Irland-Klischees und irische Realität: Es grünt so grün


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Irland-Klischees sind fast so zahlreich wie Schafe auf den Weiden der „Grünen Insel“, die nach gängiger Vorstellung immer wolkenverhangen ist. Folgerichtig gilt als Hauptdurstlöscher der Iren Guinness und Whiskey, um die immer währende trübe Stimmung zu vertreiben.

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Die Schriftsteller des Landes – James Joyce, Oscar Wilde und ihre Nachfolger – haben sich keineswegs bemüht, das raubeinige Image ihrer Landsleute in ein freundlicheres Licht zu rücken. Schließlich haben die Iren ihr ursprünglich keltisches Eiland und ihre Eigenständigkeit hartnäckig behauptet, als es einst von den Wikingern, Normannen und Engländern besetzt und sie bevormundet wurden. Heute punktet die grüne Republik allen Klischees zum Trotz mit einer gesunden Mischung aus Moderne und Tradition.

Unsere Tour von Dublin nach Cork und weiter nach Südwesten führt durch malerische Landschaften und ein pulsierendes Stadtleben in der ehemaligen europäischen Kulturhauptstadt Cork (2005). Shoppingmeilen mit internationalen Modelabels neben den von jeher beliebten Pubs und Bars, die immer voll zu sein scheinen. Die zahlreichen Kanäle, die früher den Warentransport sicherten, wurden bereits im 18. Jahrhundert zu Gunsten neuer Stadtviertel zugeschüttet. Moderne Businessbauten und ein stylisches Opernhaus stehen in Kontrast mit engen Altstadtgassen. Auch die historische Distillerie „Jameson“ gehört zum Besucherprogramm. Whiskey ist in Irland eben mehr als nur ein Klischee.

In südwestlicher Richtung geht es nach Clonakilty. Auf der Hauptstraße des aufgeräumten Städtchens blitzt uns das Denkmal eines Oldtimers entgegen. „Das ist die Thin Lizzy“, erklärt unsere Begleiterin Mary Clissman. Mitte des 19. Jahrhunderts flohen eineinhalb Millionen Iren vor der großen Hungersnot, der „Great Famine“, in die USA. Einer davon war Familienvater Ford, der seine Heimat, Frau und Kinder zurückließ und in der neuen Welt sein Glück suchte. Dazu gehörte ein neues Familienglück, das Sohn Henry hervorbrachte.

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In den herrschaftlichen Lissellan Gardens am Rande von Clonakilty entdecken wir noch mehr beeindruckende Karossen aus der Werkstatt des begnadeten Autobauers Henry Ford. Als Reminiszenz an den großen Sohn ihrer Stadt haben sich die Eigentümer des noblen Herrensitzes die Oldtimer aus dem Hause Ford in ihre Garage gestellt.

Nach einer weiteren Stunde Fahrt erreichen wir die Bantry Bay. Inmitten eines Blumenmeeres aus edlen Lilien, Dahlien und Rosengewächsen steht das Herrenhaus des I. Earls of Bantry. 1759 hatte der Edle das Anwesen mit Blick auf die Bay erworben, das Einblick in das Adelsleben vor gut 200 Jahren gewährt.

Ein anderes parklandschaftliches Kleinod eröffnet sich auf Garnish Island, einem 15 Hektar großen, mystisch anmutenden Inselchen. Vor 90 Jahren ließ die Besitzerin hier einen besonderen Garten anlegen, durch den ein markierter Pfad führt. Immer wieder steht man staunend vor einer neuen Idylle mit einer Fülle exotischer Pflanzen und thematisch passender Architektur, von der Villa im italienischen Stil bis zum japanischen Tempelchen.

Während der tuckernden Bootsfahrt zurück aufs Festland, schenken uns einige Seehunde, die sich auf den vorgelagerten Bänken räckeln, ihre flüchtige Aufmerksamkeit.

Vom Auto aus erkunden wir zum Abschluss den Ring of Kerry, der sich über 180 Kilometer um die Halbinsel Iveragh hinzieht und immer wieder einen atemberaubenden Ausblick auf die einzigartige Landschaft Irlands bietet, der man etwas magisches nachsagt. Dieses Klischee können wir auf jeden Fall bestätigen.

Internet

www.ireland.com
Telefon (069) 66 80 09 50

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