Eine kleine Geschichte des Autoschlüssels


Vom Metallstück zum Multitalent

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Um 1900 wurde die Zündung noch per Drehschalter aktiviert. Eine Schlüssellösung und Diebstahlschutz waren zu dieser Zeit noch kein Thema

Der Zündschlüssel für den Mercedes SL der Prinzession Soraya war aus purem Gold

Bis in die 60er Jahre hatten Autos teilweise noch unterschiedliche Schlüssel für Abschließen und Zündung. Danach setzte sich die Kombination Zünd-ist-gleichTürschlüssel zunehmend durch

Die Zukunft: Mittelfristig dürfte sich das Smartphone als Zündschlüssel durchsetzen

Um 1900, als Automobile im Straßenbild noch eine Sensation waren, wurde das Konzept eines Zündschlüssels gerade erst erdacht. Bei den ersten Autos war der Startvorgang noch viel zu mühsam, als dass er sich mit einer kleinen Handbewegung hätte initiieren lassen. Gut geschulte Chauffeure mussten in mehreren Schritten mit einem komplexen Ablauf den Motor starten. Die Aktivierung einer Zündung per Drehschalter war nur einer davon. 

Erst in den 1920er-Jahren hat man als Nobellösung erstmalig Zünd-Anlass-Schalter in Autos montiert. Dabei wurde in einer Bewegung der Stromkreis geschlossen und zugleich der Anlasser gestartet. Nach dem Abziehen ließ sich sogar das Lenkrad einrasten. Parallel kam in dieser Zeit das Abschließen das Fahrzeugs in Mode, wofür allerdings ein separater Schlüssel eingesetzt wurde.

Künftig fungierten Autoschlüssel auch als Symbol für den Besitz des Automobils, weshalb diese selbst gerne als Schmuckstück inszeniert wurden. Dabei haben die Autohersteller immer wieder kreative Serienlösungen entwickelt, reiche Kunden leisteten sich zudem individuelle Nobellösungen. So wurde für einen Mercedes SL 300 der Königin Soraya eigens ein Zündschlüssel aus Gold gefertigt. Auch heute noch werden Schlüssel gerne individualisiert. Das Angebot reicht von bunten Plastikschalungen bis zu aufwendigen Schmuckarbeiten. Die Berliner Manufaktur Noblekey hat sich vor einigen Jahren darauf spezialisiert, besonders edle Schlüssel nach ganz individuellen Wünschen herzustellen. Einstiegsmodelle gibt es für untere vierstellige Summen, Sonderanfertigungen können so viel wie ein neuer Mittelklassewagen kosten.

Für normale Autos blieb es hingegen meist bei Standardware aus Stahl und das in oft üppigen Bündeln. 

 Das erste Auto, bei dem sich Zünd- und Türschlüssel vereinten, kam 1949 von Chrysler, doch erst ab den 60er-Jahren setzte sich die Kombination von Zünd-ist-gleich-Türschlüssel durch. Oft wurde die Schlüsselreide, also der griffige Teil oberhalb vom Schlüsselbart, als Markenemblem inszeniert, später gerne gerahmt von einer Kunststoffummantelung.

Der nächste wichtige Schritt war die Einführung von Keyless-Systemen, die oft auch ein schlüsselloses Öffnen und Schließen ermöglichten. Zunächst auf Knopfdruck, später auch einfach automatisch per Funksignal. Zündschloss und Zündschüssel wurden dabei obsolet und der Motorstart per Knopfdruck initiiert. Der Schlüssel als Signalgeber nahm unterschiedlichste Formen, wie etwa eine große Checkkarte, an. Besonders moderne Schlüssel, wie der LCD-Schlüssel von BMW, sind bereits kleinen Smartphones ähnlich.

Und das Smartphone ist es, dass den Zündschlüssel wohl bald endgültig beerben wird. Fest im Fahrzeug verbaute Sensoren erkennen das Handy des Besitzers so sicher wie einen Fingerabdruck und öffnen die Türen nur für ihn. Im Falle eines Verlusts lässt sich das System sperren. Alternativ ist es per App möglich, anderen Nutzern, auch zeitlich begrenzt, Zugang zu gewähren. Das Smartphone als virtueller Schlüssel kann dank Bluetooth als Übertragungstechnologie nicht abgefangen werden. Und noch was ändert sich: Die nervige Suche nach dem Autoschlüssel dürfte damit der Vergangenheit angehören.

Fotos Bosch

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