DVR: Die Verkehrswende und die Mobilität von morgen


Benutzen statt besitzen

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Bedeutet die Verkehrswende
auch den Abschied vom Straßenverkehr,
wie wir ihn kannten und noch kennen?

Dieser Frage ging Andreas Knie bei einem Presseseminar des Deutschen Verkehrssicherheitsrats nach. Der Sozialwissenschaftler (Habilitation mit Lehrbefugnis für Soziologie 1995) am Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung (WZB) und Professor für Soziologie an der TU Berlin sieht in der Mobilität der Zukunft eine Abkehr vom „Kult des Fahrzeugbesitzes“. Vor allem jüngere Menschen sieht Knie bestrebt, eine Vielzahl an Optionen bei der Bewältigung des Straßenverkehrs zu haben, also auch Bus, Bahn (idealerweise mit flächendeckendem WLAN) und E-Roller. »Benutzen statt besitzen« ist die zentrale Aussage des Soziologen für die Verkehrsmittel der Zukunft.
Als Paradoxon sieht Knie die Förderung des Automobils durch die Politik an. Kein Auto zu erwerben, sei angesichts dieser Förderung ungeschickt, vor allem ob der Kaufanreize für größere Fahrzeuge. So sei das Auto immer noch Teil des privaten Glücks. Ausgehend von über 45 Millionen Pkw, die derzeit auf deutschen Straßen unterwegs sind, leitet er die Forderung ab, „uns ein wenig von der Menge an Blech“ zu befreien. Dazu sieht er die Politik in der Pflicht, die Rahmenbedingungen dafür zu schaffen. Radikal formuliert Knie seine These so: „Der öffentliche Verkehr muss für die Zukunft neu erfunden werden.“ Der Industrie attestiert er allerdings fehlende Bereitschaft zu einem Neustart – und fehlendes Interesse am Verkauf von Elektrofahrzeugen.
Autofahren in der Zukunft – rein pragmatisches Handeln? Überwiegend ja, analysiert Knie die aktuelle Situation. Die zitierte Vielfalt an Optionen im Straßenverkehr helfe bei der Bewältigung der Strecken im Straßenverkehr – statt nur „über sechs bis sieben Stunden im Auto eingesperrt zu sein“.

Fotos David Ausserhofer, RKM

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