Handy am Steuer, oder: Wir simsen uns zu Tode …


das Verschicken ominöser Textnachrichten lässt das Unfallrisiko um das 23-fache (!) steigen

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Mal ehrlich, unter uns gesagt, es muss ja sonst keiner wissen: Wie oft nehmen Sie im Auto – weil das schnöde Telefonieren ja auch verboten ist und «Kohle» nebst Punkten in Flensburg kostet – eigentlich ihr Handy nur mal kurz zur Hand? Und dann verschicken Sie eine von den vielen Tausenden, ach was sage ich, von den vielen Millionen Kurznachrichten, die unsere Mobiltelefone heute pro Tag verlassen? Um nur kurz zu sagen, dass Sie sich verspäten, oder gar nicht kommen, oder dass Ihnen etwas besonders gefällt oder aber richtig sauer aufgestoßen ist?

Talking while Driving

Kurzum: Das «simsen», wie das Verschicken von Short Message Services heißt, ist in die vielen kleinen Alltäglichkeiten eingegangen. So wie das Zähneputzen, das Schuheschnüren, das Naseputzen.

Aber das Bedienen der Tastatur beim Autofahren, das Sich-ablenken-lassen vom Verkehr, das Suchen der Buchstaben und des Ansprechpartners im Telefonbuch. Wie gefährlich ist das eigentlich? Ist ja nur ganz kurz, mögen geübte Handy-Quäler jetzt sagen. Doch die Wirklichkeit spricht eine ganz andere, ungeschminkte Sprache. Denn durch das Schreiben von Textnachrichten am Steuer steigt das Unfallrisiko um das 23-fache (!) und übertrifft damit die meisten anderen Ablenkungsursachen beim Fahren.

Dieses erschreckende Ergebnis brachte eine Untersuchung des Auto- und Reiseclub Deutschland e.V. (ARCD) zutage. Dabei wurden 18 Monate lang Kabinen von Lkw-Fahrern mit Videokameras überwacht. Sie zeichneten genau auf, wie sich das SMS-Schreiben auf das Fahrverhalten auswirkte. Demnach reichen schon fünf Sekunden, die man auf sein Handy schaut, um einen Unfall oder beinahe einen Unfall zu bauen. Laut den Unfall-Experten gelten die Untersuchungsergebnisse nicht nur für Lkw, sondern auch für andere Fahrzeuge. In Deutschland – wer weiß das inzwischen nicht – ist der Handy-Gebrauch am Steuer generell verboten und kostet hierzulande ohne Freisprecheinrichtung 60 Euro Bußgeld und obendrein einen Punkt im Flensburger Verkehrszentralregister.

Hand of a teen texting while driving

Doch laut einer aktuellen Studie des Virginia Tech Transportation Institute steigert das Klimpern auf der Handy-Tastatur am Steuer die Unfallgefahr derart, dass es die Sicherheit maßgeblich gefährdet und oft unterschätzt wird. Obwohl Brummis länger zum Anhalten brauchen und viel schwerer zu beherrschen sind als Autos, lassen sich die Ergebnisse durchaus auch auf «normale» Autofahrer anwenden, lassen die Auftraggeber der Studie verlauten.

In Deutschland müssen Kraftfahrer schon mit den beschriebenen Strafen rechnen, wenn sie bei laufendem Motor das Mobiltelefon nur in die Hand nehmen.

In anderen Ländern sieht man die Gefahren (noch) nicht so eng. In den USA haben erst 19 Bundesstaaten derlei Gesetze verabschiedet. Bald aber soll es dort technische Zusatzeinrichtungen geben, die den Handy-gebrauch am Steuer verhindern können. Das Unternehmen «Safe Driving Systems» vertraut einer Vorrichtung, die zwar den Empfang von Anrufen und SMS-Nachrichten erlaubt, aber den Zugriff auf das Handy verhindert, sobald der Fahrer das Fahrzeug startet. Ein eingebauter «elektronischer Schlüssel» setzt mit Hilfe von Bluetooth die Handyfunktionen außer Betrieb.

Vielleicht doch irgendwie nachahmenswert, oder was meinen Sie dazu? Schreiben Sie mir doch einfach eine SMS, aber bitte nicht beim Autofahren …

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