Das »Curioseum« im hessischen Hochsauerland


Technik, Tinnef, Träume

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1948 wurde Hans Schlömer hier geboren. Sein Vater betrieb den ersten Skilift am Ettelsberg bei Willingen, damals noch in einer Holzhütte, kalt und zugig, Knochenarbeit im Winter eben. 1972 wurde der Lift abgebaut. Heute tummeln sich dort komfortable moderne Seilbahnkabinen.

Sohn Hans war zu diesem Zeitpunkt bereits Pächter der Ettelsberg-Hütte. Wenig später erhielt er auf einem Gemeindegrundstück die Genehmigung, ein Gasthaus zu bauen, dem dann auch eine Erweiterung zum Hotel »Wilddieb« folgte. So wird heute also des Hoteliers Tagesablauf vom gastronomischen Gewerbe bestimmt. In all den Jahren zuvor schon hatte er begonnen, Zeitzeugen zu sammeln, die zwischen Kunst, Kitsch und allerlei Kram angesiedelt sind. Eine gewisse Affinität zur mechanischen Fortbewegung war ihm eh zueigen, zumal er zwei Jahre bei der Marine diente. Ferne Freunde und einheimische Nachbarn schleppten Sammelgut heran aus allen Bereichen des Lebens. Schlömer reinigte und reparierte es. Hartnäckig hält sich das Gerücht, er habe nächtens in der Küche eines Hotels geschenkte und defekte Motorräder für seine Kollektion repariert. 

Die baulichen Gegebenheiten konnten eines Tages all die Sammelstücke nicht mehr aufnehmen. Auf der Suche nach einem geeigneteren Areal wurde im Willinger Ortsteil Usseln ein ziemlich abgewirtschaftetes Anwesen mit Stallungen ausgemacht. Eine zeit- und geldaufwändige Kernsanierung stand an. Der Gastronom wollte ja nur für sich selbst sammeln, an eine öffentlich zugängliche „Pilgerstätte“ hatte er eigentlich nicht gedacht. Dann folgte eine große Holzhalle, zweigeschossig und treppenfrei,
die 2008 eingeweiht wurde.

Nun ist sein »Curioseum« auf über 1.500 Quadratmeter Fläche angewachsen und zu einer Anlaufstelle für Menschen geworden, die sich den skurrilen Mix der Sammelstücke ansehen wollen. Fahrräder, einige Motorräder, seltsame automobile Kreationen auf drei oder auf vier Rädern, Versehrten-Fahrgeräte. Sammelschwerpunkte? Nicht einfach, aber der Hotelier hatte sich auf Klein- und Kleinstfahrzeuge konzentriert. Aus der Materialarmut der Vor- und Nachkriegszeit entstanden vor allem in Frankreich skurrile Gefährte wie die Mochet-Winzlinge oder Arola und Super Comtesse. Aus Mangel an Metall wurde hie und da das Dach mit Segeltuch bespannt: Auch deutsche Exponate aus der frühen Nachkriegszeit sind zu sehen: NSU Prinz und Goggo Coupé. Ein Mercedes 300 SL mit Flügeltüren im Maßstab 1:1 ganz in Holz. Und immer wieder dazwischen: Kitsch und Krempel aus Küchen und Wohnzimmern, Prüftische für Elektrogeräte, Werkstatteinrichtungen aus »Olims Zeiten«, Plakate und alte Fotografien, sogar einige Leichtflugzeuge. Gleich beim Eingang neben einem Jaguar E-Type ein Austin Sprite, jenes kultige Sportwägelchen aus England, in Knallrot, vom Chef selbst etliche Jahre mit großem Vergnügen durch die sauerländischen Berge gescheucht. Wer Glück hat, trifft Hans Schlömer entweder im Museum, wenn er Geschichten zur Geschichte erzählt oder draußen ist beim Zweimann- U-Boot aus dem 2. Weltkrieg, das er auf einem Schrottplatz im mecklenburgischen Ort Berlinchen fand. Ein mini U-Boot, von dem die Deutsche Marine offiziell 500 Stück bauen ließ. Nur 60 Stück wurden in Dienst gestellt, deren 10 wurden per Bahn nach Bulgarien verkauft, um die Schwarzmeergrenzen abzusichern…

Ernstes, Heiteres und Überraschendes:
alles zu finden im Curioseum, das ganzjährig geöffnet ist. 

Näheres dazu unter:
www.curioseum-willingen.de

 

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