Erstausrüstung bei Mercedes-Benz


Reifen werden für jedes Modell entwickelt

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In der Erstausrüstung ab Werk werden auch an Reifen strenge Maßstäbe angelegt. Ziel der Zusammenarbeit von Automobil- und Reifenhersteller ist es, dem Kunden optimale Voraussetzungen für einen sicheren und komfortablen Fahrbetrieb zu liefern. Traditionell gehört Mercedes-Benz zu den Marken, deren Messlatte für Reifenfreigaben besonders hoch liegt. Dr.-Ing. Frank R. Klempau ist bei der Daimler AG verantwortlich für die Entwicklung neuer Rad-Reifen-Systeme und das Qualitätsmanagement der Komponenten Rad, Reifen, Fülldruck-Kontrollsysteme und Komplettradmontage. Überdies ist er zuständig für die Bereitstellung digitaler Reifendaten und -modelle sowie den Kontakt zu externen Organisationen. Tatsächlich bestimmen die Fachleute der Automobilindustrie die gesamte Reifenentwicklung wesentlich mit, setzen mitunter Trends und haben die nächsten Modellgenerationen im Blick. Die Fragen stellte unser Mitarbeiter K. P. Backfisch.

E-Klasse (W212) 2008

Sie haben ein umfangreiches und aufwendiges Programm, um die technischen Eigenschaften von Reifen zu prüfen und für Mercedes-Fahrzeuge anzupassen. Warum nehmen Sie nicht einfach Serienprodukte von namhaften Reifenherstellern?

Dafür gibt es eine ganze Reihe von Gründen. Die Bedeutung des Reifens für die Charakteristik eines Fahrwerks und damit Fahrzeugs ist enorm. Somit hat die Abstimmung des Reifens auf die Fahrwerkkinematik und die Feder-Dämpfer-Eigenschaften einen sehr
hohen Stellenwert. Durch geeignete Vorgabe der Reifeneigenschaften wird die Ausprägung eines Fahrzeugs entscheidend beeinflusst. Hierbei gilt es die Schwerpunkte
festzulegen, etwa höchstmöglichen Komfort oder betonte Fahrdynamik, große
Robustheit gegenüber Fahrbahnstörungen oder feinfühliges Ansprechverhalten. Dies bedeutet auch, dass Kriterien wie die Seitenkraftcharakteristik und das Ansprechverhalten, die dynamischen Steifigkeiten und auch die Rundlaufqualität auf das Zielfahrzeug hin entwickelt werden müssen. Des Weiteren unterscheidet sich die Auslegung eines Reifens auch danach, ob es sich um ein front- oder heckgetriebenes Fahrzeug handelt.

Können Sie Ihren Testaufwand kurz beschreiben?

Die Hardware-Entwicklung der MO-Reifen (Mercedes Original) dauert etwa zwei Jahre.
Während dieser Zeit wird der Reifen in verschiedenen Iterationsschleifen auf das Zielfahrzeug angepasst. Die Erprobung umfasst sowohl Indoor- (Prüfstandsversuche) als
auch Outdooruntersuchungen (Fahrtests); subjektive als auch objektive Beurteilungen der Reifeneigenschaften.

Wie viele Kriterien werden insgesamt geprüft?

Es werden über 25 Kriterien abgeprüft, beispielsweise auch die Montierbarkeit der
Reifen, die Abwurfsicherheit bei Minderluftdruck und das Ablaufverhalten der Reifen.

Welche Prioritäten setzen Sie bei den technischen Eigenschaften?

Oberste Priorität liegt auf den sicherheits-relevanten Eigenschaften wie Schnelllauffestigkeit, Nassgriff, Längs- und Queraquaplaning und dem Bremsweg. Im Rahmen von Handling- und Stabilitätsuntersuchungen
werden auch Extremmanöver abgeprüft. Ziel ist es, ein stets beherrschbares Fahr-verhalten zu generieren.

Als Nächstes wären komfortrelevante Eigenschaften wie beispielsweise die Rundlaufqualität, das Abtast- und Abrollverhalten und das Reifengeräusch zu nennen. Letzteres wird sowohl im Fahrzeug als auch in Form des Vorbeifahrgeräuschs ermittelt und bewertet.

