London: Die grünen Seiten der Metropole


Ein Gartenspaziergang

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Rote Doppeldeckerbusse, schwarze Cabs, dazwischen Frauen und Männer in Businesskleidung, Rucksack-touristen und Reisegruppen, lautes Hupen und Sirenengeheul im Hintergrund: Zweifellos, das ist London. Die Metropole pulsiert, inspiriert, erstaunt, erschreckt – und das seit Jahrhunderten. Um da ein wenig abzuschalten, sein Lunchpaket zu essen oder einfach mal in Ruhe den Stadtplan zu studieren, laden unzählige Gärten und Parks ein.

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Kaum
eine andere Großstadt dieser Dimension verfügt über so viel Grün. Londoner nutzen diese grünen Oasen fast zu jeder Jahreszeit. Mal abgesehen vom Hyde Park ist der Welt sicher kein anderer Londoner Park so vertraut wie der St James Park. Gleich hinter dem Regierungsviertel um Whitehall gelegen, in Sichtweite zum Paradeplatz für das alljährliche Spektakel Trooping the Colour und mit Sichtachsen zum Buckingham Palast.
Mit U-Bahn oder Bus sind es relativ kurze Wege zu den Geburtsstätten des Englischen Landschaftsgartens. Einfach der Themse nach Südwesten folgen. Nah und empfehlenswert ist der Garten von Chiswick, einem Londoner Stadtteil, der sich den Charme einer Kleinstadt bewahrt hat. Gartenhistoriker würdigen diesen Garten als Keimzelle des im frühen 18. Jahrhundert neuen Gartenstils. Denn es war bahnbrechend, als hier formale Gartenpartien in naturnahe Gestaltungen übergingen und Sichtachsen mit Blick auf Tempel und Statuen einen italienischen Traum wahr werden ließen. Viele begüterte Zeitgenossen des 18. Jahrhunderts orientierten sich an Chiswick. Heute steht der teilweise restaurierte Garten allen offen und lädt jeden zum Lustwandeln ein, sodass ihn die Bewohner des Stadtteils nahezu als heimisches Refugium ansehen.

essen
Weiter geht’s . Die Themse überqueren und nach wenigen Kilometern steht man vor den Toren des Botanischen Gartens in Kew. Ehemals königlicher Besitz und beliebter Rückzugsort für Generationen von Royals wurde der botanische Garten 1759 gegründet. Was für eine Pflanzenvielfalt. Alle paar Schritte beginnt ein neuer Garten, ob mediterran, japanisch, Winter-, Bambus-, Gras- oder Waldgarten. Dazu spektakuläre Glashäuser, fantasievolle Spielplätze und der Höhepunkt für viele Besucher, der 18 Meter hohe Baumkronenpfad. An einem Tag ist das nicht zu schaffen. Ausdauernde Spaziergänger könnten am Flussufer bis Richmond, Twickenham und Hampton Court laufen und würden nicht müde werden, die Komposition aus Flusslandschaft und Parkanlagen zu bewundern.

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Zu weit? Gut, noch ein kurzweiliger Tipp für ein kleinräumiges Gartenidyll im Herzen der Metropole. Wenige Schritte vom südlichen Themseufer und der Lambeth Bridge entfernt verbirgt sich ein liebevoll geführtes und fachkundlich ausgestattetes Museum für Gartengeschichte. Die frühere Kirche St Mary-at-Lambeth beherbergt wechselnde Ausstellungen, ein Café und einen gut sortierten Gartenshop. Auf dem ehemaligen Friedhof haben die Gärtnerinnen und Gärtner des Museums einen faszinierenden Knotengarten im Stil des 17. Jahrhunderts angelegt. In den Beeten kultivieren sie jene Pflanzen, die der Gärtner, Pflanzenjäger und Sammler John Tradescant einst in englische Gärten einführte.

Da das Gartencafé allen offen steht, lässt sich ein Mittagsstopp für müde Großstadttouristen einlegen. Verführerische Torten, schmackhafte Suppen und Salate aus saisonalen Produkten überzeugen im besten Sinne von englischer Küche. Vielleicht noch ein Tee oder ein Glas Cider. Und bitte bei allem Genuss und Wohlgeschmack von Cider die „Umdrehungen“ nicht unterschätzen!

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