In Karelien zur inneren Ruhe


Slow Motion auf Finnisch

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Willkommen an Bord. Nachdem alle Fahrzeuge und Container im Bauch der Finnlines-Linie von Lübeck-Travemünde nach Helsinki platziert und die Kabinen bezogen sind, geht es zum Mitternachtssnack ins Restaurant des kombinierten Passagier-Frachtschiffs. Gegen drei Uhr nachts legt die Fähre ab und vor uns liegen 30 Stunden und rund 1.200 Kilometer (611 Seemeilen). Endlich in Ruhe lesen, in die Sauna gehen und die Sonnenuntergänge genießen. Die perfekte Einstimmung auf das finnische Lebensgefühl im südöstlichen Karelien.

Vom Hafen Helsinki Vuosaari steuern wir in gemächlicher Fahrt Karelien an (etwa 250 Kilometer). »Land der 1.000 Seen« ist in diesem Landstrich stark untertrieben. Ein ähnlich verzweigtes Gewässer-Labyrinth wie im Saimaa-Seengebiet findet man nirgends sonst in Europa. Aus den schier endlosen Wasserflächen erhebt sich eine Vielzahl an Inseln. „Zählt man alle zusammen, kommt man auf gut 30.000“, sagt Titta Kyllönen. Entsprechend weitläufig sei die Uferlinie, ergänzt die Gästeführerin. Durch diese Bilderbuchlandschaft verläuft die russisch-finnische Grenze auf einer Länge von 700 Kilometern. Die Nähe der beiden Länder zeigt sich in vielen Traditionen und Bräuchen. Hier isst man Piroggen und entdeckt orthodoxe Kirchen. 

Am Stadtrand von Mikkeli breitet sich idyllisch zwischen Fichten und Föhren das Wellnessdorf Anttolanhovi aus. Eine Oase der Ruhe. In der unendlichen Weite der Natur rund um den Saimaa-See suchte schon Katharina die Große ihre innere Ruhe. Besonders beeindruckt war die russische Kaiserin vom tosenden Wasserfall in Imatra am südöstlichen Ufer. Über achtzehn Meter stürzt sich hier der Vuoksi-Fluss in eine Felsenschlucht. Noch heute zählt das Schauspiel zu den besonderen Naturereignissen in Finnland. Von Imatra sind es nur noch sieben Kilometer bis zur russischen Grenze. Die nahe gelegene Sommerfrische lockte auch die Zaren Alexander III. und seinen Sohn Nikolaus II. Dem Vorbild der Hochherrschaft folgte die »Upperclass« aus Sankt Petersburg und gab sich regelmäßig ein Stelldichein in dem damaligen russischen Großfürstentum (von 1809 bis 1917 war Finnland Teil Russlands). Neben dem Wasserfall im Kruununpuisto-Park, der heute älteste Naturpark Finnlands, hatte Zar Nikolaus ein Naturreservat errichten lassen, das inzwischen weiträumig ausgebaut wurde. Der Blick vom historischen Aussichtspavillon über die Wälder und den Vuoksi-Fluss gilt indessen nach wie vor als eindrucksvollste Attraktion. 

Wie ein kleines Paradies schmiegt sich das Spa Resort Järvisdän in seine Umgebung mitten im Nationalpark Linnansaari. Vor 350 Jahren eröffnete Familie Heiskanen auf Geheiß des russischen Zaren und des schwedischen Königs hier eine Poststation. In der damals nahezu menschenleeren Region Porosalmi sollten die Reisenden auf dem weiten Weg zwischen den beiden Königreichen einen Zwischenaufenthalt einlegen können. Aus der einstigen Herberge wurde ein Wohlfühl-Refugium, das sich harmonisch in die Natur einfügt. Ein guter Ausgangspunkt für eine Bootstour. Mit einem Picknickkorb wartet die Bootsführerin am hauseigenen Anlegesteg. Bei bewölktem Himmel schaukelt der Kahn vorbei an felsigen Eilanden, die sich schier endlos aneinanderreihen. An der kleinen Insel Kaarnetsaari legt die Steuerfrau an und führt auf verschlungenen Pfaden zu einer Hütte. Zu Rentierschinken, Käse und würzigem Brot rinnt karelisches Bier süffig durch die Kehle. 

Die Opernfestspielstadt Savonlinna bietet in der sommerlichen Spielzeit vor der einzigartigen Kulisse der stattlichen Burg Olavinlinna gleichsam das Kontrastprogramm. Doch wenn die »Königin der Nacht« und der Vogelfänger aus der »Zauberflöte« wieder verstummt sind, kehrt wieder Ruhe ein in der größten und besterhaltenen Burg Skandinaviens. Auf einer Wasserflugzeugrunde wird deutlich, wie weitläufig sich das mittelalterliche Gemäuer in der Landschaft ausbreitet. Und man erkennt aus der Vogelperspektive, wie großzügig die Natur ihre Schätze über Karelien verteilt hat.

INFO

Finnlines: Tel.: 04502 805 443
www.finnlines.com

www.visitfinland.de

Anreise:
Ab Skandinavienkai in Lübeck-
Travemünde nach Helsinki
Zum Hafenplatz 1 

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