Kostenbombe Klimaanlage


Zusammen mit dem Fernsehsender VOX überprüfte KÜS-Prüfingenieur Thomas Schuster Autoklimaanlagen von Gebrauchtwagen

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Ausgerechnet Automobilexperte Prof. Dr. Ferdinand Dudenhöffer selbst traf der Klimakoller völlig überraschend: Nach nur drei Dienstjahren versagte die Klimaanlage seines Ford Kuga. Mit dieser Nachricht und der Vermutung, dass Autoklimaanlagen wohl generell immer anfälliger werden, trat der Fernsehsender VOX im November 2012 an die KÜS heran. Im Januar 2013 wurde der Beitrag ausgestrahlt und ist jetzt auch in der KÜS Mediathek abrufbar.

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Die Idee: Gemeinsam mit der KÜS wollte VOX automobil einmal in Stichproben überprüfen, wie es heute um die Haltbarkeit von Autoklimaanlagen bestellt ist. In der KÜS-Prüfstelle in Berlin-Tegel und bei über zehn Autohändlern rund um Berlin wurden Fahrzeuge aus Vorbesitz hierbei inspiziert.

Hierzu hatte Thomas Schuster einen eigenen Schnelltest entwickelt, der bei schwierigen Situationen umsetzbar sein musste, denn das VOX-Team hat bei einigen dubiosen Händlern auch mit versteckter Kamera gedreht. Schusters Test sollte drei Mängel aufdecken:

  1. Funktioniert die Kühlung der Klimaanlage einwandfrei? Hierzu wurde ein spezieller Temperaturfühler mit Lasertechnik eingesetzt. Bei voll eingeschalteter Kühlung musste sich die Luft an den Ausströmern im Innenraum auf unter 5 Grad plus abkühlen.
  2. Wurden bereits Reparaturversuche an der Klimaanlage durchgeführt? Hierbei wurden die Klima-Leitungen auf Beschädigungen untersucht.
  3. Ist oder war die Klimaanlage undicht? In solchen Fällen haben Werkstätten oft ein Kontrastmittel beigemischt, das als gelbe Flecken auf den undichten Stellen zu erkennen war.

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Das Ergebnis hat selbst KÜS-Ingenieur Thomas Schuster schockiert: „Uns ist aufgefallen, dass bei den freien Händlern öfter Defekte aufgetreten sind. Bei den Vertragshändlern waren die Anlagen gewartet und waren absolut in Ordnung. Das liegt auch daran, dass die Händler Garantieleistungen geben müssen – bis zu fünf Jahre. Und das wäre viel zu teuer, wenn sie das denn ersetzen müssten. An der Prüfstelle haben wir festgestellt, dass gut die Hälfte der Anlagen defekt waren.“

Im Rahmen der Dreharbeiten kamen immer mehr Klimadefekte ans Licht. So wurden bei Klimaexperten Axel Holler in Köln Klimakondensatoren aufgedeckt, die erst vier Jahre alt und so marode waren, dass sie sich mit bloßem Zeigefinger zerreiben ließen. Offenbar hatten Umwelteinflüsse das minderwertige Material binnen kürzester Zeit zersetzt. Aus Kosten- und Gewichtsgründen hatten die Autohersteller vor Jahren das Material von Messing und Kupfer auf teilweise minderwertiges und billiges Aluminium umgestellt.

Ein Qualitätsmangel, der Folgen haben wird, so Prof. Dr. Ferdinand Dudenhöffer von der Uni Duisburg: „Auf den ersten Blick könnte man denken: Na ja, dem Autobauer ist das egal. Denn das Auto, das auf der Straße vier, fünf Jahre alt ist, interessiert ihn nicht mehr. Aber Kunden haben ein Gedächtnis wie ein Elefant. Das heißt: Solche Schäden werden nicht vergessen. Und wenn der Kunde schlechte Erfahrungen macht mit seiner Marke, dann wird er beim Neuwagenkauf wegbleiben.

Schäden an Autoklimaanlagen sind außerdem für die Autobesitzer richtig teuer: Ein Klimakondensator kostet rund 600 Euro, ein Klimakompressor, der meist durch Verflüchtigung des Kühlmittels nicht mehr geschmiert wird und damit ebenfalls kollabiert, schlägt als Folgeschaden mit bis zu 1.600 Euro zu Buche.“

Der KÜS-Tipp: Am besten Gebrauchtwagen mit Garantie kaufen, bei dem die Klimaanlage ausdrücklich mitversichert ist.

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