Zuletzt genannt, jedoch an Bedeutung sehr stark zunehmend, sind die ökonomischen Eigenschaften des Reifens. So fällt der Reduzierung des Rollwiderstands eine entscheidende Bedeutung zu, um den Kraftstoff-verbrauch des Fahrzeugs zu verbessern. Ebenfalls wichtig für die Kundenzufriedenheit ist die mögliche Laufleistung der Reifen.

E 500 (W212) 2008

Bleiben Runflat-Reifen mit Notlaufeigenschaften bei Mercedes-Benz weiterhin als Option im Angebot?

Zurzeit werden die MOExtended-Reifen noch
als Option angeboten. Bei den kommenden
Baureihen werden wir das Angebot an
Reifen mit Notlaufeigenschaften ausweiten,
möglicherweise bis zum serienmäßigen Verbau in verschiedenen Märkten.

Ist für Sie in absehbarer Zeit eine neue Runflat-Generation in Produktion, die Ihre Vorgaben deutlich besser erfüllt als bisher?

Die MOExtended–Reifen, die wir aktuell mit
unseren Reifen-Entwicklungspartnern erproben und teilweise bereits freigegeben sind, erfüllen unsere Ansprüche hinsichtlich Komfort in einem weit höheren Maße, als es die Reifen der ersten Generation vermochten. Ein Kunde wird hinsichtlich Ab-rollkomfort mit der aktuellen MOExtended-Generation keinen Unterschied zu einem Standardreifen feststellen können.

Welchen Stellenwert hat der Rollwiderstand?

Traditionsgemäß einen sehr hohen. Die Optimierung des Rollwiderstands unter Beibehaltung sämtlicher Mercedes-typischer Reifeneigenschaften hat im Rahmen der Verbrauchsreduzierung höchste Priorität.

Welche Verbesserungen beim Rollwiderstand sind erwünscht und nach Ihrer Ansicht in naher Zukunft realisierbar?

Da die neuesten Technologien für Laufstreifenmischungen, Aufbau und Kontur bereits bei den aktuellen Reifen berücksichtigt werden, können gegenüber der Vorgänger-Reifengeneration Rollwiderstandsverbesserungen von bis zu 15 Prozent realisiert werden. Innerhalb der nächsten fünf Jahre sind weitere 10 Prozent Absenkung, bezogen
auf das aktuelle Niveau, zu erwarten.

Bei welchen Kriterien halten Sie Abstriche für vertretbar, um den Rollwiderstand zu optimieren?

Eine Rollwiderstandsoptimierung zulasten
anderer Reifeneigenschaften entspricht nicht der Mercedes-Philosophie. Würde
man sich einseitig auf die Verbesserung des Rollwiderstands fokussieren, so hätte dies im «magischen Reifendreieck» die Folge, dass Nassgriff und Reifenverschleiß sich deutlich verschlechtern würden. Daher ist es wichtig, einen sauberen Kompromiss zu finden und gezielt neue Technologien wie beispielsweise spezielle Silane, Polymere und Ruße einzusetzen.

Muss sich möglicherweise unser bisheriges Reifenkonzept konstruktiv ändern, um den Rollwiderstand signifikant zu vermindern (schmalere Versionen, größere Durchmesser)?

Die Reifendimension richtet sich zurzeit primär nach dem Fahrzeuggewicht, der Maximalgeschwindigkeit und nach den fahrdynamischen Eigenschaften. Diese Abhängigkeiten, denen physikalische Eigenschaften zugrunde liegen, lassen sich nicht ohne Weiteres aufheben. Allerdings ist es richtig, dass sich bei Reduzierung der Reifenbreite
Rollwiderstands- und Luftwiderstandsverbesserungen realisieren lassen, sofern die Auslastung des Reifens nicht über ein optimales Maß zunimmt. Zu bedenken ist allerdings, dass eine Vergrößerung des Reifendurchmessers in der Regel auch eine Zunahme des Radstands, der Fahrzeugausmaße und damit eine Erhöhung des Fahrzeuggewichts mit sich bringt.

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3 Kommentare

  1. Guten Tag,
    Welche Reifenmarken empfiehlt Mercedes für den ML – W164 mit 3, 0 Diesl Bj 03.2011, also Reifen mit MO für Sommer-, Winter- und Allwetter- Reifen mit Schneeflocke, danke.
    Gruß Hans Etheber

    • Sehr geehrter Herr Etheber,

      bitte wenden Sie sich in Sachen Reifenempfehlungen für Ihr Fahrzeug direkt an Mercedes-Benz.

      Mit freundlichen Grüßen
      Ihr KÜS-Team

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