Elektronik und Sicherheitstechnik


Neue Herausforderungen für Gutachter und Versicherer

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Ausgeklügelte Crashstrukturen und die modernen elektronischen Sicherheitssysteme im Auto stellen für Unfall-Gutachter eine besondere Herausforderung dar. Um die Folgen eines Unfalles möglichst exakt analysieren zu können, benötigen Sachverständige schon heute einen fundamentalen Einblick in die Elektronik und die Struktur des jeweiligen Fahrzeuges. Dabei steht der Gutachter im Spannungsfeld zwischen seiner Aufgabe, alle möglichen Unfallschäden und die damit verbundenen Reparaturkosten genau zu bestimmen und dem Anspruch der Autoindustrie, ihre eigenen elektronischen Entwicklungen vor unbefugten Einblicken zu schützen.

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Beispiel Crashstruktur: Vor dem Hintergrund ständig steigender Anforderungen an die Sicherheit im Auto kommt der Entwicklung der Fahrzeugstruktur besondere Bedeutung zu. So müssen Fahrzeuge, die weltweit vermarktet werden, eine Vielzahl von internationalen Hochgeschwindigkeitscrashtests bestehen. Andererseits soll aber die Front so weich und verformbar sein, dass sie Fußgängern genügend Schutz vor ernsthaften Aufschlagverletzungen bietet und bei leichteren Unfällen reparaturfreundlich ist. Hinzu kommt der Anspruch nach möglichst großer Kompatibilität zwischen unterschiedlichen Fahrzeugkonzepten. Ein Beispiel: Der Zusammenstoß des Kleinwagen Toyota Yaris mit einem SUV wie dem Toyota Landcruiser soll auch für den kleineren Unfallpartner glimpflich ablaufen.

24_X_VDIM_Fahrdynamikregelung _-Sicherheitssystem v Toyota im Lexus GS 430--

Eine wichtige Rolle spielen auch die Versicherer, die möglichst geringe Reparaturkosten schon bei der Entwicklung eines Fahrzeugs berücksichtigt sehen wollen. Dadurch ergibt sich für die Kunden ein Vorteil bei den laufenden Kosten, weil die Versicherungseinstufung entsprechend günstiger ausfallen kann. Im Wettbewerb um Marktanteile, sowohl bei den Assekuranzen als auch bei den Automobilherstellern, sind die Unterhaltskosten ein relevanter Faktor geworden. Entsprechend viel Wert legt man beiderseits auf hohe Reparaturfreundlichkeit nach einem Unfall: kein einfaches Unterfangen bei den geforderten und nötigen Sicherheitsstrukturen.

So wenig der Nutzen moderner Sicherheitssysteme anzuzweifeln ist, so schwierig stellt sich ihre Bewertung für Gutachter und Versicherer dar: Eine spezifische Ausbildung im Hinblick auf den jeweiligen Hersteller ist erforderlich. Zuerst einmal muss der Sachverständige erkennen, welche Systeme und Ausstattungen überhaupt in diesem speziellen Fahrzeug eingebaut sind. Es ist beispielsweise ein Unterschied, ob die Produktion in der Türkei, in England oder in Japan stattfand. Stammt das Fahrzeug aus England, ist die Kalibrierung der elektrischen Servolenkung wichtig, kommt es aus der Türkei, ist sie unter Umständen nicht nötig. Er muss also die Umstände der Produktion ebenso erkennen wie die Funktion der Systeme verstehen, um dann das entsprechende Prüfverfahren anwenden zu können und den richtigen Reparaturweg zu definieren.

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Die Komplexität der elektronischen Systeme und ihre permanente Weiterentwicklung erfordert auch von Gutachtern und Sachverständigen die ständige Weiterbildung in Kooperation mit dem Hersteller. Noch einmal das Beispiel Toyota: Der Hersteller empfiehlt allen Gutachtern eine enge Anbindung an den Fachhandel und setzt selbst auf ein spezialisiertes Netzwerk von Sachverständigen, die wiederum in enger Verbindung mit dem hauseigenen Versicherungsdienst stehen. Nur so sieht das Unternehmen gewährleistet, dass der gesamte Schadensumfang nach einem Unfall sachgerecht und kostengünstig behoben wurde und damit auch zukünftig die Kundenzufriedenheit gesichert ist.

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