Kalahari: 4×4-Tour durch Wüsten und Wasser


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Johann Louw ist Namibier mit belgischen Wurzeln. Militärzeit, Ausbilder, Berufsjäger. Diese Zeiten liegen hinter ihm. Heute zählt er zu den qualifizierten Rangern in Südwest-Afrika, hat ein exklusives Unternehmen gegründet "South Bound Experiences". Er spricht Afrikaans, Deutsch, Englisch, dazu die Herero- und Ovambo-Dialekte sowie die Sprache der Klick- und Schnalzlaute der Buschmänner in der Kalahari. Johann plant und führt ungewöhnliche Allrad-Touren für Interessenten durch Namibia, Botswana, Uganda, Simbabwe, Tschad, Sambia und bis Kenia, fährt einen Land Rover Defender.

kalahari3Heute schießt Johann nur noch im Auftrag der Regierung oder zur Selbstrettung. Nun werden Fotos geschossen. Unsere Gruppe: vier Paare. Start in Windhoek, der namibischen Hauptstadt. Drei exzellent vorbereitete Toyota Hilux mit Kabinenaufsatz (Bergematerial, mobile Toilette, Übernachtungsrequisiten, Lebensmittel etc.) und Dach-Klappzelt, Front-Seilwinde, Allradantrieb mit Untersetzung und einem gut im Futter stehenden 3-Liter-Diesel mit ordentlich Drehmoment. Spezielle Reifen, ähnlich M/T-Pneus, zeigten sich Schotter-, Tiefsand-, Schlamm- und Wasserresistent.

Schlamm, Wasser…  in den trockensten Regionen Afrikas? Wir sollten uns noch wundern.

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Mesosauren

Mit Kurs Süd-Südost ging es recht zügig Richtung Kalahari bis 40 Kilometer an die Grenze zu Botswana. Dann wurde es ernst: die Kalahari Dunes sind hoch und eklig steil. Auf der Anhöhe erwartete uns ein Camp nach Landesart. Stabiles Holzgestühl und Tische, ein Grillplatz mit Brennholz. Wow! Eine schöne Belohnung. Und gut für unser Nachtlager. Die kleinen, zart gebauten Buschmänner vom Stamme der San und Nama, die hier leben, führten uns eine Weile, bewaffnet mit Bogen und Pfeilen, die sie meisterhaft beherrschen. Waren es der Staub, der Feinsand und die Trockenheit: uns zog es in Richtung Atlantik nach Westen. Noch vor Keetmanshoop landeten wir am Fish River, der durch den gleichnamigen Canyon fließt. Dabei trafen wir auf einen Eremiten inmitten der Felsenwirrnis. Er zeigte uns Mesosauren, also Amphibien, die sich zu Lande und zu Wasser bewegen konnten, versteinert vor 270 Millionen Jahren. Wir waren in der frühen Erdgeschichte angekommen. Gut 200 Kilometer durch absolute Einsamkeit näherten wir uns der früheren deutschen Gründungsstadt Lüderitz am Atlantik, am Fuß der Kowis-Berge. Etwa 1884 begann hier die große und erfolgreiche Diamantensuche im „Diamond Areal“. Nur noch 15 Grad Lufttemperatur und Nebel an der Küste: eine völlig neue, unerwartete Erfahrung. Satte 500 Kilometer nördlich empfängt uns eine leutselige Robbenkolonie, neugierig und nett. Hitzeresistente Oryx-Antilopen, die ihre Bluttemperatur bis auf 40 Grad der Umgebung anpassen können, begleiteten uns bis dahin. Mit einem Schlenker nach Osten wechselte auch der Charakter der Landschaft. Wir waren in der heißen Etosha-Pfanne angekommen. Auch die reiche und typische Tierwelt hatte sich verändert: Giraffen, Zebras, Elefanten und auf Felsen artistisch herumturnende Paviane. Viele der Tiere suchen die wenigen flachen Wassertümpel auf, um sich für Tage mit Flüssigkeit zu versorgen. Dazwischen mit Feinstaub gefüllte Löcher in der Etosha-Wüste, Tiefsand, scharfkantiger Schotter und tiefe Matschdurchfahrten mit erhöhtem Risikopotenzial. Aber Johann kannte sich aus, dennoch bildete sich so mancher Schweißtropfen. Bei Rundu streiften wir die Grenze zu Angola und gönnten uns eine Bootsfahrt auf dem Kavango River, der uns auch einen jungen Tigerfisch präsentierte. 300 Kilometer weiter östlich durch den Bwabwata National Park überquerten wir am Grenzort Ngoma die Linie nach Botswana, unweit der gewaltigen Victoria Fälle. Wir waren am Sambesi eingetroffen, der hier, nahe Kasane, in mehreren Stufen in den gleichnamigen Canyon stürzt. Inzwischen hatten wir auch wieder neue Begleiter:

gefräßige Krokodile, mächtige Löwen und Kap-Büffel mit drohendem Gehörn und finsterem Blick.

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Eine Straßenbrücke von schwindelerregender Höhe überspannt den Canyon. Das nächste äußerst anspruchsvolle Hindernis bildete die Durchfahrt im Okavango-Delta, das eine Fläche von annähernd 20.000 Quadratkilometern bedeckt. Da mussten wir durch. Elefanten schauten uns neugierig zu, ob wir es schaffen. Als wir endlich wieder Schotter und Sand unter den Füßen hatten, befanden wir uns bereits in Richtung Zielort Windhoek. Nachts jagende Raubtiere ließen uns sicherheitshalber in unseren Dachzelten bleiben. Flüsse sind plötzlich da, versinken unvermittelt in der Wüste und tauchen, wenn überhaupt, Kilometer weiter wieder auf. Der Südwesten Afrikas: Nur der Stärkere überlebt. Oder der Cleverste. Oder der, der einfach nur Glück hat. 6.500 Kilometer mit 85 % Offroad-Anteil durch Namibia und Botswana. Ein Erlebnis, das unsere Sinne in jeder Hinsicht neu schärfte. Ein mentales „Reset“ gewissermaßen…

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