Die steilste Bergbahnstrecke der Welt: Pilatus-Bergbahn in der Schweiz


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Mit leichtem Ruckeln setzt sich die Bahn in Bewegung. Sanft fällt man dabei in das plüschig rote Rückenpolster der Sitzbänke, während sich der Zug Zahn um Zahn aufwärts beißt. Bei den zwölf Kilometern Höchstgeschwindigkeit bergauf zieht eine leichte Brise frischer Bergluft durch die geöffneten Fenster. Flüchtige Blicke fallen auf alte Bergbauernhäuser und Wiesen mit träge wiederkäuenden Kühen. Schon bald nach der Ämsigenalp zeigen sich die ersten Steinböcke und bei einem Blick zurück glitzert der Vierwaldstättersee friedlich im Sonnenlicht.

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Im Juni 1889 hat sich die Pilatusbahn zum ersten Mal die 600 Höhenmeter hinaufgearbeitet. Damals schnaubte sie noch unter Dampf über die steilste Bergbahnstrecke der Welt aufwärts. Seit 1937 sind elektrische Triebwägen im Einsatz. Dennoch gilt die 4,6 Kilometer lange Strecke von Alpnachstad bei Luzern bis zur Bergstation auf dem Pilatus in 2070 Metern Höhe mit einer Steigung bis zu 48 Prozent auch heute noch als steilste der Welt.

Welche Mühen das technisch einzigartige Bauwerk damals vor 125 Jahren gekostet hat, lässt sich leicht erahnen. In nur 400 Tagen mauerten 600 Arbeiter Pflastersteine entlang der Strecke, trieben ellenlange Ankerschrauben in den Boden und verlegten Gleise und Zahnstangen Stück für Stück bergauf. Die Pläne stammen aus der Feder des Züricher Visionärs Eduard Locher. Als der ehrgeizige Ingenieur seine Idee vortrug, wurde er für verrückt erklärt. Nicht nur wegen des unwegsamen Geländes. Die Bewohner der Bergwelt, die sich über den Vierwaldstättersee erhebt, glaubten an böse Geister und finstere Drachen, die zwischen den Gipfeln hausten. Besonderes Unheil drohte jedoch vom Pilatus. Auf dem mystisch anmutenden Berg hatte der Legende nach die ruhelose Seele des einstigen römischen Feldherrn Pontius Pilatus, der das Urteil zur Kreuzigung Jesu gesprochen hatte, ein Refugium gefunden. Jede Störung ahndete der unselige Geist mit verheerenden Unwettern. Den beherzten Baumeister Locher schreckte die Schauergeschichte jedoch nicht und er setzte, allen Widerständen zum Trotz, seinen Bauplan in die Tat um. Genau ein Jahr nach der Pilatus-Bahn feierte das mondäne Haus „Hotel-Pilatus-Kulm“ seine Eröffnung.

Wagenführerin Vreni Näpflin, die einzige Frau unter den zwölf Zugführern, schwärmt vom inzwischen denkmalgeschützten Gipfelhotel. „Es ist einfach ein einmaliges Erlebnis, von hier oben einen Sonnenuntergang zu sehen“. Das hat die gestandene Bahnfrau in ihren bisher 25 Dienstjahren schon einige Male erlebt. „Einen Drachen habe ich aber noch nie gesehen“, sagt sie schmunzelnd. Während die Leute früher davon überzeugt waren, dass in den Felsspalten Drachen lebten, schmücken die Fabelwesen heute ganz harmlos als Wappentier der Pilatusbahn jeden einzelnen der zehn Waggons. „Dass wir diesen Berg haben, ist ein Geschenk Gottes“, schwärmt Christian Banzer. Der agile Kundenbetreuer der Pilatus Bahn gibt gerne Sagen und Mythen zum Besten, denn er weiß, dass solche Geschichten dem Berg etwas Spannendes verleihen.

Schon bei der Auffahrt, die lieblich beginnt, steigt die Spannung oberhalb der Baumgrenze, wenn kurz vor Einfahrt in die Bergstation die Eselswand auf einer Seite als blanker Fels aufragt. Auf der anderen Seite geht es dagegen bedrohlich nah am Schienenstrang fast senkrecht abwärts. Wenn dann der Pilatusgipfel noch Wolken verhangen ist, kann man Ehrfurcht und Ängste der Menschen damals nachvollziehen. Bei klarer Sicht öffnet sich dagegen ein traumhafter Weitblick auf den Vierwaldstättersee und Luzern bis zum Schwarzwald im Norden und das Berner Oberland im Süden. Zieht es danach wieder zu, hat das auch seinen Vorteil: Bei der Talfahrt fällt dann in der Eselswand der Blick statt in den Abgrund in einen weichen Wolkenteppich.

INFORMATIONEN UNTER:
www.pilatus.ch
Tel: 0041 329 1127

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