Masuren – 1.000 Seen und eine Wasserstraße


Landpartie auf dem Schiff

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Als Land der 1.000 Seen wird Masuren häufig bezeichnet. Die idyllisch zwischen weiten Wäldern gelegenen Gewässer prägen den Landstrich im nordöstlichen Polen. Durch diese hügelige Seenlandschaft hat ein genialer Ingenieur vor 155 Jahren bereits eine Wasserstraße angelegt.

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Der Oberlandkanal (Kanal Ostródzko-Elblaski), der das westliche Masuren mit der Ostsee verbindet, wurde aus der Not geboren. Trotz seinem schier unermesslichen Reichtum an Holz und Getreide flaute die Wirtschaftslage im einstigen Ostpreußen zusehends ab. Es fehlte ein geeigneter Transportweg, um die heimischen Erzeugnisse auszuführen und Gewinn bringend zu verkaufen. Eine Eisenbahn war ausgeschlossen, dafür fehlte das Geld. An Wasser herrschte dagegen kein Mangel. Als Lösung bot sich eine Wasserstraße durch die Seen und Flüsse an. Doch die Hindernisse der hügeligen Landschaft schienen unüberwindbar zu sein. Der passionierte Tüftler Georg Jacob Steenke sah darin eine Herausforderung. 1837 machte sich der königlich-preußische Baurat an sein spektakuläres Werk, bis er sieben Jahre später ein System gefunden hatte, mit dem er die Seen mit den Flussläufen zu einem durchgehenden Kanal verbinden konnte.

Zunächst wurden die Wasserspiegel der Seen auf gleiche Höhe gebracht und mit Durchstichen und Kanälen miteinander verbunden. Bei einigen Seen erfolgten umfangreiche Trockenlegungen, die den Reichtum an fruchtbarem Weide- und Ackerland noch vermehrten. Im Falle eines tiefer gelegenen Wasserspiegels schaffte ein Aquädukt Abhilfe. Nach wenigen Jahren Bauzeit konnte das hydrotechnische Meisterwerk vor 155 Jahren feierlich in Betrieb genommen werden.

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Als bautechnisch besonders beeindruckend gilt der Streckenabschnitt zwischen Osterode und Elbing. Durch Kanäle, Kammerschleusen und über schiefe Ebenen führt die 82 Kilometer lange Wasserstraße mitten durch die malerische Landschaft. Die ausschließlich wirtschaftliche Bedeutung des genialen Bauwerks währte bis 1912. Danach erwiesen sich Straße und Schiene zunehmend als harte Konkurrenz im Gütertransport. Stilllegung des Oberlandkanal war aber kein Thema: Ausflügler hatten die Wasserstraße als beschauliche Landpartie vom Schiff aus für sich entdeckt. Mit dem Zweiten Weltkrieg kam allerdings das Aus für die vergnüglichen Ausflüge, denn der einzigartige Kanal hatte erhebliche Schäden erlitten.

Das kann es nicht gewesen sein, dachten sich die beiden Reeder Adolf Tetzlaff und Zygmunt Mianowics und setzten den Oberlandkanal wieder in Stand. Heute verwaltet die Stadt Osterode den Kanal und die „Gesellschaft der Gemeinden am Oberlandkanal“ wacht über den Erhalt der Landschaft am Kanal, hält die derzeit fünf Ausflugsdampfer und nicht zuletzt den Kanal selbst in Schuss. Die Flotte legt morgens um acht im Hafen der westmasurischen Kleinstadt Ostróda (Osterode) zu ihrer elfstündigen Fahrt nach Elblag (Elbling) ab. Mit acht Kilometern pro Stunde gleiten die Schiffe durch den schmalen Kanal.

Bei Buchwalde (Buczyniec) drängen die Fahrgäste Richtung Reling, um zu verfolgen, wie der Dampfer auf Schienen über einen Hügel gehievt wird. Sobald das Schiff an beiden Seiten vertaut ist, bewegt es sich langsam vorwärts. Ein dickes Stahlseil, angetrieben von einem Wasserrad, zieht die achträdrige Plattform auf Schienen den Hügel hinauf. Ist der Gipfel erreicht, geht es ebenso den Hang hinunter bis es sanft zurück ins Wasser geschoben wird. Dann werden die Taue gelöst, die Plattform senkt sich und das Schiff setzt seine Fahrt bis zum nächsten „Landgang“ – innerhalb der nächsten zehn Kilometer insgesamt fünf Mal – auf dem Wasser fort.

INFORMATIONEN

Die Schifffahrtsgesellschaft Zegluga Ostródzko-Elblaska bietet in den Sommermonaten täglich Fahrten zwischen Elblag und Ostróda in beide Richtungen an. Die Ausflüge dauern von 8 bis 19 Uhr und kosten umgerechnet 30 Euro, inklusive der Rückfahrt mit dem Bus. Auch Fahrten auf Teilstrecken sind möglich.

Fahrplan und Informationen:
www.zegluga.com.pl

Polnische Fremdenverkehrsamt:
www.polen.travel

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