegen auf Anhöhen hinter dem Ufer. Lange Äste der Erlen hängen ins Wasser. Spreewälder Bauern haben von alters her Zwiebeln, Kohl, Kohlrüben, Gurken und Meerrettich angebaut. Bereits im 18. Jahrhundert belieferten sie die Berliner. Als Berlin im 19. Jahrhundert immer größer wurde, spezialisierten sich viele Bauern im Spreewald auf Gurken, sauer oder salzig eingelegt und bis heute Markenzeichen der Region. Mit flachen Booten aus Eichen- oder Pappelholz lieferten sie auch Korbwaren und Heu. Trotzdem blieben die Menschen, von denen viele an ihrer sorbischen oder wendischen Identität festhielten, arm. Junge Frauen gingen als Ammen und Kindermädchen nach Berlin, wobei sie durch ihre Tracht mit der großen Haube auf alten Fotos leicht zu erkennen sind.


Ihre tiefe Verwurzelung mit der Landschaft
fand ihren Ausdruck in traditionellen Osterbräuchen.

Wer das erleben möchte, ist herzlich eingeladen. Dabei merkt der Besucher, dass die österlichen Traditionen keine Folklore sind, sondern gelebte Gemeinschaft. Schnell kommt man mit den Einheimischen ins Gespräch, es wird gelacht und erklärt, was vor sich geht. Manchmal sieht man auch Frauen, die in die selten getragene Kirchgangstracht gekleidet sind. Einst war es üblich, dass die Frauen und Mädchen diese Tracht anlegten und in der Nacht des Ostersonnabends zusammenkamen, um gemeinsam singend bis zum Sonnenaufgang des Ostersonntags, durch das Dorf zu gehen. Mit ihren Liedern verkündeten sie die Auferstehung Christi. 

Viele Besucher zieht es jedes Jahr in das kleine Spreewalddorf Zerkwitz nahe von Lübbenau. Am Ostersonntag findet hier das wendische Osterreiten statt. Reiterrinnen und Reiter beginnen vom Dorf aus ihren Ritt in die umliegenden Dörfer. Dreißig Kilometer werden sie unterwegs sein, aber hier an der Kirche in Zerkwitz beginnt und endet das wendische Osterreiten. Auch im Freilandmuseum Lehde heißt es von Karfreitag bis Ostermontag: »Ostern im Freilandmuseum«. Neugierig bewundern Gäste die alten Bauerngehöfte, erfreuen sich an der Osterausstellung mit den in Wachsmaltechnik verzierten sorbischen Ostereiern. Wer mag, probiert selbst einmal diese Technik aus.

Mit dem Kahn geht es langsam zurück. Dabei lächelt eine milde Frühlingssonne, wenn schmucke Blockhäuser vorbeiziehen, manche mit Giebelschmuck, hier und da hölzerne Fischkästen. Fast vor jedem Gehöft liegt ein Kahn, oft nahezu gänzlich unter Wasser, damit sie nicht austrocknen, wie der Mann, der den Kahn lenkt, erklärt. Nun biegen wir ab, es ist still und einsam und der Kahn schaukelt sanft, während die Frühlingsluft schon eine Ahnung vom Erwachen der Natur verheißt.

Fotos Editha Weber

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